Privatvorführung (Splitter) | Comicleser

Privatvorführung (Splitter)

Dezember 18, 2025
Milo Manara: "Privatvorführung" (Splitter Verlag)

Dieser Manara-Band umfasst neun Geschichten, alle in Schwarz-Weiß und (die meisten) mit dem verbindenden Thema „Film“, die in den 1980er Jahren entstanden und von denen eine – Candid Camera – albumlang ist und auch schon in früheren Jahren bei uns als Einzeltitel veröffentlicht wurde. Die meisten dieser Stories erschienen zuletzt im Band 4 der Manara Werkausgabe bei Panini. Das war 2010 und ist damit auch schon wieder 15 Jahre her. Ein guter Grund also für eine Neuveröffentlichung im Rahmen der ausführlichen Manara-Reihe im Splitter Verlag.

Los geht’s mit „Reklame“, gleich ein Highlight des Bandes. Fellinis Casanova (natürlich in der Figur von Donald Sutherland) wird bei seinen amourösen Abenteuern gestört. Und zwar von grotesker moderner Werbung, worauf er protestierend durch diverse Realitäten eilt und stolpert, inkl. Zitate von Filmklassikern wie „La Dolce Vita“ (wieder Fellini) und Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkin“. Eine gelungene Persiflage auf lästige Werbeeinblendungen und damit stets aktuell.

In „Blaue Periode“ steht ein überambitionierter Werbefilmer im Mittelpunkt, in dessen neuem Clip das Picassos Gemälde „Der alte Gitarrist“ aus der blauen Schaffensphase des Malers im Mittelpunkt stehen soll, inkl. Slapstick-Einlagen. „X3“ ist dann so skurril wie fragwürdig und handelt von einem „Sex-Test“, in dem Aliens eine unsichtbare und eine attraktive Frau eine sichtbare Rolle spielen (etwas anderes wäre bei Manara auch irgendwie komisch).

Nun folgt ein träumerischer Zweiseiter mit John Lennon, der bei uns in dem John Lennon Hommage-Band von Schreiber und Leser erschien, der 1981, ein Jahr nach dessen Ermordung, veröffentlicht wurde. In „Acherontia Atropos“ (das ist die lateinische Bezeichnung eines Nachtfalters namens Totenkopfschwärmer) soll ein Snuff Film gedreht werden. Doch der Regisseur wider Willen trifft sich heimlich mit der Hauptdarstellerin, was am Ende zu einem netten, nicht für alle glücklichen, Twist führt.

„Ohne Anfang“ widmete Manara Fellini, wie er im Vorwort erläutert. Aber auch Moebius lässt hier grüßen. Eine surrealistische Episode, wieder mit dem Sutherland-Casanova, dazu Marcello Mastroianni, und das Grab von Nino Rota, Komponist der Musik von „Der Pate“ und etlichen Fellini Filmen. Eine Geschichte als Endlosschleife – ohne Anfang eben. Und ohne Ende. Kurioser Titel: „Das tragische Ende von Gori Bau und Kallipygia Sister“ (eine Google-Suche bringt zumindest etwas Klarheit): Drei junge Leute suchen das Abenteuer und finden einen teuflischen Tod. In der Tat eine gelungene Gruselstory, bei der man das finale Panel genau studieren sollte.

Auch die als „Ente“ titulierte Episode (der Titel klärt sich) erinnert an Moebius: Zwei gestrandete Raumfahrer – ein Alien und ein durch und durch mürrischer Mensch – finden ein Buch, das sie aus ihrer Misere holen kann, indem es genau diese beschreibt, inkl. diverser Fehler in der Matrix. Eine Science Fiction Geschichte, konsequent schräg bis zum Schluss und dazu fast ohne Damenbeteiligung.

Zum Abschluss folgt dann schließlich „Candid Camera“ in sechs Episoden (Honey I bis VI). In schlüpfrigen, bisweilen abstrusen, inhaltlich voneinander unabhängigen Kapiteln, steht jeweils ein Underground-Dreh mit versteckter Kamera im Mittelpunkt. Höhepunkt ist dabei eine Hexenjagd in Venedig, die seltsam ausartet und in der sich die Protagonistin nach und nach frei macht. Als Bonus bietet der Band eine diesmal farbige, stumme Episode, die in die in Cannes spielt, offenbar kurz vor oder während der Filmfestspiele. Und einen Kunstdruck gibt’s natürlich auch wieder. (bw)

Privatvorführung
Text & Bilder: Milo Manara
120 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
29,80 Euro

ISBN: 978-3-68950-022-1

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