
Dominic Vernius sinnt auf Rache. Der ehemalige Herrscher des Technologie-Planeten Ix, dessen Frau ermordet wurde und dessen Kinder bei Herzog Leto auf Caladan Zuflucht fanden, organisiert sich einen Raumer, mit dem er nebst Atomwaffenarsenal in Richtung Giedi Prime, Heimat der Harkonnens, aufbrechen will. Graf Fenrig allerdings bekommt Wind von seinen Plänen und sendet eine Einheit Sardaukar – worauf sich Vernius kurzerhand mitsamt den Angreifern ins atomare Jenseits befördert. Um diese tragische Nachricht den Kindern Dominics persönlich zu überbringen, reist Guerney Halleck nach Caladan und schließt sich dort dem Hofstaat von Leto Atreides an, mit dem er sich im Hass auf die Harkonnens vereint sieht.
Duncan Idaho, seinerseits geflohener Sklave der Harkonnens, muss sich einstweilen während der Ausbildung als Schwertkämpfer in der Schule von Ginaz der rabiaten Attacken der Grummans erwehren, die Rache dafür suchen, dass man ihre rüpelhaften Söhne aus der Kampfschule geworfen hat. Das gelingt zwar leidlich, dennoch zeigt sich Idaho durchaus ernüchtert und man sich ebenfalls zurück nach Caladan, wo man ihm damals Zuflucht gewährte. Leto selbst hat ganz eigene Sorgen: seine beiden Mätressen Jessica und Kailea (die Tochter von Dominic Vernius, mit der er den kleinen Sohn Victor hat) ringen um ihren Status.
Die Lage spitzt sich zu, als Leto die Hand von Ilesa Ecaz angetragen wird und der Herzog dieser taktisch klugen Verbindung gar nicht abgeneigt ist. Die um den Vater trauernde Kailea fasst einen radikalen Plan: als Leto per Drachenluftschiff sein ganzes Reich bereisen will, befördert sie eine Bombe an Bord. Mit Entsetzen erfährt sie, dass entgegen ihrer strikten Anweisung auch ihr Sohn Victor mit von der Partie ist. Als die Bombe explodiert, kommt es zur Katastrophe…

In der letzten Episode des (neben dem „Haus Atreides“) zweiten Prequels zum Monumental-Epos um den Wüstenplaneten führen Frank Herberts Filius Brian und sein Kompagnon Kevin J. Anderson alle Handlungsfäden hin zur Konstellation, die wir in Herberts Dune dann vorfinden. Am Hof von Herzog Leto sammeln sich allmählich alle Feinde des Hauses Harkonnen, die durch ihre rücksichtslosen Machenschaften, die auch vor Morden in der eigenen Familie nicht zurückschrecken, erst vereint werden. Die kopflose, tragische Tat ihrer Konkurrentin versetzt Jessica erst in die Lage, entgegen der Weisung der Bene Gesserit, ihrem Gefährten einen Sohn zu schenken, der als Paul Atreides zum Fremen-Anführer werden wird.
Auf Arrakis gelingt es dem Planetologen Keynes zunehmend, grüne Oasen inmitten der Ödnis zu schaffen – ein Vermächtnis, das sein Sohn nach dem Unfalltod des Vaters weiterführt. Um den nach dem Attentat schwer verletzten Rhombur Vernius zu retten, holt man den Kybernetik-Forscher Wellington Yueh an den Hof, der später auf Arrakis zum unfreiwilligen Verräter werden wird. So entsteht ein Kaleidoskop von Motivationen, Verletzungen und traumatischen Erlebnissen, die die Ereignisse auf dem Wüstenplaneten in einen größeren Kontext stellen – auch auf Seiten der Harkonnen, wo sich etwa Rabban selbst nach dem Mord am eigenen Vater den Titel der „Bestie“ gibt.
Weniger Wüsten-Action, weniger Sandwürmer, dafür aber jede Menge Psychologie und Tragik – so entfaltet sich dieses Prequel, das Michael Shelfer leicht cartoonhaft, in atmosphärischer Farbgebung inszeniert. Der dritte Band beschließt diese Adaption des Romans, der dem Dune-Universum eine durchaus würdige Ergänzung liefert. Für Sammler gibt es eine auf 500 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe mit Variant-Cover und Kunstdruck. Und mit „Haus Corrino“ steht der nächste Dune-Ableger schon in den Regalen. Dazu in Kürze mehr. (hb)
Dune: Haus Harkonnen, Buch 3
Text: Brian Herbert, Kevin J. Anderson
Bilder: Michael Shelfer
112 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
22 Euro
ISBN: 978-3-98721-283-3