
Nach seiner misslungenen Neukonditionierung bzw. Gehirnwäsche und der Flucht in bester „Graf von Monte Christo“-Manier findet sich Will Jones bei seiner Blue und damit bei den Rebellen wieder, die offenbar weit vor den Toren der Stadt versteckt in einer schon fast malerischen Wildnis leben. Doch die Idylle trügt massiv. Denn stets droht die Gefahr von der Obrigkeit gejagt zu werden. Was Will und Blue nach einem Stelldichein auch schmerzhaft erfahren.
Wieder muss Will fliehen und diesmal gibt es kein Zurück. Ziel kann nur die ominöse „große Insel“ sein, ein angebliches Refugium für Dissidenten – eine Verheißung, für deren Existenz es keinen Beweis gibt. Doch zuerst müssen Will und Blue eine Grenze überschreiten, die zwar unsichtbar aber dennoch tödlich ist. Denn um sich der Kontrolle der Obrigkeit endgültig zu entziehen, muss ein Chip im Kopf der Flüchtigen operativ entfernt werden…
Wieder schlägt die Story hier in der abschließenden Episode des Dreiteilers eine neue Richtung ein. In Band 1 wurde die kalte Zukunfts-Welt mit ihrer totalitären Gesellschaft vorgestellt, in der das Dasein strengstens geregelt ist und in der Will als „Geschichts-Korrigierer“ arbeitete. Band 2 thematisierte die Neukonditionierung des aus der Bahn geworfenen Will und damit das Vermischen von Traum und Realität – nicht nur für Will, sondern auch für uns Leser.
Jetzt heißt es das vermeintliche Paradies zu finden, die „große Insel“, wo hoffentlich Freiheit herrscht und alles besser ist. Wie das Dryland aus „Waterworld“. Was sich natürlich als schwieriger erweist als gedacht, aber gleichzeitig irgendwie auch als einfacher. Denn Autor Rodolphe fährt hier einige Überraschungen und Wendungen auf, die von einem Twist gegen Ende gekrönt werden, der einen doch etwas ratlos zurücklässt.
Story und Zeichnungen stammen von zwei Comic-Routiniers. Der Belgier Werner Goelen, alias Griffo (u.a. „Giacomo C.“ mit Jean Dufaux) ist bereits 76, besticht aber noch immer mit seinem handwerklichen Old-School Zeichenstil und hier mit offenbar direkt kolorierten Panels, während der umtriebige Autor Rodolphe, der eigentlich Rodolphe Daniel Jacquette heißt, schon 77 Lenze zählt (und der schon vor „Urzeiten“ mit Chris Scheuer bei „Marie Jade“ zusammenarbeitete).
In Ihrer Story verarbeiten und variieren die beiden weiter konsequent Motive aus bekannten Dystopien, von George Orwells „1984“ über „Die Insel“ (2005 von Michael Bay inszeniert) bis „Logan‘s Run“ („Flucht in 23. Jahrhundert“ aus dem Jahr 1976). Über den Twist und dessen Logik mag man diskutieren wie sinnieren, dazwischen hätte man sich gerne tiefere Einblicke in diese schöne neue Utopie gewünscht. (bw)
Utopie, Band 3
Text & Story: Rodolphe
Bilder: Griffo
48 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
17 Euro
ISBN: 978-3-98721-440-0