Death Experience, Band 2 (Splitter) | Comicleser

Death Experience, Band 2 (Splitter)

Oktober 23, 2015

Death Experience, Band 2 (Splitter)

Weiter geht die unmögliche Reise. Zur Erinnerung: Die Milliardärin und Großindustrielle Katlyn Fork ist mit einer Gruppe aus Wissenschaftlern und Soldaten unterwegs zum Übergang zwischen Leben und Tod, sprich: zum Jenseits. Grund: ihr geliebter Sohn Matt liegt seit Jahren unrettbar im Koma – diese Reise bildet sozusagen den letzten Strohhalm, nachdem Katlyn greift, um ihren Sohn wieder ins Leben zurückzuholen – ein zugegebenermaßen recht diffuses Unternehmen. Vom Risiko ganz zu schweigen.

Das ‚Schiff‘ (es bleibt ja an sich an Ort und Stelle – die Reise findet nur im Inneren statt und ähnelt dort für die Insassen in der Tat einem Raumflug), die Horus-Ra, treibt weiter dem Licht (und damit dem Tod?) entgegen. Mit Hilfe des verstorbenen Black gelingt es, wieder Gewalt über die manövrierunfähige Maschine zu erlangen. Immer wieder werden die Teilnehmer von Visionen heimgesucht: Engel und längst Verstorbene, geliebte Menschen statten der Crew einen Besuch ab, nur um gleich wieder zu verschwinden. Je näher man dem Licht kommt, umso skurriler werden die Begegnungen mit der Vergangenheit. Schließlich taucht Matts Sarkophag, der dem Schiff vorgespannt ist, in das Licht ein. Bedeutet dies nun den Tod aller oder das Leben Matts? Die Zeit zur Umkehr wird knapp. Die Crew ist zwar willig, aber mit vorgehaltener Waffe manövriert Katlyn das Schiff weiter. Und von außen versuchen die Wissenschaftler, die das Projekt überwachen, die Reise abzubrechen. Bis alles zu spät scheint…

Hatten wir Band 1 noch konstatiert, dass die Story – soweit bei der Thematik entsprechend möglich – bodenständig bleibt und wissenschaftliche Ansätze sucht/bemüht, ändert sich das nun in Band 2, der den ersten Zyklus abschließt, fundamental: die Science Fiction geht mit den Machern durch, man greift tief in die Versatzstück-Kiste (ja, blödes Wort) und bemüht nicht nur diverse bekannte wie ungeklärte Zwischenfälle im Bermuda-Dreieck und sogar H.G. Wells‘ Zeitmaschine (in einer kuriosen Rückblende), sondern auch einen Schluss (was genau verraten wir natürlich nicht), der nicht das Ende ist und der für den einen oder anderen aufgesetzt wirken mag. Der Grund ist offensichtlich: die Reihe geht entgegen erster Ankündigungen weiter, mit einem zweiten Zyklus, der die Handlung möglicherweise in eine ganz andere Richtung führt. Denn die Reise der Horus-Ra, soviel scheint klar, ist beendet. Eventuell konzentrieren sich Dennis Bajram (Universal War Two), Valérie Mangin (Alix Senator) und Jean-Michel Ponzio (Der Schimpansenkomplex) nun auf deren Auswirkungen. Wir werden sehen – Band 3 ist in Frankreich bereits erschienen.

Ein Beispiel für Ponzios realistische Zeichnungen

Ein Beispiel für Ponzios realistische Zeichnungen

Die religiöse und ethische Problematik, die ein solches Unternehmen zwangsweise aufwirft, wird in der Story weitgehend ausgeklammert und manifestiert sich nur in Visionen der Expeditions-Teilnehmer. Glaube und Ethik der einzelnen wird durch diese Begegnungen überhöht: Pater Theillard begegnet dem Leibhaftigen, während Katlyn eine buddhistische Erfahrung macht. Wissenschaftlerin Elois glaubt an Mathematik und das logische Verständnis der Zahlen. Soldat Buzz hingegen glaubt an gar nichts, weshalb er eine sehr weltliche und fleischliche Begegnung hat und schließlich das anfleht, was ihn als Kind prägte: seine Mutter. Wir sehen hier ein Konglomerat an esoterisch-religiösen Grenzerfahrungen, das nicht nur an diverse Comics von Christophe Bec erinnert, sondern in seiner Abstraktheit an den letzten Akt von Kubricks 2001, freilich ohne dessen Komplexität und gewaltigen Interpretations-Spielraum.

Ein Album, das Überraschungen bietet und Wege einschlägt, die man nicht erwartet. Das versucht Dinge zu fassen und in Bilder zu binden, die man real aller Voraussicht nach (was auch gut ist) nie sehen wird und die sich damit einer wissenschaftlichen Erforschung entziehen. Was der Story eine gewisse Faszination verleiht. Dazu kommen die photorealistischen Zeichnungen Ponzios, die im düsteren Inneren des Schiffs großartig ausgeleuchtet sind, mit feinen Licht- und Schatteneffekten arbeiten, fast dreidimensional wirken und so die Realität verstärken. Und ab jetzt bin ich echt gespannt, wie es hier weitergehen soll. (bw)

Death Experience, Band 2: Der himmlische Friedhof
Text: Denis Bajram, Valérie Mangin
Bilder: Jean-Michel Ponzio
56 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
14,80 Euro

ISBN: 978-3-95839-028-7

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