Saria, Band 2 (Splitter) | Comicleser

Saria, Band 2 (Splitter)

April 21, 2014

Saria, Band 2

Ende des letzten Bandes wurde Orlando von der Garde des Dogen gefasst, nachdem er Luna/Saria rettete. Wir erinnern uns: die Adlige Luna lebt im Untergrund als Wohltäterin und ist im Besitz der Schlüssel zur Engelspforte. Die Schlüssel, die alle suchen, hinter denen alle her sind. Denn die Pforte verleiht die höchste Macht. Hitchcock würde sagen: der ideale MacGuffin. Ein Gegenstand, der die Geschichte vorantreibt. Bei dem grausamen Verhör verwandelt sich Orlando wieder in sein monströses Alter Ego, das ihn langsam von innen verzehrt. So gelingt ihm die spektakuläre Flucht aus dem Kerker und er wird – wieder als Orlando – von den Männern der Dyle aufgelesen und gesund gepflegt. Dort begegnet er auch dem neuen Märtyrer, der dem Volk übersinnliche Kräfte offenbart und wie ein Messias die Menschen von ihren Gebrechen heilt.

Klar, dass das den Herrschenden um den Dogen nicht passt. Der sieht seine Felle davonschwimmen und als nach den Wahlen tatsächlich knapp die Dyle als Sieger hervorgeht, putschen sich die Schergen des Dogen weiter an die Macht. Derweil erfährt Luna von Orlando, kurz vor dessen Tod durch den Pestengel Galadriel, wie man zur Pforte gelangt… Fortsetzung und Finale folgt im letzten Teil der Trilogie.

Den ersten Band zeichnete noch Meister Paolo Serpieri (Jahrgang 1944), der mit der erotischen SF-Serie Morbus Gravis berühmt wurde. Krankheitsbedingt reichte er den Stift an Riccardo Federici weiter. Dessen Stil ist ähnlich spektakulär und doch anders. Vor Realismus strotzend, ähneln die Bilder eher denen des kürzlich (viel zu früh) verstorbenen Philippe Delaby (Murena, Ritter des verlorenen Landes – beides auch von Dufaux getextet) oder eines Don Lawrence (Storm, ebenfalls bei Splitter). Kurz gesagt: die Zeichnungen sind ein Augenschmaus erster Güte. Mit dem neuen Zeichner ist auch die Ähnlichkeit zu Serpieris Morbus Gravis nicht mehr vordergründig zu sehen.

Inhaltlich tut man sich beim lesen noch immer etwas schwer. Zwar sind einem die handelnden Figuren und das Setting (das finstere, verfallene und von seltsamen, Tumor artigen Auswüchsen befallene Venedig irgendwo zwischen Vergangenheit und Zukunft) inzwischen vertraut, zwar erliegt man der Faszination des Bösen, aber es fällt noch immer nicht leicht, der Story zu folgen. Anders gesagt: den Figuren fehlt es etwas an Tiefgang, um eine Bindung mit dem Leser einzugehen. Das muss noch besser werden, denn das Potential ist da (viele originelle Figuren und Motive). Kann es auch und so oder so – gespannt sind wir auf den abschließenden Band allemal. (bw)

Saria, Band 2: Engelspforte
Text: Jean Dufaux
Bilder: Riccardo Federici
56 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
14,80 Euro

ISBN: 978-3-86869-611-0

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