Die drei ???: Das Dorf der Teufel (Kosmos) | Comicleser

Die drei ???: Das Dorf der Teufel (Kosmos)

Januar 29, 2019
Die drei ???: Das Dorf der Teufel (Kosmos)

Kaum sind die drei Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews aus Peru zurück, stolpern sie schon Hals über Kopf in ihren nächsten Fall. Im Rolls Royce (einem Silver Cloud III, wer’s genau wissen will) ihres Chauffeurs Morton finden sie ein Amulett, in das das Konterfei eines jungen Mannes eingearbeitet ist. Morton erkennt sofort seinen alten Freund Daniel Jacobson, der seinen Fahrdienst regelmäßig in Anspruch nimmt. Als man Jacobsons Frau besucht und das Amulett zurückgeben will, findet man die Dame durchaus verzweifelt vor: Jacobson hat vor einigen Tagen die Nachricht erhalten, dass sein Vater Frederik, zu dem er jahrelang keinen Kontakt mehr hatte, verstorben sei. Und zwar in dem verschlafenen Nest Redwood Falls, wohin Daniel aufbrach, um die Angelegenheiten seines Vaters zu regeln – worauf sich die Spur verliert.

Die drei Jungs lassen sich den Auftrag nicht nehmen, der Sache auf den Grund zu gehen, und machen sich mit Morton auf in Richtung Redwood Falls. Vor Ort finden sie zunächst einmal ein verdächtiges Autowrack und werden von dem jungen Pete durchaus herzlich empfangen. Allerdings staunen sie nicht schlecht, als ein alter Herr ihnen als Frederik Jacobson präsentiert wird, der offenbar quicklebendig ist und seinerseits keine Ahnung hat, wo sein Sohn abgeblieben sein könnte. Der gute alte Frederik offenbart gerne die Philosophie seiner Siedlung, die ohne moderne Technik und ohne Kontakt zur Außenwelt wie eine Art modernes Utopia funktioniert. Dass dieses vermeintliche Paradies jede Menge Risse hat, finden die drei Ermittler bald heraus: des Nachts ziehen plötzlich furchterregende Gestalten durch die Straßen und führen im Wald geheimnisvolle Riten aus, die darauf abzielen, die fremden Besucher möglichst schnell loszuwerden. Und auch sonst ist in Redwood Falls fast nichts, wie es scheint…

Zur kollektiven Erinnerung aller Kinder der 70er gehören die Hörspiele um die „Drei Fragezeichen“, in denen Justus, Peter und Bob oft gruselige Abenteuer überstehen mussten. Wohlig fürchteten wir uns bei „Die drei ??? und der Karpathenhund“ und anderen Geistergeschichten, bevor wir uns dann auch den Romanen zuwandten, die irgendwie von einem gewissen Alfred Hitchcock geschrieben oder doch zumindest mit Einleitungen versehen und kommentiert waren. Dass das Ganze nur ein Marketing-Gag war, konnten wir ja nicht wissen, schwante uns aber schon immer: ersonnen wurden die „Three Investigators“ in den 60er Jahren vom Journalisten Robert Arthur, der seinen Kumpel Alfred Hitchcock überredete, doch als „Presenter“ für seine Mystery-Jugendbuch-Reihe zu fungieren, wobei sich Hitchcocks Rolle auf die Verwendung seines klingenden Namens und Charakterkopfs beschränkte, während Arthur die Romane mitsamt der Vorwörter verfasste.

1964 ging es mit „The Secret Of Terror Castle“ zur Sache, und nach Arthurs Tod im Jahr 1969 übernahm ein Autorenteam. In Deutschland geriet der Serienstart zunächst schwer – erst das für damalige Zeiten sehr ungewöhnliche Umschlag-Design in Pechschwarz, kombiniert mit dem dreifarbigen „???“-Logo, brachte, entwickelt von Aiga Rasch, den erhofften Siegeszug, der sich mit der Popularität der Hörspiele ab 1979 fortsetzte. Auch nachdem die Serie in den USA längst eingestellt war, setzten hierzulande deutsche Autoren die Abenteuer getreulich fort, bis schließlich 2015 mit „Die drei ??? und der dreiäugige Totenkopf“ die erste Graphic Novel erschien.

Auch mit dem zweiten Band schlagen Ivar Leon Menger und John Beckmann voll in die Kerbe der bekannten Zutaten: ein geheimnisvoller Fall lockt die drei Detektive, die ihre Visitenkarte abgeben; das aus der Zeit gefallen scheinende Dorf hat jede Menge Gruseligkeiten zu bieten; und am Ende findet sich für alles eine rationale Erklärung. Dabei haben sich die beiden Autoren weidlich bei Vorlagen wie M. Night Shyamalans „The Village“ (mitsamt den Gruselkostümen und Ablehnung der modernen Außenwelt) oder auch Peter Weirs „Der einzige Zeuge“ bedient, was die Sache leidlich vorhersehbar, aber dennoch vergnüglich zu lesen macht. Auch in der optischen Gestaltung punktet der Band mit Christopher Taubers stilisierter Umsetzung, die oft buntstifthaft-monochrom aufwartet und vor allem in den Nachtszenen atmosphärische Highlights setzt. Komplett mit einem kleinen Nachwort – selbstredend von Alfred Hitchcock – und einer Skizzengalerie ein wohliges Rückbesinnen auf viele faszinierende Hörspiel-Stunden. (hb)

Die drei ???: Das Dorf der Teufel
Text: Ivar Leon Menger, John Beckmann
Bilder: Christopher Tauber
128 Seiten in Schwarz-Weiß, Softcover
Kosmos Verlag
16,99 Euro

ISBN: 978-3-440154-71-7

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