Doctor Who: Der 12. Doctor, Bd. 1 (Panini) | Comicleser

Doctor Who: Der 12. Doctor, Bd. 1 (Panini)

Juni 3, 2016

Doctor Who, 12. Doctor, Band 1 (Panini)

Unverhofft kommt oft! Da will man (bzw. in diesem Falle Frau) doch einfach nur auf Isen VI, wo es offenbar den frischesten und pulverigsten Schnee des ganzen Universums gibt, das Skifahren erlernen. Und was passiert? Die Tardis, mit der Clara Oswald flugs dorthin entwischen wollte, landet zwar auf dem richtigen Planeten – der allerdings offenbar zum tropischen Paradies mutiert ist, dessen Viehzeug nur scheinbar knuddlig ist, in Wahrheit aber durchaus gewalttätig. Das weckt natürlich die Neugier des guten Doktors, der schnurstracks losmarschiert, um den Dingen auf den Grund zu gehen. In der Hauptstadt wird man schnell fündig: der Phantastillionen-Zillionär Kano Dollar hat den ganzen Erdklumpen kurzerhand als Kulisse für seine Hochzeit mit der wilden Prinzessin Thania gekauft. Damit das Ganze auch ordentlich aussieht, läßt er Isen VI seit drei Jahren terraformen, d.h. künstlich in ein Paradies nach seinem Geschmack verwandeln.

Dem guten Doktor schwant Böses, als die Tardis plötzlich ein Alarmsignal in der Sprache seines Heimatplaneten Gallifrey empfängt. Unter der Oberfläche des Planeten lauert dann die Lösung: die Terraforming-Sonden haben auch ein abgestürztes Raumschiff getroffen, das zum untergegangenen Volk der Hyperionen gehört. Diese Herrschaften waren einst wohlwollende Wesen, die sich mit ihrer Sonne vereint hatten und Glück und Zufriedenheit auf alle Planeten tragen wollten. Irgendwie ging die Sache aber schief, als die Sonne von Hyperion erkaltete, gebärdeten sich die Hyperionen als grausame Despoten, die eine Nachbarsonne nach der anderen aussaugten. Dem schoben die Timelords mit vereinten Kräften einen Riegel vor, weshalb die letzten Überlebenden von Hyperion natürlich ein ganz gewaltiges Hühnchen mit dem guten Doktor rupfen wollen, als sie erkennen, dass er niemand anders als der Letzte der ihnen verhassten Rasse ist. Und plötzlich sieht sich der Doktor mit einem ganzen Planeten konfrontiert, der von den Hyperionen kontrolliert auf ihn losgeht…

Mumbai 2314: der Doktor und Clara besuchen Professor Tiger Maratha, einen alten Bekannten, der seinen Freund nach Jahren wieder kontaktiert, weil er fürchtet, dass irgendetwas zeitlos Böses die Menschheit vernichten will. Leider offenkundig nur zu spät, denn man findet lediglich die ausgesaugte, verdorrte Leiche des Professors, dem offenbar ein finsteres Wesen sämtliche Energie geraubt hat. Tigers Tochter Priyanka, die den Doktor noch in seiner Inkarnation mit Schlapphut und Schal kennt, hat nicht lange Zeit zu trauern: wie aus dem Nichts taucht eine Einheit PSI-Polizisten auf und behauptet, der Professor habe ein kostbares Artefakt gestohlen – und zwar der Scindia-Familie, einer führenden Dynastie, die mit ihrer Scindia Corp. eine Raumstation baut, um der Überbevölkerung abzuhelfen und dabei nebenbei den großen Reibach zu machen. Dass diese Herrschaften alles andere als aufrichtig sind und ein ganz falsches Spiel betreiben, das müssen der Doktor, Clara und Priyanka schneller erfahren als ihnen lieb ist…

Die limitierte Variant-Edition

Die limitierte Variant-Edition

Nach dem eher knuffigen und hippen Fliegenträger Matt Smith übernahm in der TV-Serie 2012 Peter Capaldi als Inkarnation 12 die Rolle des unsterblichen Timelords und setzte mit betont schottischem Akzept, ruppiger Attitüde (wer gerettet werden will, sollte besser nicht protestieren) und durchaus antisozialen Anwandlungen (bitte nicht berühren! und ja nicht umarmen!) einen wirkungsvollen Kontrapunkt. Dieser wird auch in dieser Comic-Adaption trefflich umgesetzt, als der Doktor betont, endlich sei das korrekt-stilsichere Element wieder zurück, und er würde ganz sicherlich nicht Begriffe wie „cool“ benutzen. Handlungstechnisch bewegen sich die Stories aus der Feder von Robbie Morrison punktgenau im Dr. Who-Universum: die Tardis fegt durch Raum und Zeit, der Doktor durchwandert das Universum und trifft dort auf Feinde aller Couleur. Vor allem das zweite in diesem Band präsentierte Abenteuer bringt elegante historische Querverweise, z.B. als Clara in Florenz 1505 einem gewissen Leo mit einem süffisant-rätselhaften Lächeln Modell sitzt oder als sich Priyanka an die legendäre 70er-Form des Doktors mit Hippie-Schal erinnert, die Tom Baker von 1974 bis 1981 auf der Mattscheibe verkörperte.

Vor allem die soziopathische Ader des Doktors sorgt immer wieder für amüsante Momente, wie wir sie auch aus der brillanten Sherlock Holmes-Serie kennen – machen wir da etwa ein Leitmotiv neuerer BBC-Produktionen aus, oder sind die Briten einfach nur so? Sei’s drum, Fans werden auch mit diesem Band ihren Spaß haben, der die englischen Ausgaben „Doctor Who: The Twelfth Doctor“ Nr. 1-5 versammelt. Anlässlich der Leipziger Buchmesse veröffentlichte Panini eine Variant-Cover-Edition des Bandes, die auf nur 333 Exemplare limitiert und für 25 Euro zu haben ist. Gerade neu in den Läden steht wieder eine Zusammenstellung von Ausflügen mit dem zehnten Doktor David Tennant, der ja schon in „Doctor Who: Herrschaft des Schreckens“ die deutsche Comic-Welt bereiste und den Superhelden-Fans als Gegenspieler von Jessica Jones in der gleichnamigen Marvel/Netflix-Serie kennen. Wir sind gespannt. (hb)

Doctor Who: Der 12. Doctor, Bd. 1: Der wilde Planet
Text: Robbie Morrison
Bilder: Dave Taylor
132 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
16,99 Euro

ISBN: 978-3-957-98566-8

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