Danger Girl: The Chase (dani books) | Comicleser

Danger Girl: The Chase (dani books)

April 1, 2016

Danger Girl: The Chase (dani books)

Geheimauftrag für die Gefahrenmädels: Cheffe Deuce (weitgehend entspannt auf seiner Danger-Yacht) schickt die Danger Girls nach Shanghai, um im Straßengetümmel dort die Übergabe eines ominösen Koffers zu boykottieren und sich das Ding dabei zu schnappen. Das allerdings gestaltet sich mehr als schwierig: eine ebenso schlag- und tatkräftige Dame, bei der man nicht sicher sein kann, ob ihre Formen, Kleidung oder ausladende Drachentätowierungen beeindruckender sind, kommt ihnen zuvor und macht sich mit dem Koffer auf und davon. Auf der wilden Hatz stellen die Girls schnell fest, dass mit dem Teil ganz gehörig etwas faul sein muss: als Abby Chase schon fast Hand anlegen kann, entfesselt ein Treffer aus Sonya Savages Bogen plötzlich eine Antigravitationswelle, und als Abbey auch noch auf das Ding schießt, sieht man sich einer spontanen Wetteranomalie ausgesetzt. Die nutzt die Drachendame zur Flucht, und der wiederholt zur Rede gestellte Deuce lässt sich zu einer Erklärung herbei: die militante Holde ist niemand anders als Anastasia Kilbourne, genannt Asia – enge Freundin der verblichenen Natalia Kassle, die als Doppelagentin die Danger Girls einst infiltriert, an den Geheimbund Hammer verraten und diese Missetat letztendlich mit dem Leben bezahlt hatte.

Dafür scheint die gute Asia ein Hühnchen mit Abby, Sonya, Sydney und ihrem Boss rupfen zu wollen, die sich schnurstraks wieder an ihre Fersen heften. Während sich Deuce beharrlich weigert, damit herauszurücken, was zur Hölle denn nun in dem mysteriösen Koffer ist, jagen die Danger Girls per Helikopter, Feuerwehrtruck (!) und Motorrad hinter Asia her, und Abby gelingt es schließlich tatsächlich, sich das Objekt der Begierde anzueignen, an die Hand zu ketten und damit per Zug das Weite zu suchen. Dort entfaltet der geheime Inhalt immer mehr wunderliche Eigenschaften: eine seltsame Flüssigkeit tropft nach oben, ein außen angebrachter Countdown-Zähler beginnt abzulaufen, und Abbys Körper wird wie von Röntgenstrahlen durchleuchtet. Aber Asia denkt gar nicht daran aufzugeben, und so stehen sich dann in einem feurigen Finale auf dem rasenden Zug die Danger Girls, Deuce, Asia und ihre Kumpane gegenüber, um den Kampf um die drohende vollständige Vernichtung der Stadt auszufechten…

Andy Hartnell schickt die Danger Girls hier auf eine rasende Jagd, die wie ein einziges großes Set Piece aus einem Sommer-Blockbuster wirkt. Von einem Verkehrsmittel zum nächsten springen, hechten und fliegen die Mädels, entweder als Verfolger oder als Verfolgte, Zeug geht tonnenweise in die Luft, Trucks, Hubschrauber und Züge fallen der Materialschlacht zum Opfer, während sich die adretten Damen in ihren engen Trikots äußerst ansehnliche Gefechte am Boden und in der Luft liefern. Diese wunderbare Action-Persiflage, für die man wie stets James Bond und Lara Croft gemeinsam mit den drei Charlie-Engeln in einen Mixer wirft und Vollgas gibt, winkt dieses Mal außerdem in Richtung sattsam bekannter Genre-Vertreter wie der Action-Streifen „Ronin“ oder das cartoon-Gewaltfest „Pulp Fiction“, wo es auch jeweils um einen Koffer geht, dessen brisanter Inhalt zwar die Handlung in Gang setzt, aber niemals ans Tageslicht kommt (bei Alfred Hitchcock hieß das MacGuffin, sein phantasievoller Begriff für einen letztlich bedeutungslosen Handlungsaufhänger, zu bestaunen in nahezu jedem seiner Filme – so etwa das gestohlene Geld, das keinen anderen Zweck hat, als Vera Miles ins Bates Motel zu lotsen).

Hier scheint es irgendeine atomare Gravitationsbombe zu sein, die versteckt ist, und jedes noch so leichte Öffnen hat ebenso schwere Folgen wie in Robert Aldrichs Kofferfilm „Kiss Me Deadly“ (Rattennest, 1955). Aber letztendlich ist das auch egal, viel wichtiger ist die furiose Action, die sich in Harvey Tolibaos krachig-bunter Inszenierung vor lauter Schnalzanzügen und drallen Formen gar nicht retten kann und das auch selbstironisch kommentiert (so etwa als die Oberfunkerin mit Blick auf Sydney feststellt, sie habe keinen Empfang für den Peilsender: „Ist sicher der Sturm schuld. Oder Deine aberwitzig großen Möpse sind mir im Weg.“) So entsteht eine spaßige, vollkommen überzogene und gerade deswegen maximal unterhaltsame Hatz, die durch feine Cover-Zeichnungen und zusätzlich sogar mit leibhaftigen Damen nachgestellten Titelfotos (alles Natur, versteht sich) aufwartet (wobei hier die Anmerkung erlaubt sei: das übliche gutbürgerliche Selbstberuhigungsgerede, solche Formen seien doch nur reine Nerd-Phantasien und in der Realität gar nicht anzutreffen, weist Beziehungsberater Dr. Bachmaier entschieden zurück. Er hat fassbare Beweise für das Gegenteil). Der vorliegende Sammelband bringt die gesamte Storyline „Danger Girl: The Chase“ 1-4 von 2014. Nächste Ausgabe: Mayday. (hb)

Danger Girl: The Chase
Text: Andy Hartnell
Bilder: Harvey Tolibao
96 Seiten in Farbe, Softcover
dani books
14,99 Euro

ISBN: 978-3-944077-46-8

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