Doctor Who: Der fünfzehnte Doctor, Band 1 (Panini) | Comicleser

Doctor Who: Der fünfzehnte Doctor, Band 1 (Panini)

Januar 9, 2026
Doctor Who: Der fünfzehnte Doctor, Band 1 (Panini Comics)

Yorkshire, 1739: der Wegelagerer Dick Turpin ruft standesgemäß „stand and deliver“ und sackt einiges an Diebesgut ein. Nicht weiter verwunderlich, nur der Energiestrahl aus einer Cyberhand, das passt irgendwie nicht in die Zeit, wie der gute Doktor feststellt, der mit der Tardis aus dem Raum Zeit Vortex kommt. Turpin erzählt eine reichlich wirre Geschichte von einem Gott, der ihm endlose Reichtümer in Aussicht gestellt hat, sofern er den Doktor zum Schreien bringt. Das klappt nicht, Turpin landet vielmehr am Galgen und stößt selbst einen Schrei aus, den eine finstere Gestalt genüsslich als „guten Jahrgang“ in eine Flasche packt. Dank einer Materiespur auf der Cyberhand können der Doktor und seine Begleiterin Ruby Sunday die Fährte aufnehmen, die auf die Erde eines dystopischen 29. Jahrhunderts führt.

Durch eine kaputte Ionosphäre ist der Planet unbewohnbar geworden und längst evakuiert, nur wenige Unbelehrbare halten in einem vollautomatisierten Einkaufszentrum (dank ausreichend synthetischem Essen und guter Klimatisierung) noch die Stellung. Dort finden der Doctor und Ruby nicht nur ein verängstigtes Kind, sondern auch einen schaurigen Barkeeper und eine Armee von Cybermen, die zum Angriff ansetzt, vom Doctor aber alsbald als reine Illusion entlarvt werden. Allmählich stellt sich heraus, was hinter der Sache steckt: ein Dimensionswesen, das sich den Sommelier der Schreie nennt, sammelt in Zeit und Raum Angstschreie ein, die es in einem gewaltigen Vorratskeller säuberlich sammelt. Als Krönung ist der Lump nun hinter dem Doctor her, aber da hat er die Rechnung natürlich ohne unseren Timelord gemacht…

Reisen bildet, vor allem, wenn man sich in Schottland vor Ort die Herstellungsweise gewisser hochgeistiger Getränke erläutern lässt. So auch geschehen in der beschaulichen Edradour Brennerei, wo ein wunderlicher Zeremonienmeister namens John in eindrucksvollen Worten die fast schon magische Wirkung beschrieb: „Today, it’s all about Whiskyyyyy. If you drink it, you have taken the first step on the right path. Everything will be alright.” Und als ultimative Untermauerung schob er hinterher: „Even Mr. Trump. Even the new Dr. Who.” Was der gute John hier augenzwinkernd als schier unfassbare Macht beschrieb, das spielte launig auf den durchaus innovativen Weg an, den die BBC mit einer ihrer langlebigsten Figuren eingeschlagen hatte. Der Timelord von Gallifrey, der sich bekanntlich immer wieder einmal in neuer Inkarnation regeneriert, erschien nämlich 2017 in Form von Jodie Whittaker erstmals in weiblicher Gestalt (worauf ein schottischer Traditionalist natürlich erst mal einen Dram nahm).

Nach einer kurzen Rückkehr von David Tennant als 14. Protagonist setzte man 2023 weiter auf das Prinzip Erneuerung und Modernität: mit Ncuti Gatwa verkörperte der erste in Afrika geborene und zudem offen queere Darsteller den Timelord. Auch innerhalb der Mythologie erlaubte sich Produzent Russell T. Davies diverse Freiheiten. Erstmals entstand der neue Doktor in einer „Bi-Generation“: Doktor Nummer 14 spaltete die neue Inkarnation von sich ab und existiert weiter, anstelle wie sonst üblich vom Nachfolger ersetzt zu werden. Eine eher launige, warmherzige Charakterisierung und stylische Outfits tun ihr Übriges zum Neustart, den auch die Comicserie mit einer Storyline vorantreibt, die inhaltlich nach der TV-Folge „Rogue“ ansetzt, in der der Doctor und Ruby 1813 am Ball der Herzogin von Pemberton teilnehmen.

Die Figur des Schreisommeliers steht in losem Zusammenhang zum Pantheon of Discord, einer Ansammlung von fiesen gottgleichen Wesen, die die Realität verändern und Chaos stiften wollen, zu denen auch alte Widersacher wie der Toymaker oder der Trickster gehören. Die Grundidee der bewusst gesammelten Furcht tritt uns in diversen Horror-Vorlagen entgegen, nicht zuletzt Stephen Kings Doctor Sleep, wo sich die Energievampire des True Knot durch Todesangst ihrer Opfer am Leben erhalten. Dominierend sind in der Story von Dan Watters aber natürlich die Referenzen auf das beachtliche Who-Universum: neben den Dimensionssprüngen und der Tardis (innen größer als außen, wie gewohnt) sind die Cybermen ebenso am Start wie eine amüsante Referenz auf ein durchaus legendäres Accessoire der Serie. Als man sich im Einkaufszentrum umsieht, entdeckt der Doktor einen bunten Schal, den er sich sogleich umhängt und damit auf Tom Baker anspielt, der Anfang der 70er eher hippie-haft den Doktor gab (wozu einer meiner Studienkollegen in England gerne anmerkte: „Where the hell did he get that scarf?“).

Optisch trifft Kelsey Ramsay die Figuren durchaus, der Sommelier ist hinlänglich grausig inszeniert, Somit eine würdige Ergänzung und Fortführung, die vor allem Freunde der TV-Serie erfreuen sollte. Und nochmal zurück zu John: seit 2025 ist der Doctor wieder eine Frau, verwirrenderweise in Gestalt einer seiner früherer Begleiterinnen Billy Piper, was erneut für Aufsehen sorgte. Aber wir wissen ja: everything will be alright. (hb)

Doctor Who: Der fünfzehnte Doctor, Band 1
Text: Dan Watters
Bilder: Kelsey Ramsay
132 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
18 Euro

ISBN: 978-3-7416-4289-0

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