Comanche, Band 15 (Splitter) | Comicleser

Comanche, Band 15 (Splitter)

August 17, 2012

Eigentlich ist es nur ein unbedeutendes Stückchen Land ganz im Süden, das zu Comanches Triple Six Ranch gehört und durch das die kleine Bahntrasse verläuft. Und doch birgt es eine Menge Zündstoff – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn es handelt sich dabei um eine wichtige Versorgungsstrecke, die der Midwest Bronco Eisenbahn Company von Colonel Lawrence helfen soll, einen wichtigen Wettstreit gegen die konkurrierende Nightstar Railroad zu gewinnen. Deren Boss, welcher – na klar – der Oberbösewicht ist, heißt Maximilian Dexter und ist stinkreich. Der will natürlich selbst den Wettlauf gewinnen und anschließend fett Kohle absahnen, denn immerhin verläuft die zu ‚gewinnende’ Bahnstrecke über drei Staaten. Es winken zwei Millionen Dollar.

An einem fairen Wettbewerb ist Dexter natürlich nicht interessiert, weshalb er die Versorgungsstrecke auf Comanches Gebiet sabotieren lässt und einige üble Gauner, wie Lobster, ‚Rattlesnake’ Annie und den Quotenmexikaner Concho als Meinungsverstärker engagiert. Als Ten Gallons und sein junger Schützling Jock durch die Schikanen der drei finsteren Gesellen fast ums Leben kommen, ergreifen Red Dust und Comanche endgültig Partei für Colonel Lawrence. Ein Eisenbahnkrieg beginnt, der auf und neben den Schienen und sogar auf der Triple Six Ranch wütet. Der mit List, Tücke und Härte geführt wird. Bis zum bitteren Ende. Für die Bösen, versteht sich, ohne viel zu spoilern.

Das war’s. Mit ‚Red Dust Express’, dem letzten Comanche Band, ist die eindrucksvolle Gesamtausgabe des Splitter-Verlags beeindet. Alle Comanche-Alben liegen somit ein einer Edition vor. Hermann zeichnete die ersten zehn, die sind dann auch – als Herzstück dieser klassischen Westernserie – mit ausführlichem Zusatzmaterial bestückt. Und mit einem Druck. Sehr edel. Nachdem Hermann die Serie 1983 nach ‚Das Geheimnis um Algernon Brown’ verließ, geschah sieben Jahre nichts, bis Stammautor Greg die Reihe mit anderem Zeichner und neuem Verlag (Dargaud statt Lombard) weiterführte. Der neue Zeichner heißt Michel Rouge, er arbeitete bereits an Blueberry und sein Zeichenstil steht somit auch ganz in der Tradition des kürzlich verstorbenen Jean Giraud. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Vermeintlich. Denn so großartig, detailliert und actionreich Rouge auch Comanche zeichnet, er wird immer mit dem unerreichbaren Stil Hermanns verglichen. Was doch sehr unfair ist. Dass man keinen Zeichner findet, der Hermann kopiert oder kopieren kann, ist ja verständlich. Aber dann einen zu nehmen, der im Stile der Konkurrenzserie zeichnet, das ist halt auch etwas unglücklich. Und schade, denn wie gesagt – Rouge versteht sein Handwerk ausgezeichnet.

Rouges Stil mag zwar angestammte und unflexible Fans der Serie irritieren, was aber besonders ins Auge fällt, sind die schwachen Skripte von Greg ab Band 11. Ganz augenscheinlich hatte er seinen Zenit überschritten. Er kopiert sich zum Teil selbst und bringt stereotype Bösewichte. Die Handlung ist zwar um einiges besser, als die der Vorgängeralben (Bd. 11-15), kann aber nicht die Hermann Ära anknüpfen. Keine Zivilisationskritik mehr, kein sturer Einzelgänger Red Dust, keine dreckige Italowestern Atmosphäre (für die war dann auch Hermann verantwortlich). Aus der Serie wird ein Edelwestern.

Greg konnte das Album nicht fertig stellen. Er starb 1999 – sein Tod wird übrigens auch im Album selbst von Red Dust und Comanche betrauert (Seite 46). Erst drei Jahre später vollendete Rodolphe, der aktuell Trent (bei Salleck) und Kenya (bei Epsilon) textet und der für Chris Scheuer weiland schon Marie Jade geschrieben hat, die Geschichte, die 2002 als Album bei Dargaud erschien. Dann war Schluss. Bis heute. Bleibt zu hoffen, dass Hermann doch noch ein Einsehen hat, und irgendwann einmal eines schönen Tages, wie es bei Andy Morgan der Fall war, auch wieder Geschmack an einem neuen Comanche Abenteuer findet. Geschlagene 30 Jahre später wäre das doch ein wunderbarer Anlass für ein Comeback. (bw)

Text: Greg und Rodolphe
Bilder: Michel Rouge
48 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
13,80 Euro

ISBN 978-3-86869-271-6

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