Gung Ho – Tanaka (Cross Cult) | Comicleser

Gung Ho – Tanaka (Cross Cult)

August 24, 2026
Gung Ho - Tanaka (Cross Cult Verlag), von Benjamin von Eckartsberg und Chaiko

Der ex-Spezialeinheitenkämpfer Tanaka Hasegawa hat die Katana eigentlich längst an den Nagel gehängt und dreht Martial Arts-Filme, in denen er die Kampfszenen natürlich höchstpersönlich inszeniert. Die Dreharbeiten zu seinem neuesten Werk in Paris werden jäh unterbrochen, als ein blumig „Reißer“ genanntes Kroppzeug die Stadt überrennt. Gemeinsam mit seiner Frau Kumiko und seiner Tochter Yuki wird Tanaka aus der Innenstadt evakuiert, aber das geht alles andere als glatt: ihr Fahrzeug wird in der Massenpanik gerammt, Tanaka stellt sich mit seinem Filmschwert dem Viehzeug entgegen, aber seine verletzte Frau muss sich opfern, um Mann und Tochter die Flucht zu ermöglichen.

In der Flüchtlingswelle aus der Stadt schafft es Tanaka durch rabiates Vorgehen, sich mit seiner Tochter ins Umland durchzuschlagen. 10 Jahre später: Tanaka lebt mit Yuki in einem Ausbildungscamp, in dem sich junge Leute, sobald das 16. Lebensjahr erreicht ist, im Kampf gegen gefangene Reißer beweisen müssen. Yuki entscheidet ihren Kampf für sich und erregt damit die Aufmerksamkeit des Anführers, der die junge Dame als passend für seinen Sohn erachtet. Als Yuki hier anderer Meinung ist und auch Tanaka sich handgreiflich zur Wehr setzt, fliehen sie aus dem Lager – in Richtung eines Außenpostens mit der Nummer 16, besser bekannt als Fort Apache

Fünf Jahre (die Zeit, sie eilt) nach Abschluss ihrer Endzeit-/Monster-/Mad Max-/Attack on Titan-Saga Gung Ho, bei dem in bester John Ford-Manier ein einsamer Außenposten gegen die anrennenden Angreifer besteht, legt Autor Benjamin von Eckartsberg nun gemeinsam mit Tsai Chaiko den Auftakt zu einer ganzen Reihe von Prequels vor, die sich jeweils in einem Band der Vorgeschichte eines Charakters der Hauptstoryline zuwenden werden. Los geht’s mit dem schweigsamen Samurai-Kämpfer Tanaka, der – so erfahren wir hier – eigentlich ein Actionstar ist, der die Nase voll von den immer gleichen Formeln seiner Filme hatte und dann notgedrungen zurück zu den Wurzeln seiner echten Kampfausbildung geht – Martial Arts Größen wie Bruce Lee und Chuck Norris lassen grüßen.

Seiner Tocher Yuki bläut er ein, sie müsse genauso hart werden wir er, um die Unbill des Lebens zu überstehen, womit Yuki durchaus hadert: so kennen wir das aus ihrem Auftritt in Gung Ho. Zumindest einen kleinen Blick auf die Herkunft der Reißer bekommen wir auch, man munkelt von einem schiefgegangenen Experiment oder einer biologischen Waffe, was sich ja auch bei einem launigen Virus namens Corona hartnäckig als Erklärung hält. Durchaus monströs erscheinen dabei auch Riesenausgaben der Viecher, die auf dem Pont Neuf in Paris erscheinen, 50er-Jahre-Mutations-SciFi-Filme grüßen hier wohlig um die Ecke. Auch der Running Gag, dass Tanaka kaum Englisch kann und fehlerhaft radebrecht, hat diverse kleine Auftritte.

Die optische Inszenierung durch Chaiko, mit dem Eckartsberg ja schon bei der „Chronik der Unsterblichen“ und auch bei seiner Agatha Christie-Adaption „Mord im Orientexpress“ zusammenarbeitete, gerät betont actionlastig, mit sichtlich computergestützter großer Geste, die vor allem in den Kampfszenen durchaus überzeugt. Auch wenn die eher leisen Momente, die Eckartsberg-Zeichenpartner Thomas von Kummant virtuos interpretierte, leider etwas kurz kommen, liefert der Band dennoch flotten Lesespaß für Kenner der Hauptserie, die passend dazu gerade in einer voluminösen Gesamtausgabe erscheint. Bei der Signierstunde bei Splendid Comics auf dem Münchner Marienplatz jedenfalls zeigten sich die Herren Benjamin und Thomas gut gelaunt und zeichneten beide (!) fröhlich in die druckfrischen Bände. Wir danken artig und sind auf die weiteren Prequels gespannt. (hb)

Gung Ho – Tanaka
Text & Story: Benjamin von Eckartsberg
Bilder: Chaiko
80 Seiten in Farbe, Hardcover
Cross Cult
25 Euro

ISBN: 978-3-98666-851-8

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