Brightest Day – Green Arrow, Band 1 (DC/Panini) | Comicleser

Brightest Day – Green Arrow, Band 1 (DC/Panini)

August 3, 2011

Dass Oliver Queen alias Grüner Pfeil schon immer eine der coolsten Socken war, bedarf wohl keiner näheren Erläuterung. Als eines der Urmitglieder der Gerechtigkeitsliga mutierte der smaragdene Schütze von eher spaßigen Stories aus den 40ern mit Sidekick Speedy (inklusive Arrow-Auto und Arrow-Signal) spätestens unter den Händen von Denny O’Neil zum komplexen Charakter, der mit der bis dahin ja ebenso tadellosen Grünen Leuchte (wir möchten hier im übrigen die redlichen Namen pflegen und nicht diese Originalverquerungen) in den frühen 70er Jahren als „Hard Travelling Heroes“ nicht mehr galaktische Unholde, sondern Rassismus und Überbevölkerung bekämpfte und dabei als zunehmend Linksliberaler mehr als einmal in Konflikt mit seinem Kumpel Hal Jordan geriet.  Vollends vom Schicksal der Sekundärfigur erlöste ihn dann Mike Grell, der mit „The Longbow Hunters“ Ende der 80er den bis dato einflussreichsten Zyklus schuf. Ach ja, und ganz nebenbei schleppte er mit Blitzschwalbe natürlich auch die heißeste Braut des bekannten Universums ab.

Und nun fällt es den Kollegen J.T. Krul und Diogenes Neves zu, den Grünen Pfeil nach dem DC-Megaevent (Ihr wisst schon, „Nichts wird so mehr sein wie früher! Alle Geheimnisse enthüllt! Das dürft ihr nicht verpassen! Batman kauft sich einen Pinscher!“…) Blackest Night zu einem Reboot zu verhelfen. Und schon dort erging es dem grünen Bogenschützen gar nicht gut: sein Adoptivsohn Roy Harper (eben jener Speedy) verliert einen Arm, seine Enkeltochter stirbt, Dinah Lance (eben jene Blitzschwalbe) verlässt ihn, und er beging einen Mord – zwar am Lumpensohn Prometheus, aber eben doch einen Mord, von dem er zwar vor Gericht freigesprochen, aber aus der Stadt verbannt wird. Gleichzeitig wird seine Heimat Star City dem Erdboden gleichgemacht, als die Weiße Laterne schließlich ins Geschehen eingreift – wobei quasi über Nacht ein geheimnisvoller Wald entsteht, in den sich der geächtete Außenseiter nun zurückzieht.

Und genau hier setzen die Ereignisse von Tief Im Wald ein – Oliver Queen lebt als Gesetzloser im finstren Tann, gejagt vom korrupten Polizeichef und Bürgermeister gleichermaßen. Während die Bevölkerung von Star City darbt, leben die Reichen in Saus und Braus, und Ollie wäre nicht Ollie, wenn er das Motto seines großen Vorbildes nicht wahrmachen würde: wie weiland der Earl Of Huntingdon, auch bekannt als Errol Flynn, noch besser als Robin Hood, nimmt er den Reichen und gibt den Armen. Aber nicht nur die Robin Hood-Parallelen durchziehen die Story (und sind teilweise sogar allzu zaunpfahlwinkend – also ein Schild mit „Sherwood Forest“ hätten wir jetzt nicht gebraucht, ums zu kapieren), sondern auch ein großer utopischer Roman grüßt hier herein: wie der Planet in Lems Solaris kristallisiert der Wald innere Ängste und Schuldgefühle, und so sieht sich Grüner Pfeil,während er verdammt nah am Tod entlangschrammt, mit den Sünden seiner Vergangenheit konfrontiert, als Mann, der alle verletzt, die ihm nahe stehen, und der selbst als Kind von seinem Vater zutiefst enttäuscht wurde. So wird der liberale Revoluzzer der 70er zu einem von Vorwürfen zerfressenen Antihelden des neuen Millenniums, der sich auch damit herumschlagen muss, dass die mysteriöse russische Industrielle Isabel Rochev sich in der Finanzkrise die Mehrheit an Queen Enterprises unter den Nagel gerissen hat, den Rüstungsmotor, der das Queen-Imperium einst schuf, wieder anwirft und nebenbei den Bürgermeister von Star City mit einer Privatmiliz unterstützt.

In einem Gastauftritt muss Grüne Leuchte feststellen, dass der Kraftring in diesem mystischen Wald nicht funktioniert (seine Bruchlandung stellt eine der wenigen witzigen Szenen dar), der von der White Latern wieder zum Leben erweckte Martian Manhunter schaut vorbei, aber in erster Linie muss sich Herr Queen die Frage stellen, wie weit das von ihm vorgelebte Vigilantentum eigentlich gehen kann und darf, da eine Dame einen blutigen Rachefeldzug gegen die korrupten Mächtigen führt.

Aus der ohnehin schon spannenden Figur wird durch diese Neubearbeitung ein fast schon schwarze-Serie-hafter, desillusionierter, gejagter, kantiger Charakter, der über so manche Ungereimtheit und Episodenhaftigkeit der Story (die Auftritte von Green Lantern und Martian Manhunter wirken etwas unmotiviert) hinweghilft. Inszeniert ist das Ganze im gängigen Superhelden-Duktus, wobei die eine oder andere Brutalität durchaus passend eingebaut wird. Lohnend zu lesen in jedem Fall, da hier Psychologie und Charakter mindestens genau so viel Raum einnehmen wie Action und Pfeil-und-Bogen-Schießen.

In dieser Ausgabe versammelt sind die ersten vier Ausgaben der US-Green Arrow Serie, die im August 2010 startete. Im September erscheint der nächste Band (von dreien). Und nachdem der Green Lantern Film ja durchaus ein zweifelhaftes Vergnügen sein soll, wäre die Lektüre der Fortsetzung dem Lichtspielhausbesuch wohl vorzuziehen. (hb)

Text: J.T. Krul
Bilder: Diogenes Neves
108 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
12,95 Euro

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