
New York nach dem Krieg. Die Kalisnowszczyznas sind Einwanderer aus Osteuropa. Bei Oma Chana lebt ihr Neffe Dustin. Der riecht nicht nur streng, er ist auch gerade von der Schule geflogen und verdingt sich bei der Polizei nun leidlich als Mugshot-Fotograf – all das natürlich ohne Omas Wissen. Ansonsten liest Dustin gerne Comics, v.a. die gerade angesagten Horror-Serien. Auch das ist seiner religiösen Oma ein Dorn im Auge.
Nach einer weiteren missglückten Job-Episode, die mit dem illegalen Abhören des Polizeifunks zu tun hat, landet Dustin als Gehilfe beim Bestatter Lubansky. Dessen Frau ist Pastorin und hat gerade einen Kreuzzug gegen ebenjene Horror-Comics gestartet, die Dustin so sehr schätzt. Und es wird noch komplizierter: Dustin angelt sich einen zusätzlichen Job beim Verlag Proper Comics, der vornehmlich Horror-Heftchen produziert. Und damit fängt sein Ärger erst an…
Mit „Weekly“ produziert Autor Juan Díaz Canalès, der aktuell auch Corto Maltese schreibt, einen ersten Ableger seiner preisgekrönten Reihe „Blacksad“, die er üblicherweise gemeinsam mit Juanjo Guarnido realisiert und die zurzeit sieben Bände umfasst. Hier schwingt jedoch Giovanni Rigano den Zeichenstift. Auch er ist bei uns kein Unbekannter, zeichnete für Disney und wird u.a. bei dani books verlegt („Creepy Past“, „Monster Allergy“). Hier in „Weekly“ ist sein Stil wesentlich aufwändiger und weniger „funny-haft“ als bei seinen o.g. Arbeiten, sowohl was die Zeichnungen an sich betrifft, als auch die Farbgebung. Beides passt damit stimmig zur Hauptserie.
Aus Dustin wird also später Weekly, der Kumpel und Informant von Privatdetektiv John Blacksad. Jobtechnisch ist er ein Stehaufmännchen, bewegt sich dabei auch am Rande der Legalität. Aber trotz Rückschlägen und einer ungeliebten Stelle beim Bestatter, die er durch seine Oma bekam, gibt Dustin nicht auf, bis er seinen vermeintlichen Traum-Job ergattert. Was neue Probleme aufwirft. Hier thematisiert Juan Díaz Canalès sehr originell die Comic-Hatz in den fünfziger Jahren (Stichwort Comics-Code, Fredric Wertham und „Seduction of the Innocent“), die in Comic-Verbrennungen mündet, was an noch düstere Zeiten erinnert.
Gegen Ende des Bandes kommt noch eine Krimi-Handlung zutage, die ausführlich aufgeklärt wird und in die der gewitzte Dustin eher zufällig und unfreiwillig hineinstolpert, die ihn dann aber zu seiner wahren Bestimmung führen wird, die wir aus den „Blacksad“ Alben kennen. All das macht „Weekly“ zu einem gelungenen Auftakt dieser potentiellen Spin-Off Reihe, dem – wenn in dieser Qualität vorgelegt – gerne noch weitere Bände folgen können. (bw)
Blacksad Stories: Weekly
Text & Story: Juan Díaz Canalès
Bilder: Giovanni Rigano
64 Seiten in Farbe, Hardcover
Carlsen Verlag
18 Euro
ISBN: 978-3-551-80741-0