Die Klingen der Wächter, Band 1-3 (Chinabooks) | Comicleser

Die Klingen der Wächter, Band 1-3 (Chinabooks)

Mai 12, 2020
Die Klingen der Wächter, Band 1 (Chinabooks)

Chinesisches Kaiserreich, im Jahr 607 unserer Zeitrechnung. Im Westen des riesigen Landes, weit jenseits der Großen Mauer, stösst die Macht des Kaisers an ihre Grenzen. Hier sind Chinesen in der Unterzahl, hier ist die Heimat anderer Volksgruppen. Und in diesen Gegenden streift Daoma umher, ein Chinese, der sich offenbar nicht ohne Grund weit weg von seiner Heimat aufhält. Daoma ist ein meisterlicher Kämpfer, ein wahrer Berserker und schlägt sich als Kopfgeldjäger und Geleitschützer durch. Immer mit dabei ist Xiaoqi, ein kleiner Junge, vermeintlich Daomas Sohn, denn die beiden sind unzertrennlich. Um seine Schuld bei seinem Auftraggeber, dem „alten“ Mo, abzutragen, nimmt Daoma auch heikle Jobs an. Einer davon führt ihn in die „Stadt des roten Sandes“. Dort sucht er einen Mörder, stößt dabei aber auf das despotische Stadtoberhaupt, den hohen Herrn Chang, der sich ungehemmt bereichert und dabei das Volk gnadenlos terrorisiert (Erster Akt: Der wandernde Ritter).

Nach einer furiosen, wie blutigen Auseinandersetzung sieht sich Daoma von der Obrigkeit verfolgt, er wird steckbrieflich gesucht, ein hohes Kopfgeld ist auf ihn ausgesetzt. Trotzdem nimmt er einen neuen Auftrag von alten Mo an: er soll quasi als Bodyguard den geheimnisvollen Zhishilang in das 2400 km entfernte Chang’an begleiten. Zhishilang, der stets eine Maske trägt, ist ein Revoluzzer, der – wie auch immer – den tyrannischen Kaiser stürzen will. Das Gerücht über das gewagte Vorhaben gelangt auch an den kaiserlichen Hof, wo der allmächtige Herrscher höchst selbst den Minister Pei beauftragt, ihm den Kopf Zhishilangs zu bringen. Derweil ist die kleine Gruppe um Daoma und Zhishilang, zu der auch Mos Tochter Ayuya gehört, unterwegs und muss sich ersten Gefahren stellen. Die sind jedoch nur ein kleiner Vorgeschmack im Vergleich zu dem, was sie noch erwartet (Zweiter Akt: Die weite Wüste)…

Die Klingen der Wächter, Band 2 (Chinabooks)

Obwohl die beiden Abenteuer, die Daoma bestreitet, recht gradlinig verlaufen (ein relativ kurzer erster Akt, gefolgt von einem epischen zweiten) erzeugen die Vorgänge im Hintergrund eine gewisse Komplexität: Pei, der sich gegenüber dem Kaiser kein Versagen leisten kann und darf, nimmt Einfluss auf die fünf barbarisch-stämmigen Handelsfamilien, die das Gebiet beherrschen und die sich untereinander nicht grün sind und spinnt hier seine Macht-Intrigen. Während Daoma ganz der strahlende Held ist, der sich wagemutig und mit einem Lächeln auch in schier aussichtslose Kämpfe wirft, wird man aus der Figur des Zhishilang (noch) nicht schlau. Offenbar ist er (der stets von sich in der dritten Person spricht) sehr beredt und rhetorisch begabt, zeigt aber auch immer wieder trottelige Anwandlungen. Und wie er sein Ziel zu erreichen gedenkt, ist auch noch unklar. Ayuya muss im Laufe der Story einen schweren Schicksalsschlag verkraften und bildet einen weiteren Dreh- und Angelpunkt der Geschichte.

Die saugt Elemente verschiedenster Genres auf, bis sie in einem fast apokalyptischen Finale vorerst schließt. Die furios inszenierten, blutrünstigen Kampfszenen mit dynamischen Bewegungen und schnellen Schnitten stehen ganz in der Tradition der Hongkong und China Eastern; die einsame Kutsche mit der „Reisegruppe“ auf der Flucht erinnert dann wieder an diverse Verfolgungsjagden im Westerngenre. Wie im berühmten Manga „Lone Wolf & Cub“ hat Daoma, den man in Japan einen Ronin nennen würde, stets den kleinen Jungen dabei, der immer wieder für Aufheiterungen sorgt (neben diversen anderen sarkastisch humorigen Einlagen, für die auch Daoma zuständig ist). Und der philosophierende Zhishilang mit seiner Maske und aufrührerischen Plänen erinnert natürlich an den Titelfigur von Alan Moores „V for Vendetta“.

Die Klingen der Wächter, Band 3 (Chinabooks)

Autor und Zeichner Xu Xianzhe (die Serie ist tatsächlich sein Erstlingswerk) inszeniert die Reihe teilweise detailliert, teilweise skizzenhaft und bedient sich dabei diverser Stilmittel (siehe die Kampfszenen – man „fliegt“ gerne durch die Lüfte), so (über)zeichnet er Daomas Gegner gerne übertrieben riesenhaft und lässt dabei die Proportionen außen vor. Der Schweizer Verlag Chinabooks veröffentlicht die ersten drei Bände der Reihe auf einen Schlag. Im Gegensatz zu früheren Comic-Publikationen ist hier keine chinesische Originalversion erhalten, was die Bände handlicher und markttauglicher macht – und wahrscheinlich auch günstiger. Die Fortsetzung wird bereits in Kürze erscheinen, hoffentlich ebenso furios wie der dreiteilige Auftakt. (bw)

Die Klingen der Wächter, Band 1-3
Text & Bilder: Xu Xianzhe
282/272/272 Seiten in Schwarz-Weiß, Softcover
Chinabooks
je 14,90 Euro

ISBN: 978-3-905816-94-5 (Band 1)
ISBN: 978-3-905816-95-2 (Band 2)
ISBN: 978-3-905816-96-9 (Band 3)

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