Die Viper, Band 1 (Splitter) | Comicleser

Die Viper, Band 1 (Splitter)

Februar 15, 2021
Die Viper, Band 1: Feuerregen (Splitter Verlag)

Silver Creek, Colorado, im Jahre 1900. Die junge und attraktive Emily kommt in das Städtchen um zu heiraten. Doch schon bald nach ihrer Ankunft muss sie erfahren, dass ihr Auserkorener, mit dem sie bisher eine Fernbeziehung führte, vor kurzen verstorben ist. Mittellos kommt sie notgedrungen im örtlichen Saloon unter, wo sie als Prostituierte arbeiten muss, wie einst ihre Mutter. Bald darauf besucht Gouverneur McGrady auf seiner Wahlkampftour Silver Creek. Spätestens jetzt wird klar, dass Emily nicht die ist, die sie vorgibt zu sein. Denn mit eiskalter Präzision macht sie dem Politiker per Scharfschützengewehr den Garaus und kann im dem selbst verursachten Chaos unerkannt entkommen. Doch McGradys Familie engagiert zwei Pinkerton-Detektive, die sich bald an Emilys Fährte heften, was den Beginn eines abenteuerlichen Katz-und-Maus-Spiels bedeutet…

Der Auftakt von Laurent Astiers auf fünf Bände angelegter Spät-Western-Reihe präsentiert eine ungewöhnliche Heldin, die nach ihrem verübten Anschlag eine geradezu epische Flucht antreten muss, stets mit den beiden Pinkerton-Leuten im Nacken, die sie hartnäckig verfolgen. Schnell entpuppt sich Emily dabei als taffe Heldin, die sich in jeder Situation zu wehren weiß und dabei äußerst resolut und entschlossen vorgeht. Der Clou an der Sache ist, dass der Leser bis zum Schluss nicht die geringste Ahnung hat, warum sie das Attentat verübt. Ist sie eine Auftragsmörderin, was ihr „Werkzeug“ vermuten lässt? Handelt sie auf eigene Faust in einem persönlichen Rachefeldzug? Wir wissen es (noch) nicht und können nur vermuten, dass die ausführlichen Rückblenden in ihre nicht gerade glückliche Kindheit etwas damit zu tun haben.

Derweil mutet der Band fast wie ein altes Filmserial an, in dem Astier mit etlichen klassischen Western-Motiven wie an einer Schnur aneinandergereiht aufwartet, die immer wieder mit kleinen Cliffhangern bestückt sind, in denen sich Emily von einer gefährlichen Situation zur nächsten hangelt. Bald begegnet sie auf ihrer Flucht Indianern, dann tritt die Kavallerie auf, inkl. Apachen-Scout, der offenbar mehr im Schilde führt (Blueberrys Quanah lässt grüßen). Wir haben Indianerhasser, einen einsamen Zug und als Schauplatz immer wieder die imposante, schon fast ikonische Berg- und Felskulisse, wie wir sie medienübergreifend aus etlichen Genre-Vertretern kennen. Ein kleiner Gag sind die mürrischen Pinkerton-Detektive, die eigentlich besseres zu tun hätten als einer Frau nachzujagen – nämlich die Wild Bunch (hat nichts mit dem Peckinpah-Film zu tun) dingfest zu machen, in Person von Butch Cassidy und Sundance Kid.

Laurent Astier, der im Zack Magazin bereits mit „Das Gold der Narren“ vertreten war, bietet damit gelungene wie kurzweilige Western-Unterhaltung. Sein Stil orientiert sich dabei an Girauds Blueberry, der gemeinsam mit Jijé die franko-belgische Western-Tradition begründete, was besonders in den Landschaften und Kulissen zum Ausdruck kommt. Seine Gesichter kommen bisweilen zwar etwas schematisch und statisch rüber, was durch detaillierte Panels und originelle Draufsichten wieder wettgemacht wird. Band 2 „Flutwelle“ ist vom Splitter Verlag für den April angekündigt. Es geht also flott weiter und wir sind gespannt, wie es Emily darin ergehen wird. Und was ihre Beweggründe sind. (bw)

Die Viper, Band 1: Feuerregen
Text & Bilder: Laurent Astier
72 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
17 Euro

ISBN: 978-3-96219-563-2

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