Hit-Girl in Kanada (Panini) | Comicleser

Hit-Girl in Kanada (Panini)

April 8, 2019
Hit-Girl in Kanada (Panini)

Bärenfallen haben etwas Rabiates. Vor allem, wenn man als kleines Mädchen darin feststeckt. Dabei wollte Hit-Girl doch einfach ein paar Lumpensöhnen den Garaus machen, die schlechten Stoff nach New York geschmuggelt haben. Nach dem Tod von Big Daddy verdingt sich das vorlaute und schlagkräftige Fräulein namens Mindy McCready nämlich gerne auf Verbrecherhatz – eben noch gegen Drogenkartelle in Kolumbien, reist Hit-Girl nach Kanada, um Billy Baker zu schnappen, den Dealer, der sich in seiner Hütte in Kashechawan verschanzt hat.

Dort nimmt Mindy die Jungs ordentlich aufs Korn und nietet auch den guten Billy um, bis sie eben in der Falle hängenbleibt, in der sie langsam auszubluten droht. Rettung naht in Form eines knorrigen alten Eremiten, der sie nicht nur aus der Falle befreit, sondern auch in seiner Hütte gesund pflegt. Gerade rechtzeitig, möchte man sagen, den Billys Vater hat mittlerweile eine bunte Truppe zusammengetrommelt, mit der er Hit-Girl ein für alle Mal ins Jenseits befördern will. So entbrennt in der Kälte Kanadas ein Kampf auf Leben und Tod…

Mit der Reihe um die gewalttätige Mindy erleben wir ein weiteres Spin-Off der wunderbaren Superhelden-Hommage/Parodie „Kick-Ass“, in der Hit-Girl ein überdreht-soziopathischer Robin für den ebenso quartalsirren Batman-Schatten Big Daddy lieferte. In der Serie darf sich in jeder Episode ein neues Kreativteam verewigen – nach Band 1 („Hit-Girl in Kolumbien“), in dem sich noch Erfinder Mark Millar selbst die Ehre gab, übernehmen nun Jeff Lemire („Descender“) und Eduardo Risso (u.a. „100 Bullets“) das Ruder. Lemire, nicht zuletzt dank der aufsehenerregenden Heldendekonstruktion „Black Hammer“ sattsam als Genre-Jongleur bekannt, bietet hier straighte Action, die ohne viel Tricks und doppelten Boden daherkommt.

Nach einem kurzen Intro in New York verlagert er die Handlung flugs in den ewigen Schnee Kanadas, wo sich Hit-Girl rigoros durch die Reihen der Lumpensöhne mäht, wobei Lemire nicht vor durchaus drastischen Szenen zurückschreckt, die Risso knallig umsetzt. Ein wenig Tiefgang bekommt die Chose durch Mindys Sehnsucht nach ihrem verlorenen Vater, der sich in der Trauer des Einsiedlers, den sie liebevoll „Grizzly Adams“ (deutschen TV-Sehern der frühen 80er besser bekannt als „Der Mann aus den Bergen“) nennt, um dessen verstorbene Tochter spiegelt. In erster Linie aber erleben wir hier ein krachiges Action-Spektakel, das mit Blut und Schmerz nicht geizt, gleichzeitig aber auch genug dialoglastigen Witz hat, um die Gravitas nicht allzu sehr zu betonen. Band 3, „Hit-Girl in Rom“, ist bereits in den einschlägigen Läden erhältlich. Ob sie da den Papst verprügelt, werden wir sehen. (hb)

Hit-Girl in Kanada
Text: Jeff Lemire
Bilder: Eduardo Risso
100 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
14,99 Euro

ISBN: 978-3-7416-1138-4

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