Reconquista, Band 2 (Splitter) | Comicleser

Reconquista, Band 2 (Splitter)

Februar 12, 2015

Reconquista, Band 2 (Splitter)

Skythen! Hethiter! Kleinasien! Terra X! Willkommen zur Geschichtsstunde! Oder doch nicht? Dazu gleich mehr. Im zweiten Teil von Reconquista treffen wir wieder unsere Horde der Lebenden, eine mächtige Allianz aus drei nomadischen Skythen-Völkern, die gemeinsam gegen den Agressor, namentlich die Hethiter, in den Krieg zieht. Ihre Herrscher: Marak, König der Kallipiden; Simissee, Königin des Amazonen-Volkes der Sarmaten und Kymris, König der Kimmerier (nein, nicht Conan). Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von Thusia, einer Schreiberin/Chronistin aus Babylon. Von König Hammurabi entsandt, besteht Ihre Aufgabe darin, den Kampf gegen die Hethiter zu dokumentieren, damit die Aufzeichnungen in der großen Bibliothek der Babylonier aufbewahrt werden.

Zwei Gründe sorgen dafür, dass die Horde noch nie besiegt wurde: die Zauberer der Atlantiden und abgerichtete geflügelte Kreaturen, halb Greif, halb Gaul. Der Feind, die Hethiter unter König Hattuschili, ist sich seiner Unterlegenheit bewusst und versucht daher, ebenfalls fremde Kampftiere und deren Dresseure zu engagieren. Außerdem will man mit List und Tücke die Skythen stellen. In deren Lager kriselt es. Das Zweckbündnis wird auf die Probe gestellt, als einer der Atlantiden-Zauberer brutal gemeuchelt wird. Königin Simissee selbst muss die Sache regeln und die vermeintliche Attentäterin aus ihren eigenen Reihen richten. Doch hat man tatsächlich den oder die Mörder/in erwischt? Oder doch nicht? Aber ehe sich Zwietracht und Misstrauen weiter den Weg bahnen, kommt es zur Schlacht um die Stadt Ziwije. Dort machen sich die beiden o.g. Gründe für die Skythen, für die Horde der Lebenden, wieder bezahlt. Doch droht bald neues Unheil…

Zugegeben: ich war wirklich überrascht, dass mich Band 1 nicht ganz überzeugen konnte. Immerhin ist als Autor der Reihe Sylvain Runberg am Werk, der mit Orbital eine originäre, wie intelligente SF-Serie geschaffen hat. Auch an den Zeichnungen von François Miville-Deschênes kann es nicht gelegen haben. Die sind klar, detailliert, realistisch und dabei elegant und sehr farbenfroh (schon das Album-Cover ist sehenswert). Mit einem Wort: beeindruckend. Und bisweilen blutrünstig. Es lag vielmehr an einer kleinen Enttäuschung. Das interessante Historien-Setting – zwei beinahe vorzeitliche Völker, die es wirklich gab und über die (noch) recht wenig bekannt ist, führen Krieg gegeneinander (wobei sich die Autoren auch hier Freiheiten genommen haben – das Hethiter-Reich war schon in Niedergang, bzw. verschwunden, als die Skythen auftauchten). Ein Geschichts-Comic?! Viele Personen (Könige!) werden eingeführt und Völker mit verschiedenen Sitten und Gebräuchen vorgestellt. Das bremst die eigentliche Handlung aus. Und dann tauchen auch noch unvermittelt Fantasy-Elemente auf: atlantidische Zauberer und Fabelwesen. Also doch ein Fantasy-Comic? Oder: kein Fleisch, kein Fisch?

Nun erscheint Band 2 der auf drei Bände angelegten Geschichte. Inzwischen hat man die einzelnen Personen und Volksgruppen intus, man akzeptiert die Fantasy-Motive und siehe da: Entwarnung. Die Story funktioniert und macht sogar Spaß. Auf der einen Seite die Hethiter: ein hochentwickeltes Volk, getrieben von einem gierigen, skrupellosen König (der seiner noch gierigeren Königin hörig ist), eine nomadische Zweckgemeinschaft mit Geheimwaffen (die Zauberer und die Viecher) auf der anderen. Das sind die Guten. Oder sollen es sein. Eine brüchige Einheit aus drei völlig verschiedenen Stämmen, in der es ständig Rivalitäten und Reibereien gibt. Befeuert durch einen geheimnisvollen Mörder, ganz offensichtlich einen Keil durch die berühmte Horde der Lebenden treiben will. Und mitten drin Thusia, die Schreiberin aus Babylon, anfangs lediglich Chronistin, jetzt immer mehr im Mittelpunkt, da sie sich der Avancen der beiden Könige Marak und Kymris gerade noch so erwehren kann und die ohne es zu ahnen ebenfalls Zwietracht und Eifersucht sät. Es ist also genügend Stoff für den Abschlussband vorhanden: der Mörder, die Streitereien innerhalb der Horde, die Gefühls-Turbulenzen bei Thusia und letztendlich der Krieg, der über das Schicksal und die Heimat der Skythen entscheiden wird. Das ist doch was. Fazit: mit Band 2 hat die Reihe erfolgreich die Kurve gekriegt. Reinschauen lohnt sich, nicht nur wegen der großartigen Bilder. (bw)

Reconquista, Band 2: Die Hethiter-Falle
Text: Sylvain Runberg, François Miville-Deschênes
Bilder: François Miville-Deschênes
56 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
14,80 Euro

ISBN: 978-3-86869-484-0

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