Batman: Der Schamane (Panini) | Comicleser

Batman: Der Schamane (Panini)

Februar 10, 2014

Batman: Der Schamane (SC)

Klassikeralarm mit unserem Lieblings-Spitzohr bietet Panini in diesem Reprint des Starts der US-Serie Legends Of The Dark Knight. Im Gefolge der durchaus bahnbrechenden Neuinterpretation der Anfänge des dunklen Ritters, die ein damals noch zurechnungsfähiger Frank Miller in Batman: Year One lieferte, kreierte auch Altmeister Dennis O’Neil 1989 seine ganz eigene Version der ersten Abenteuer von Bruce Wayne, der gerade dabei ist, sich endgültig als Rächer der Nacht zu verdingen. In O’Neils Version lernt ein junger Wayne von den besten Söldnern, Fährtensuchern und Kopfgeldjägern alle Kniffe und Tricks, die er in seinem Kampf gegen das Verbrechen einsetzen möchte. Bei einem dieser Ausflüge gerät er allerdings mit seinem Lehrer in der kanadischen Wildnis in Lebensgefahr, als dieser ermordet wird und Wayne nur durch einen Schamanen vom sicheren Tod gerettet wird. Dieser erzählt ihm zur Genesung eine alte indianische Legende, nach der eine Fledermaus einen Raben rettet und als Dank dafür seine Flügel bekommt. Zurück in Gotham, sieht sich Wayne und Polizeicaptain Gordon mit einer blutigen Mordserie konfrontiert, in der ein Kult dem Gott Chubala Menschenopfer bringt – was irgendwie in Zusammenhang mit einer indianischen Fledermaus-Maske steht. Wayne muss im Verlauf der Ereignisse erkennen, dass er durch den Mord an seinen Eltern gezeichnet ist und dieser Fluch ihn vernichten wird, wenn er nicht die mystische Kraft der Indianerlegende akzeptiert, die ihn selbst als Schamanen erscheinen lassen, die Fledermaus, die den Raben rettet – weshalb er sich vollends für die Verbrecherjagd hinter der Maske entscheidet.

O’Neil, der ja für einige der größten Batman-Stories der 70er verantwortlich zeichnet, in denen er – wie schon in seiner Neuinterpretation von Green Lantern und Green Arrow als „hard travelling heroes“ – realitätsnahe Themen aufgriff und den Helden einen teilweise düster-ernsthaften Anstrich verlieh, zeichnet in Batman: Shaman (erstmals 1991 bei Carlsen auf Deutsch erschienen) das Bild eines jungen Mannes auf Identitätssuche, der durch Unachtsamkeit und Unerfahrenheit glänzt und sich den Respekt für alte Mythen und innere Wahrheiten erst erarbeiten muss. Vordergründig erzählt O’Neil die Geschichte eines Drogenschmuggelrings, der der Unterwelt durch den Menschenopferkult Angst einflößen will – eine Angst, die Batman schließlich für sich selbst nutzt, um zum Schreckbild der Verbrecher zu werden. Eigentlich geht es dabei allerdings darum, dass der emotional verwundete Bruce Wayne sein Schicksal akzeptiert und durch seine Identität als maskierter Vigilant sein ultimatives Trauma verarbeiten muss. Neben dieser psychologischen Ebene bietet O’Neil aber auch eine krachig spannende Story, die wohlig an die Detektiv-Geschichten der 70er erinnert, als O’Neil die Figur fast eigenhändig von der Travestie der 60er-Fernsehserie wieder zurück zu den ernsthaft-finsteren Ursprüngen führte. Schön übersetzt und eingerichtet, ist der Band damit allen Freunden dieser Bat-Phase wärmstens ans Herz zu legen. (hb)

Batman: Der Schamane (HC)

Die auf 444 Stück limitierte HC-Variante

Batman – Legenden des Dunklen Ritters: Der Schamane (1)
Text: Denny O’Neil
Bilder: Edward J. Hannigan, John Beatty
140 Seiten in Farbe
Panini Comics
16,99 Euro (Softcover)
29 Euro (Hardcover, lim. 444 St.)

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