Die Blake und Mortimer Bibliothek, Band 8 (Carlsen) | Comicleser

Die Blake und Mortimer Bibliothek, Band 8 (Carlsen)

Dezember 16, 2025
Die Blake und Mortimer Bibliothek, Band 8: Die drei Formeln des Professor Sato (Carlsen Verlag)

Panik über Tokio: Ein unbekanntes Objekt, das spektakuläre Kapriolen fliegt, ist in den Luftraum eingedrungen und entpuppt sich als riesiger Ryū, als traditioneller japanischer Drache. Kurz danach beschließt Professor Akira Sato, ein berühmter Kybernetiker, seinen alten Freund Professor Philip Mortimer, der sich gerade in Japan aufhält, zu kontaktieren, um ihn um Rat zu fragen. Denn der Ryū ist ein Roboter und das Geschöpf Satos, dem zurückgezogen in seinem abgelegenen Landhaus ein Durchbruch in der Robotik-Forschung gelang.

Doch offenbar sind noch andere Mächte an Satos Forschungen und Erfindungen interessiert, was Mortimer schnell am eigenen Leib erfahren muss. Schließlich weiht Sato Mortimer in seine sensationelle Erfindung ein und vertraut ihm drei Formeln an, die seine Forschungsergebnisse zusammenfassen und die in Schließfächern in drei verschiedenen Banken in Tokio deponiert sind, zu denen im Notfall nur Mortimer Zugang hat. Und der Notfall tritt bald ein, aber anders als gedacht…

Die erste Hälfte des Zweiteilers endet mit den Schindluder treibenden Bösewichten rund um einen bekannten Gegenspieler von Blake und Mortimer, der im Auftrag einer mächtigen Verbrecher-Organisation arbeitet. Bemerkenswert auch: dieser erste Teil kommt ganz ohne Colonel Francis Blake aus, der erst in der Fortsetzung nichtsahnend quasi in das Geschehen platzt, das dann auf ein spektakuläres, aber auch mitunter überfrachtetes Finale zusteuert.

„Die drei Formeln des Professor Sato“ erschien 1971/72 Im Magazin Tintin als Fortsetzungsgeschichte und erst 1977 als Album. Dann verhinderten private Rückschläge (der Tod seiner Frau), (im Nachhinein) falsche verlegerische Entscheidungen und andere Projekte (seine Autobiografie „Un opéra de papier“ 1981), dass Jacobs an der Fortsetzung arbeiten konnte. Als es dann zeitlich wieder ging, auf die Achtzig zugehend, war er zu alt – eine Arthrose in den Fingern erlaubte nicht mehr den gewohnt feinen Zeichenstil.

Bob de Moor, sein erfahrener Wunschkandidat, sollte das fertig gescriptete und vorskizzierte Album zeichnen, war aber durch seine Arbeit für das Studio Hergé unabkömmlich. 1987 starb Jacobs. Erst 1989 konnte Bob de Moor mit der Arbeit beginnen, wobei er sich streng an die vorhandenen Entwürfe, Texte und Vorlagen von Jacobs halten musste. Dazu kam noch ein enormer Zeitdruck. 1990 erschien schließlich „Mortimer gegen Mortimer“ – und damit der Abschluss des Zweiteilers, auf den die Leserinnen und Leser geschlagene 18 Jahre warten mussten.

Jacobs Strich im ersten Teil ist noch feiner, verfolgt nicht mehr stur die Ligne Claire aus früheren Zeiten und ist damit auch realistischer. Bob de Moor kann da im zweiten Teil nicht ganz mithalten, was freilich erst so recht auffällt, wenn man beide Teile miteinander vergleicht. Schon damals erntete der Stil de Moors Kritik. Doch er stand wie bereits erwähnt unter Zeitdruck (er musste zusätzlich einen Assistenten engagieren) und musste sich zudem an die engen Vorlagen von Jacobs halten. Was daneben auch zeigt, wie einzigartig und unnachahmlich Jacobs’ Strich war.

Der Band schließt nun die Blake-und-Mortimer-Bibliothek ab, die ausschließlich die Geschichten von Edgar P. Jacobs beinhaltet. Der Sekundärteil zeigt diverse Skizzen und Entwürfe Jacobs‘ und schildert die Entstehungsgeschichte des Zweiteilers. Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte und auch wissen will, die Jacobs‘ Vorgaben für „Mortimer gegen Mortimer“ aussahen, dem sei der Band „Les 3 formules du professeur Sato – Découpage original“ empfohlen, in dem die Skizzen und Entwürfe für beide Bände quasi als Faksimile enthalten sind (siehe Cover rechts).

Sechs Jahre nach Bob de Moors Abschluss der Geschichte nahm mit Jean van Hamme und Ted Benoît das erste Nachfolger-Team seine Arbeit an der Serie auf, mit „Der Fall Francis Blake“. Und im Jahr 2000 legten Yves Sente und André Juillard mit „Die Voronov-Intrige“ ihren ersten Blake und Mortimer Band vor, gefolgt von diversen anderen. Inzwischen sind 19 Bände von verschiedenen Kreativ-Teams erschienen – es wäre doch fein, wenn auch diesen Alben eine ähnliche Bibliotheks-Ausgabe vergönnt wäre. (bw)

Die Blake und Mortimer Bibliothek, Band 8:
Die drei Formeln des Professor Sato

Text & Story: Edgar P. Jacobs
Bilder: Edgar P. Jakobs, Bob de Moor
128 Seiten in Farbe, Hardcover
Carlsen Verlag
30 Euro

ISBN: 978-3-551-01600-3

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