
Meine erste Begegnung mit Wonder Man, alias Simon Williams, war flüchtig. Was daran lag, dass sein Auftritt in „Die Rächer Nr. 21“ aus dem Williams (!) Verlag von 1974 auch nur drei Panels lang dauerte, noch dazu innerhalb eines Rückblicks. Wundermann, wie man ihn damals redlich eingedeutscht nannte, erblickte zuvor in Heft 8 die deutsche Marvel-Welt, als ein von Baron Zemo geschaffener Gegner der Rächer. Alsbald verschwand er in der Versenkung, und das voller Absicht, weil Stan Lee Rechtsstreitigkeiten mit der Konkurrenz von DC vermeiden wollte (wegen der Namensähnlichkeit zu Wonder Woman). Später wurde Wonder Man reaktiviert, wandelte sich vom Schurken zum Guten, war Mitglied der Rächer, verblieb dann aber doch stets als Held in der zweiten Reihe.
Was sich nun ändern könnte, steht Ende Januar doch die nächste Marvel-Serie ins Haus. Denn die hat ebenjenen Wonder Man zum Inhalt. Wie immer im Vorfeld solcher Serienstarts bringt Panini dazu entsprechende Titel auf den Markt, die im Falle von Simon Williams aber rar gesät sind. Denn neben dem Band „Der Weg zum Helden“, der die komplette fünfteilige Miniserie von 2007 beinhaltet, findet der geneigte Leser aktuell lediglich einen weiteren, kleinen Sammelband in den Händlerregalen. Andere, auch frühere Titel mit Wonder Man als Hauptfigur, verzeichnet auch der Comicguide nicht.

Der Originaltitel des Bandes lautet „My Fair Super Hero“ und wie auch das Vorwort erläutert, nimmt die Story des kürzlich verstorbenen Peter David das Hauptmotiv des Musicals „My Fair Lady“ auf, welches wiederum auf George Bernard Shaws Schauspiel „Pygmalion“ basiert. Hier wird die junge Schurkin namens Ladykiller zwar nicht in eine Dame verwandelt, sondern Genre gerecht zur Heldin „umerzogen“, oder wie es Wonder Man treffend bemerkt, „aus einer wahnsinnigen Mörderin ein normales Mitglied der Gesellschaft“ gemacht. Und das wird präsentiert als eine Art Reality-TV, denn Wonder Man ist ja bekanntlich auch Schauspieler und mit seinem Agenten stets auf der Suche nach neuen Formaten.
Unterstützt wird er bei seiner Mission von seinem Kumpel und X-Man Henry McCoy und Carol Danvers, besser bekannt als Captain Marvel. Beide bekleiden jedoch nur Nebenrollen. Die Story, die sich aufgrund ihres Leitmotivs (inkl. einer Hommage von Zeichner Andrew Currie ans Kinoplakat von „My Fair Lady“) von typischen Superhelden-Erzählungen abhebt, konzentriert sich auf die junge Huan, die zur Attentäterin namens Ladykiller gedrillt wurde, ihre tragische Lebensgeschichte und ihre Interaktionen mit Wonder Man, ehe am Ende dann doch ein Superhelden-Twist zum tragen kommt. Erzählt wird die komplette Story übrigens rückblickend von einem sinnierenden Simon Williams in einer fernen, dystopischen Zukunft. Curries Zeichenstil muss man akzeptieren oder sich zumindest daran gewöhnen, um Spass am Geschehen zu haben. Seine Figuren sind sehr stilisiert – verschobene Kopfformen, 30 cm Oberarme treffen auf 3 cm Fussknöchel – was sicher nicht jedermanns Sache ist. Der Band ist auch in einer limitierten Hardcover-Variante erhältlich (siehe rechts). (bw)
Wonder Man: Der Weg zum Helden
Text: Peter David
Bilder: Andrew Currie, Todd Nauck
128 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
17 Euro
ISBN: 978-3-7416-4485-6