
Jigoku, ein scheinbar x-beliebiges Dorf, durch das Usagi auf seiner Wanderschaft zieht. Doch hier gilt nomen est omen, denn „Jigoku“ heißt auf Deutsch Hölle. Und die ist hier los, denn zwei verfeindete Banden bekämpfen sich gegenseitig, zum Leidwesen der verängstigen Dorfbewohner, die ständig drangsaliert werden, weshalb einige ihr Dorf sogar verlassen. Kann Usagi hier etwas ausrichten? Und wenn ja, mit seinen Schwertern, oder mit Köpfchen?
Die titelgebende Story „Ein Ort Namens Hölle“ besteht aus zwei Teilen und ist danach noch nicht zu Ende. Später im Band wird die Geschichte erneut aufgegriffen, beginnend mit dem unverbindlichen Titel „Begegnung am Pass der Blutbäume“ und dann in „Hölle, zum Zweiten“, einem weiteren Zweiteiler. Hier muss Usagi erfahren, dass seine Lösung des Problems massiv nach hinten losgegangen ist. Und wird dabei so richtig sauer.
Fliegende, gefräßige Köpfe ohne Rumpf, die nachts umgehen, nennt man im japanischen Volksglauben „Nukekubi“. Und mit genau einem solchen Geschöpf bekommt es Usagi unversehens zu tun. Diese abgeschlossene Geschichte zeigt einmal mehr das ganze erzählerisch und zeichnerische Können Stan Sakais: Usagi will sich in einem einseitigen Zwiegespräch von einer alten Tratschtante verabschieden, dabei aber die Etikette der Höflichkeit wahren. Schließlich hat sie ihm Obdach gewährt. Eine humorige Szene, die sich über ganze acht Seiten erstreckt.
Später wird Usagi misstrauisch und findet keinen Schlaf. Auch hier zeigt Sakai in mehreren Panels die gleiche Perspektive – Usagi beim Grübeln – während dabei Spannung aufgebaut wird, die sich schließlich so plötzlich wie actionreich und skurril entlädt. Und am Ende fügen sich die Motive der Geschichte meisterhaft und versöhnlich zusammen.
„Das Schwert Narukamis“ beginnt mit einem Scharmützel. Dabei trifft Usagi auf den knorrigen Inuyoshi, der unbedingt einen Auftrag seines Fürsten erfüllen will. Natürlich hilft ihm Usagi dabei. Doch Inuyoshi geht nicht subtil vor, sondern mit dem Kopf durch die Wand. Wieder stürzen wir uns mit Usagi ins Kampfgetümmel, in diversen Serien-typischen Wimmelbild-Keilereien, die Sakai hier aufwändig präsentiert.
Bleibt noch „Teru Teru Bozu“, eine Story, die beschaulich beginnt. Usagi gastiert bei einer Familie, deren Sohn Taro ihn ins Herz geschlossen hat. Mit ihm bastelt er Teru Teru Bozu, kleine Papierfiguren, die man aufhängt und die für gutes Wetter sorgen sollen. Es folgt ein intensiv inszenierter Kampf im Dauerregen – jedoch löst sich beides in Wohlgefallen auf. Wobei: Das Ende hat es in sich und wird sicher später noch einmal aufgegriffen werden…
Es ist tatsächlich jedes Mal aufs Neue ein Fest, Usagi bei seinen Streifzügen durch das Japan der Edo-Zeit begleiten zu dürfen. Dabei wird Sakai nicht müde, seine Geschichten zu variieren und dabei etliche Aspekte aus der japanischen Kultur (und deren Mythen) einfließen zu lassen, abseits von Kampf und Ehre der Samurai. Und wir werden nicht müde, genau das zu loben. Das launige, wahlweise sinnlose oder höchst originelle Vorwort stammt diesmal von Geof Darrow (u.a. „Hard Boiled“, „Shaolin Cowboy“).
Dieser Band beinhaltet die US Hefte (Vol. 3) 124 bis 131, die als Trade Paperback im Original bei Dark Horse bereits 2013 erschienen. Aktuell ist man dort bei der Nr. 41 angelangt, da hat Dantes also noch einiges vor sich, auf das wir uns freuen können. Und: Die Serie geht ja weiter. Stan Sakai, 2020 in die Will Eisner Hall of Fame aufgenommen, arbeitet noch immer fleißig daran. Die übliche Cover-Galerie beendet den Band, bei dem man die Angabe der Seitenzahlen im Inhaltsverzeichnis vergeigt hat. Was das Lesevergnügen freilich nicht stört. (bw)
Usagi Yojimbo, Band 27: Ein Ort namens Hölle
Text & Bilder: Stan Sakai
216 Seiten in schwarz-weiß, Softcover
Dantes Verlag
22 Euro
ISBN: 978-3-68902-019-4