XIII Gesamtausgabe, Band 1 (Carlsen) | Comicleser

XIII Gesamtausgabe, Band 1 (Carlsen)

Oktober 26, 2015

XIII Gesamtausgabe, Band 1 (Carlsen)

Jake Shelton. Steve Rowland. Ross Tanner. Jason Fly. Oder einfach XIII. Wer ist der Mann ohne Gedächtnis, der am Strand verletzt gefunden wird? Was ist seine Geschichte? 1988 veröffentlichte Carlsen einen Agententhriller der noch immer läuft und inzwischen auf eine Erfolgsgeschichte von 23 Bänden angewachsen ist. Für die ersten 19 bzw. 18 Bände (einen gestaltete Giraud) zeichnete sich das kongeniale Duo Jean van Hamme (Largo Winch) und William Vance (Bruno Brazil, Bob Morane, Bruce J. Hawker u.a.) verantwortlich, dann übernahmen Yves Sente (Blake und Mortimer, Thorgal) und Youri Jigounov (Agent Alpha) das Ruder. Jetzt erscheint – wieder bei Carlsen – die längst überfällig Gesamtausgabe, deren Band 1 die ersten vier Alben der Serie beinhaltet.

Alan. Das ist sein erster Name. So nennt ihn das alte Ehepaar, das den Bewußtlosen mit einem Streifschuss am Kopf am Strand aufliest. Nach seinem verstorbenen Sohn. Bald stellt sich heraus: Alan, der die römische Zahl XIII unter dem Schlüsselbein tätowiert hat, hat sein Gedächtnis verloren. Komplett. Und es dauert nicht lange, bis ihm Killer auflauern. Beim der Auseinandersetzung offenbart er erstaunliche Fähigkeiten: er muss im Nahkampf geübt sein. Doch ihm bleibt nur die Flucht. Eine erste Spur zu seiner Identität und Vergangenheit führt in die Stadt Eastown. Dort lebte ein Steve Rowland mit seiner Frau. War er das? Doch bevor er weiter recherchieren kann, wird er erneut aufgegriffen. Dieses mal von der Polizei. Die unglaubliche Anschuldigung: er soll den US-Präsidenten ermordet haben!

Ein rasanter Einstieg. Verschachtelt. Durchaus verworren. Immer spannend. Langsam plazieren sich die Figuren auf dem Schachfeld. Starke Charaktere. Da ist Colonel Amos, der XIII jagt, seine Identität klären und damit die Hintermänner der geheimnisvollen Organisation aufdecken will, die den Mord am Präsidenten verantwortet. Zu denen gehört offenbar La Mangouste, der Oberkiller, der XIII aus noch unbekannten Gründen tot sehen will, und dabei kein Risiko scheut. Und dann ist da noch General Carrington mit seiner reizenden Adjudantin Lieutenant Jones, der XIII protegiert und mehr weiß als er zugibt, ebenfalls aus noch unbekannten Gründen. Zwischendurch wird XIII als Steve Rowland bei seiner vermeintlichen Familie als Sündenbock missbraucht und zum Mörder erklärt und landet wie weiland Blueberry in einer unbarmherzigen Anstalt (was die Macher auch als Hommage an die Westernserie sehen), aus der es vermeintlich kein Entrinnen gibt. Später wird er von Carrington bei den Spads, einer US-Eliteeinheit, eingeschleust und langsam aber stetig fügen sich immer deutlichen die einzelnen Puzzleteile ineinander.

Die ersten vier Alben stellen (mit knallig poetischen Titeln wie ‚Der Tag der Schwarzen Sonne‘ oder ‚Alle Tränen der Hölle‘) quasi den ersten Akt dar. Am Ende wird einiges klar, Motive und wahre Rollen der Personen enthüllt und Verbindungen hergestellt. Die gigantische Verschwörung wird bis zu einem gewissen Grad (es geht ja noch weiter) logisch erklärt. Auch die verschiedenen Identitäten, die XIII angedichtet werden, überblickt man besser, wenn man die Gesamtausgabe am Stück liest. Aber neue Verwicklungen entstehen und treiben die Handlung weiter. XIII ist ein Bestseller im franko-belgischen Raum. Dabei entstand die Serie eher zufällig. Jean van Hamme sollte Ende der Siebziger Jahre Gregs ‚Bruno Brazil‘ übernehmen. Doch daraus wurde nichts. Vance und van Hamme suchten einen ähnlichen Stoff, einen ähnlichen Charakter und aus der Not heraus wurde mit XIII ein neuer Agententhriller geboren, eine kaum kaschierte Variante der Bourne Romane von Robert Ludlum. Mit einem großen Unterschied: XIII erlangt sein Gedächtnis nie zurück, weshalb das Interesse der Leser an seiner Person stets wach bleibt.

Der Belgier William Vance (Jahrgang 1935), der sich inzwischen krankheitsbedingt vom Geschäft zurückgezogen hat, war zu Beginn der Reihe bereits eine große Nummer. Er ist in etlichen verschiedenen Genres beheimatet. So setzte er Henri Vernes ‚Bob Morane‘ als Comic um und glänzte u.a. mit der Seefahrerserie ‚Bruce J. Hawker‘, die parallel zu XIII enstand. Dort beeindruckte er mit großen, opulenten Panels. In XII verfeinert er noch einmal seinen einzigartigen, markanten Stil. Vor allem Szenen, die im Regen oder im Schnee und vor Bilderbuch-Landschaften spielen, strotzen vor Atmosphäre und sind ob ihrer Details und feinen Strichen faszinierend anzusehen. Wie bei Gesamtausgaben inzwischen dankbarerweise üblich, gibt es auch hier einen Sekundärteil, der auf 13 Seiten die Entstehung der Reihe schildert und dokumentiert, garniert mit zahlreichen Illustrationen und Exlibris von William Vance. Sehr schön. (bw)

XIII Gesamtausgabe, Band 1
Text: Jean van Hamme
Bilder: William Vance
208 Seiten in Farbe, Hardcover
Carlsen Verlag
34,99 Euro

ISBN: 978-3-551-72843-2

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