Die Daltons, Band 2 (Splitter) | Comicleser

Die Daltons, Band 2 (Splitter)

April 5, 2019
Die Daltons, Band 2 (Splitter Verlag)

Oklahoma, im Jahr 1890. Langsam aber stetig schliddern die Dalton-Brüder – Bob, Grat und Emmett – auf die schiefe Bahn und damit auf die andere Seite des Gesetzes. Die Motive? Fließend und divers. Grat, der aus Kalifornien zu seinen Brüdern stößt, wurde auf Betreiben der Eisenbahngesellschaft für einen Zugüberfall verurteilt, an dem er nicht beteiligt war. Er sinnt auf Rache. Bob, der zuletzt als Marshal vom Staat nicht mehr bezahlt wurde, möchte Florence, seiner Liebsten, ein sorgenfreies Leben bieten und träumt von Südamerika. Und Emmett, der Jüngste, ist eine Art Mitläufer, der seine Holde erst bekommt, wenn er ein ehrbares Leben führt. Ein frommer Wunsch der Dame, der ob seiner Unerfüllbarkeit den jungen Mann wütend macht. Nachdem sich die Brüder wieder gefunden haben und sich die Gang um den brutalen Charley „Black Face“ Bryant dazugesellt, verübt man erste Zugüberfälle. Die Beute ist überschaubar. Dazu heftet sich Ransom Payne von der Eisenbahnpolizei der Bande an die Fersen, die sich im Winter versteckt hält und von besseren Zeiten träumt. Ihr Trumpf: Florence, die sich an Payne heranmacht und so als Informantin dient. Schließlich sollen die „besseren Zeiten“ erzwungen werden. Man plant einen dreisten Coup: gleich zwei Banken will man in Coffeyville überfallen. Ein Unterfangen, das im Desaster endet…

Die Dalton-Brüder, die später von Morris für seinen Lucky Luke persifliert wurden, „wirkten“ in den Jahren 1891 und 1892 – eine vergleichsweise kurze Zeit, bis Bob und Grat mit zwei anderen Bandenmitgliedern beim besagten Banken-Überfall reichlich unrühmlich erschossen wurden. Schon gleich zu Beginn wurden sie erkannt, schließlich war Coffeyville ihre Heimatstadt. Kein sonderlich intelligenter Schachzug, möchte man meinen. Gepaart mit einer Spur Überheblichkeit und Naivität, sowie der Gier nach Geld und einem besseren Leben musste die Aktion in einer Katastrophe münden. Nur Emmett, von Kugeln regelrecht durchsiebt (16 Stück, anderen Quellen nach sogar 20), überlebt den Überfall und trägt ein lahmes Bein davon. Emmett wird zu lebenslanger Haft verurteilt, aber schon 1907 wegen guter Führung und als geläuterter, ehrbarer Bürger, entlassen, was zu einem gewissen Happy-End führt, das den Zweiteiler beschließt. Später schreibt er seine Geschichte und die seiner Brüder auf („When the Daltons rode“, wurde sogar verfilmt) und stirbt 1937. Vorher kehrt er gemeinsam mit seiner Frau noch einmal nach Coffeyville zurück und wird wie eine Berühmtheit gefeiert.

Für seine Brüder wurde der amerikanische Traum jäh beendet. Ihre Geschichte ist von Armut geprägt und dem schmalen Grat zwischen den beiden Seiten des Gesetzes. In chronologischen Episoden zeichnen Olivier Visonneau und Jesús Alonso Iglesias die Geschehnisse der letzten Jahre der Daltons nach: der Abschied von der Mutter, die wenig einbringende Arbeit auf einer Farm, die Zugüberfälle. Immer wieder zählt nur das Geld (gleich zu Beginn ein witziger Hinweis auf einen berühmten amerikanischen Ketchup-Fabrikanten). Dabei nehmen sich die Macher kleine Freiheiten, die nicht belegt sind, wie die Rolle der Florence oder der Tod von Bryant, was natürlich nicht weiter stört. Höhepunkt des Abschlussbandes ist selbstverständlich die morgendliche Schießerei in Coffeyville, die aufwendig inszeniert wird. Die Gang hat sich in zwei Gruppen aufgeteilt, wird schnell erkannt, die Banken belagert. Das Ende ist dann kläglich und schnell. Dass ausgerechnet mit Emmett der vermeintlich Schwächste der Daltons überlebt, ist dabei Ironie des Schicksals. Iglesias („Gaudis Gespenst“) legt seinen Stil nicht realistisch an. Er arbeitet viel mit Farbabstufungen und mit breiten, kräftigen Pinselstrichen, was erfrischend anders wirkt. Ein rundum gelungener Zweiteiler, der die kleine Geschichte heute legendärer Outlaws beleuchtet, deren kurzes Leben von Träumen und harter Realität geprägt war. (bw)

Die Daltons, Band 2: Der letzte Tag
Text: Olivier Visonneau
Bilder: Jesús Alonso Iglesias
56 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
14,80 Euro

ISBN: 978-3-95839-494-0

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