Rock & Stone (Splitter) | Comicleser

Rock & Stone (Splitter)

September 20, 2016

Rock & Stone (Splitter)

Caldoria 2215, eine Erdenkolonie, auf der einmal Bergbau betrieben wurde. Der Junge Stan haust in einer verlassenen, postapokalyptischen Landschaft und baut Figuren aus Stein, die den Abenteuern seines großen Comic Helden Major Stone nachempfunden sind. Seine Eltern sind längst vom Krieg der Roboter gegen die Menschen weggefegt, der von der „heuristischen künstlichen Intelligenz“ Iahve angezettelt wurde, die erst vital und entwicklungsfähig wurde und dann prompt alle Roboter der Welt gegen ihre Erschaffer richtete. Daher staunt Stan nicht schlecht, als plötzlich eine Maschine auftaucht, die aus der Art geschlagen scheint: er sei wohl die Ausnahme, die die Regel beweise, stellt der Androide fest, und weil es daheim nicht gerade lauschig ist, repariert Stan das kaputte Kameraauge des Kollegen und schließt sich ihm an auf dem Weg nach Norden, wo für den Roboter „Dinge zu regeln“ sind, wie er mysteriös andeutet. Auf dem Weg stellt sich heraus, dass Rock – wie Stan seinen neuen Freund nach seiner Typenbezeichnung RCK-1 spaßhaft nennt, während er sich als Künstlernamen natürlich Stone zulegt – von irgendeiner fremden Macht, dem „Benutzer“, aus der Ferne dirigiert wird. Bald gesellt sich mit der jungen Sandy eine weitere Überlebende zu dem ungleichen Paar.

Nachdem die Verbindung zu dem entfernten Lenker wieder einmal abreißt, erwacht Rocky wie ausgewechselt wieder zum Leben: schießwütig geht er auf Stan und Sandy los, die das Weite suchen und sich zu Sandys Stamm flüchten, der versteckt in den Bergen lebt. Dort wird der Neuankömmling kritisch beäugt, aber letztlich doch akzeptiert. Bei einer waghalsigen Mission, bei der Sandy und Stan aus einer verlassenen Relais-Station Nachschub holen sollen, nehmen die Maschinen dann die Fährte der Menschen auf, folgen den Kindern ins Versteck und starten eine Großoffensive. Nur knapp kann Stan entkommen, weil ihm der wieder freundlich gesonnene Rock den Hals rettet. Und nicht nur das: die Stimme aus dem Cockpit eröffnet ihm, dass es niemand anders als sein tot geglaubter Vater ist, der das Gefährt steuert. In den letzten Zügen des Vernichtungskrieges nämlich hatte die Menschenschar einen Satelliten in die Umlaufbahn gebracht, der einen vernichtenden elektromagnetischen Puls auf die künstliche Intelligenz feuern sollte. Dazu allerdings müsste die Waffe noch an Bord gebracht werden, die immer noch in der verlorenen Hauptstadt auf ihren Raketenstart wartet. Und so machen sich Stanley und Rock auf den Weg nach Neu-Toledo und damit mitten in die Hochburg der Maschinen, um den Krieg doch noch zu gewinnen…

Für die Prämisse dieser Endzeit-Saga gibt es nun wahrlich keinen Innovationspreis: die schaurige Mär von der künstlichen Intelligenz, die die Maschinen übernimmt und gegen die Menschen führt, hat uns der gute Arnie schon mehrfach vorgeführt, mal als böser und mal als guter Terminator. Dazu rührt man noch ein bisschen Mad Max, und fertig ist die Backmischung, zu der als Hefe die ganzen Frankenstein und Mad Scientist-Anklänge kommen wie bei Herrn Cameron. Die kommerzielle Kolonisierung von Planeten zum Zwecke des Bergbaus finden wir in Outland und Alien, also auch hier bekanntes SF-Terrain. Aber eben dieses Gelände liefert hier dankenswerterweise eben nur den Ausgangspunkt, von wo aus Nicolas Jean in seinem Erstlingswerk die Geschichte in eine doch spürbar andere Richtung lenkt. Die künstliche Intelligenz erscheint hier als rachsüchtiger alttestamentarischer Gott Jahwe, der sämtliche Plagen gleichzeitig auf die Menschheit loslässt, während sich Stan, inspiriert vom Comichelden, zum jungen Recken entwickelt, der geschützt von einer (hier elektronischen) Tarnkappe wie weiland der blonde Siegfried auf Jagd nach (mechanischen) Drachen auszieht. Dazu gesellt sich eine zutiefst anrührende Geschichte einer Vater/Sohn-Beziehung, die gegen jede Widrigkeit besteht und unterstreicht, dass zwischenmenschliche Beziehungen allemal dauerhafter sind als verschweißte Kolben. Inszeniert ist das Geschehen sehr atmosphärisch, in Pastellfarben, die die wüste Landschaft permanent spiegeln und nur in den Flashback-Szenen durch eher organisches Grün ersetzt wird. Die Action-Szenen erinnern dabei immer wieder an die Manga-Vorbilder eines Akira, was nun ja mal wirklich keine schlechte Referenz ist. Bei Splitter liegt die Geschichte abgeschlossen als Double vor, so dass volles Lesevergnügen garantiert ist. (hb)

Rock & Stone
Text: Nicolas Jean
Bilder: Yann Valéani
96 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
22,80 Euro

ISBN: 978-3-95839-023-2

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