Segmente, Band 1 (Splitter) | Comicleser

Segmente, Band 1 (Splitter)

March 19, 2014

Segmente, Band 1: Lexipolis

Gerne und durchaus überzeugend verbreitet ein hoch geschätzter Freund von mir folgende launige These: Frauen und Männer sind anders, das ist hinlänglich bewiesen und nicht angezweifelt. Warum dann also permanent den Versuch machen, dennoch ein harmonisches Miteinander herbeizuführen? Die beiden (latent feindlichen) Lager sollten doch einfach auf die beiden Hemisphären aufgeteilt werden, und zur allgemeinen Freude (und Fortbestand der Rasse) lässt man sie kurzerhand in unregelmäßigen Abständen aufeinander los. Gelöst wären – zumindest nach Zusicherung des genannten Herren – Shopping-Auseinandersetzungen, Vermutungen über das was der andere jetzt gerade sagen/nicht sagen darf/soll, und insbesondere wären sämtliche kriegerischen Auseinandersetzungen ausgemerzt. Bislang stand er damit weitgehend alleine da, aber jetzt naht prominente Unterstützung in Form von Richard Malka und Juan Giménez.

Die führen nämlich in ihrem vorliegenden Epos diese Idee noch konsequenter weiter und zu ihrem logischen Schlusspunkt. Nach Verlassen des „Ursprungsplaneten“ wird die menschliche Rasse kurzerhand in sieben Sektoren aufgeteilt: Ordnung, Krieg, Vergnügen, Handel, Spiritualität, Kreativität und Arbeit. Das schafft Ruhe, Stabilität und totale Kontrolle. Wohin der einzelne Vertreter tendiert, wird im zarten Alter von sieben Jahren durch einen Psychotest festgestellt. Bis zum 21. Lebensjahr konditioniert man diese Züge dann jeweils so intensiv, bis der Zwangsdeportation in den Zielsektor nichts mehr im Wege steht. Union steht unter Strafe, nur in der Hauptstadt Lexipolis, wo der Führungsrat tagt, ist Farbigkeit erlaubt. Einziges Problem: nach und nach verbreitet sich Unfruchtbarkeit, die Rasse droht auszusterben. In dieser antiutopischen Zwangsherrschaft zieht der aufmüpfige Loth Lungren das undankbare Los, auf Neo-Sparta zugeteilt zu werden, wo man ihm ordentlich Manieren beibringen soll. Nur leider verpasst er aufgrund eines Schäferstündchens mit seiner Holden den Tag der Abreise nach seinem 21. Geburtstag um einige Sekunden und wird dafür zu 40 Jahren Alterung verurteilt – eine ebenso effiziente wie grausame Art des Strafvollzugs (also, diese Idee hat wirklich was…). Mit der ebenfalls eingekastelten Rebellin Jezreel Seth gelingt ihm allerdings die Flucht, die ihn direkt in die Reihen der „Farblosen“ führt – Partisanenkämpfern, die die diktatorische Trennung der Welt bekämpfen und dafür alles riskieren. Dicht auf den Fersen folgt ihm die Polizei-Truppen der Regierung, als sich das Pärchen auf den Weg nach Voluptida macht, nach dem Segment der Lust, auf dem auch der Oberste Bibliothekar weilt – denn er weiß schließlich, warum genau die Herrscher über die aufgeteilten Welten unsterblich sind und was sie wirklich im Schilde führen…

Die Grundidee von Malka ist durchaus originell und wäre auch in einem soziologisch angehauchten antiutopischen Streifen der 70er nicht fehl am Platze gewesen. Die Vorstellung, dass bei einer strikten Trennung der unterschiedlichen menschlichen Wesenszüge die totale Diktatur möglich wird, verdeutlicht, dass Kriege ja nie um ihrer selbst willen, sondern eben immer um Besitz, Rohstoffe und Land geführt werden, dass Handel ohne Kreativität kaum möglich ist, dass ungebremstes Vergnügen schnell zur Dekadenz führt – kurz, dass der Mensch halt nun mal ein komplexes Wesen ist, das aus seinen Widersprüchen eben Energie und Originalität zieht. Nimmt man ihm diese Vielschichtigkeit, nimmt man damit auch Widerstandsfähigkeit und Willen zur Rebellion. Malka erzählt seine Story flott und schmissig, mit Loth als ungestümem Youngster, dem die „Farblosen“ eine willkommene Plattform zum Aufbegehren gegen die despotische Ordnung dienen. Juan Giménez illustriert wie von den Meta-Baronen gewohnt aufwendig, leicht stilisiert, mit kräftiger Farbgebung und Dynamik. So wollen wir unsere negativ-Science Fiction! Zu dem bereits erschienenen Band 2 kommen wir in Kürze. (hb)

Segmente, Band 1: Lexipolis
Text: Richard Malka
Bilder: Juan Giménez
48 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
14,80 Euro

ISBN: 978-3-86869-629-5

Tags: , , , , ,

Comments are closed.