Moonshine, Band 1 (Cross Cult) | Comicleser

Moonshine, Band 1 (Cross Cult)

August 5, 2019
Moonshine, Band 1 (Cross Cult)

1929 herrscht Prohibition in den Vereinigten Staaten. Und da Verbotenes erst recht neugierig macht, florieren die Speakeasys, die illegalen Bars, in den großen Städten. Boss Joe Masseria, der sein Geld mit verbotenem Alkohol verdient, muss ständig für Nachschub sorgen und bekommt Wind von einem besonders guten Tropfen, der in den unzugänglichen Appalachen von einem Moonshiner namens Hiram Holt gebrannt wird. Also schickt der aufbrausende Joe seinen „Mitarbeiter“ Lou Pirlo in besagte Gegend, um einen Exklusiv-Deal mit Holt auszuhandeln. Doch Holt, der naturgemäß jedem Fremden und erst recht jedem Städter misstraut, hat kein Interesse an dem Geschäft. Was Lou, der bisher eher als Versager galt, jetzt seinem Boss irgendwie verkaufen muss. Oder tut sich doch noch eine Chance auf den Deal auf? Denn plötzlich signalisieren die Kinder Holts, das Geschäft ohne Wissen und Zustimmung ihres Vaters abzuschließen. Und dann ist da noch etwas im Wald, das ein FBI-Team massakriert hat. Und das auch Lou auflauert, als er wieder einmal nachts alleine unterwegs ist…

„Moonshine“ ist die neueste Zusammenarbeit des Teams Brian Azzarello und Eduardo Risso (der dieses Jahr in München zu Gast auf dem Comicfestival war), das bereits durch seine Serie „100 Bullets“ so etwas wie Kultstatus erlangt hat. Die Reihe, die in den USA bei Image zwischen 2016 und 2018 erschien, spielt in der amerikanischen Prohibitionszeit und verbindet das illegale Schnapsbrennen (das i.d.R. nachts stattfand, daher nennt man den New Make auch Moonshine) mit einer Werwolfgeschichte, Hillbillys und Gangstern. Schauplätze sind Kuhkäffer, Hinterwäldler-Hütten und immer wieder die tiefen, undurchdringlichen Wälder der Appalachen, in denen die Schwarzbrenner vermeintlich ungestört ihrer Arbeit nachgehen können. Hauptfigur Lou Pirlo gibt dabei eine originelle Mischung aus Loser und hartnäckigem Beißer, der – was man schon als Running Gag bezeichnen kann – gerne im Vollsuff einen Filmriss abbekommt und sich das Geschehen des Vortags zusammenreimen muss, wenn er mal wieder an einem unbekannten Ort aufwacht, ohne zu wissen, wie er dort gelandet ist.

Was anfangs noch ein klarer Auftrag ist – Lou soll Hiram den Schnaps abkaufen – breitet sich immer weiter aus, als auf beiden Seiten mehr und mehr Personen in das Geschehen eingreifen: auf Seiten der Schwarzbrenner die Kinder Hirams, die auch ohne dessen Segen in das lukrative Geschäft einsteigen wollen (was gehörig in die die Hose geht); und auf der anderen Seite die Gangster, die Oberboss Joe losschickt, um den vermeintlich unfähigen Lou (der sich unbedingt beweisen will) zu unterstützen. Parallel dazu bekommt das Werwolf-Motiv immer mehr an Gewicht und sorgt am Ende des Bandes, während des großen und actiongeladenen Finales, für eine Überraschung. Lou, der gerne nachts allein im Wald umherstolpert (was Azzarello immer wieder geschickt einfädelt), wird zum Spielball der unterschiedlichen Parteien und reitet sich immer tiefer in den Schlamassel, je mehr er versucht, Dinge (wieder) gerade zu biegen. Veredelt wird diese Story-Mischung durch den klaren und bestimmten Zeichenstil von Eduardo Risso. Von seinem unnachahmliches Spiel mit Licht und Schatten profitieren die schauerliche Thematik und das nächtliche Geschehen, das sich so stets in einer atmosphärischen Dichte präsentiert. Band 2, der die Story in Richtung New Orleans verlagert, erscheint im November. (bw)

Moonshine, Band 1
Text: Brian Azzarello
Bilder: Eduardo Risso
144 Seiten in Farbe, Hardcover
Cross Cult
22 Euro

ISBN: 978-3-95981-569-7

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