
Inzwischen weiß Harry Vanderspeigle längst die Gesellschaft von Menschen zu schätzen. Als Arzt in dem Städtchen Patience irgendwo im Bundesstaat Washington hat er sich eingelebt und ist gern gesehen. Wir erinnern uns: Harry ist ein Alien, das auf der Erde gestrandet ist. Sein Raumschiff wurde zerstört, seine Rettung mehr als ungewiss. Den Menschen gegenüber kann er sein Aussehen verbergen. Nur Arzthelferin Asta Twelvetrees und ihr Vater Dan haben ihn sprichwörtlich durchschaut und sind zu seinen Vertrauten geworden. Mehr zufällig sieht Harry im Fernsehen eine Reportage über einen geheimnisvollen Maler aus New York, der seit 20 Jahren verschwunden ist und dessen Signatur bis heute Fragen aufwirft. Nicht jedoch für Harry. Der erkennt in den abstrakten Zeichen Zahlen einer universellen Alien-Sprache und reist sofort mit Dan nach New York…
Nach über zwei Jahren wird die Reihe, die auch erfolgreich als TV-Serie adaptiert wird, nun bei Splitter fortgesetzt (Grund für die lange Pause war wohl auch eine mangelhafte Kommunikation mit und von Dark Horse). Der fünfte Band, im Original in vier Heften bereits 2018 in den USA erschienen, ist dabei ganz anders angelegt als seine Vorgänger. Es fehlt gänzlich die Krimi-Komponente, an ihrer statt steht die Suche nach dem geheimnisvollen, vermeintlich spurlos von der Bildfläche verschwundenen Künstler im fernen New York. Was auch gleich die zweite große Änderung zu den Vorbänden bedeutet: Der Schauplatz. Nicht mehr das beschauliche Patience, sondern die Metropole auf der anderen Seite des Kontinents.
Damit wird die Geschichte um den hünenhaften Maler, den man Goliath nannte und der eventuell ein „Leidensgenosse“ von Harry, sprich ein ebenfalls auf der Erde Gestrandeter war oder ist, zum Kernstück des Bandes. Wie Autor Peter Hogan im Vorwort beschreibt, lässt er hier einige persönliche Dinge einfließen aus der Zeit, als er in New York lebte. Und er beschreibt Goliath als einen „illegal alien“, als Einwanderer, der stellvertretend für so viele Menschen aus Mittel- und Südamerika in die USA kommt, um dort sein Glück zu suchen und einen Platz in der Gesellschaft zu finden – ein noch immer aktuelles wie brisantes Thema. Der Titel des Bandes, der freilich an den Song von Sting anspielt, trifft damit wahlweise auf Harry oder auf Goliath zu. Daneben werden fortlaufende Handlungsfäden nicht vergessen: Das FBI sucht nach wie vor verbissen nach Harry, bzw. Asta, was den beiden nicht bewusst ist. Und dann ist da ja noch Honey, das kleine Mädchen, das in Harry offenbar ebenso den Alien erkennt…
Die neue Handlung, u.a. mit dem Ausflug in die New Yorker Kunstszene (inkl. einem Cameo von Andy Warhol), sowie der neue Schauplatz stellen einmal mehr unter Beweis, wie originell und abwechslungsreich die Reihe gestaltet ist, die im Original in Miniserien daher kommt. Die Zeichnungen von Steve Parkhouse sind realistisch klar angelegt und konzentrieren sich meist auf die handelnden Personen und verstehen es u.a. auch, dem Alien-Gesicht Harrys menschliche Regungen zu verleihen. „Resident Alien“ bleibt damit eine der besten US-Serien, nicht nur im Progarmm des Splitter Verlages. Außerdem erfreulich: Es geht jetzt zügig weiter. Bereits im Januar 2026 soll Band 6 erscheinen, mit dem neugierig machenden Titel „Deine Mitfahrgelegenheit ist da.“ Und wir ebenfalls. (bw)
Resident Alien, Band 5: Ein Alien in New York
Text: Peter Hogan
Bilder: Steve Parkhouse
104 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
22 Euro
ISBN: 978-3-96792-269-1