Roland Ritter Ungestüm, Band 3 (CrossCult) | Comicleser

Roland Ritter Ungestüm, Band 3 (CrossCult)

Januar 10, 2011

Schon zum dritten Mal reitet Ritter Roland auf Abenteuer aus: im dritten Band der Gesamtausgabe von Cross Cult besteht der Chevalier Ardent wieder äußerst unterhaltsame, spannende Abenteuer. Erneut werden in einem aufwändigen Hardcover drei Alben präsentiert:

1. Der Schatz des Weisen. Roland erhält von einem mysteriösen Mönch den Auftrag, einen Schatz auf Pilgerreise ins Heilige Land zu begleiten – sprich, der junge Herr begibt sich auf einen der ersten Kreuzzüge. Der Schatz soll den nach Konstantinopel geflohenen Anführer der christlichen Gemeinde freikaufen, der von Arabern aus Jerusalem vertrieben wurde. Klare Sache, dass sich einige Halunken, allen voran der schon aus dem ersten Abenteuer Rolands bekannte Schwarze Prinz und sein Faktotum Huon, die Reichtümer unter den Nagel reißen wollen. Aber dagegen steht nicht nur Roland, sondern auch der zwielichtige Dieb Girre Langnase…

2. Der Zauber der Wüste. Die Truhe ist zwar wohlbehalten in Konstantinopel angekommen, aber nun gilt es, den Schatz über den Seeweg und dann durch die Wüste nach Jerusalem zu schaffen. Dieser Weg birgt neue Gefahren: denn Ritter Roland und seine Gefährten müssen sich nicht nur immer noch mit dem Schwarzen Prinzen herumärgern, sondern geraten auch in Sandstürme, Karawanenbelagerungen und werden von dem mysteriösen Wüstenbandit Nasr-el-Djinn gehetzt. Und dann ist da noch Aisha, die geheimnisvolle Herrin der Wüste, die Roland unwiderstehlich in ihren Bann zieht. Aber nichts ist, wie es scheint!

3. Der Hüne von Worms. Wieder zu Hause in Rotteck, macht Roland die keineswegs angenehme Bekanntschaft eines neuen Nachbarn. In seiner Abwesenheit ist Dietrich der Bucklige ohne Erben verstorben, weshalb König Artus sein Lehen an den als „Hünen von Worms“ bekannten Siegbert verkauft hat. Der ist ein rechter Unhold, verbreitet Angst und Schrecken im Lande und plant, die Herrschaft über die ganzen Ardennen an sich zu reißen. Nachdem er auch die Schmiede Rolands aufs Trockene gesetzt hat, ist es eine Frage der Zeit, bevor man sich hier auf trefflichste bekämpft. Dann taucht plötzlich ein verwilderter Junge auf, dessen bester Freund ein Adler ist und von dem Roland zu wissen glaubt, dass man es hier mit dem rechtmäßigen Erben von Dietrich zu tun habe. Was dem Hünen natürlich nicht sonderlich schmeckt…

Die Chevalier Ardent-Serie des 2004 verstorbenen Belgiers François Craenhals startete 1966 im Magazin Tintin, dessen künstlerischer Leiter er war, und mauserte sich ab 1970 zu einer Alben-Reihe. Craenhals präsentierte darin seine Version der Saga des Rasenden Roland, geschichtlich vermutlich ein Graf aus der Bretagne zur Zeit Karls des Großen, der als Hauptfigur des Rolandsliedes Zentralfigur eines Heldenepos von echtem Schrot und Korn ist. Der Comic-Roland ist ein Hitzkopf, der im Laufe der Geschehnisse immer mehr zur starken Persönlichkeit reift und dabei stets um die Liebe von Artus’ Tochter Gwendoline bemüht ist. Die Abenteuer hangeln sich an seiner Figur entlang, die sich wie die Serial-Helden durch Einfallsreichtum und Kampfeskraft aus allerlei scheinbar ausweglosen Situationen herauslaviert – die Seriencomics eines Hal Foster und Alex Raymond prägten Craenhals’ erste Erfahrungen und auch erste Comic-Schöpfungen. Nebenbei bringt Craenhals historische Fakten (Kreuzzüge, Hintergründe des Islam etc.) unaufdringlich unter und entwirft so ein farbenfrohes, spannendes Mittelalter-Panorama, das an keiner Stelle angestaubt, sondern quicklebendig wirkt.

In Deutschland erschienen die Abenteuer des – etwas ungelenk übersetzten – Ritter Ungestüm erstmals von 1975 bis 1982 bei Carlsen und dann nochmals für ein Jahr bei Feest (1988-1989), wobei es die deutsche Ausgabe auf 14 Bände brachte. Auch im Zack-Magazin erblickten einige Stories das Licht der Welt, so dass der Ritter für viele Comicfreunde der 70er eine wohlige Erinnerung sein mag. Wobei natürlich der Schatten von Prinz Eisenherz (der für den Chevalier zweifelsohne Pate stand) und – insbesondere in deutschen Landen – der Lokalmatadoren Sigurd und Falk das Ritter-Genre dominierte.

Umso lobenswerter ist das Unterfangen von Cross Cult, diese Reihe nun in einer wahrlich meisterhaften Ausgestaltung dem alten – und hoffentlich auch einem neuen – Publikum wieder zugänglich zu machen. Dabei sind die Abenteuer chronologisch sortiert und neu übersetzt, die Zeichnungen teilweise gründlich restauriert. Die Aufmachung kann nur noch beispielhaft genannt werden: ein mächtiger, stabiler Hardcover-Band mit jeweils drei Alben als Inhalt in fast schon versessener Detailfreude bringt den Ritter erhaben in die Gegenwart, wobei durch das dicke, grobe Papier das Kunststück gelingt, nicht an Hochglanz-Allüren zu scheitern, sondern die Zeichnungen kongenial in ihrem 70er-Jahre-Glanz erstrahlen zu lassen und einem das Gefühl zu geben, man lese einen alten Folianten. Das hat die Kunst von Craenhals auch verdient, die Seiten sprühen über vor Vitalität, vor allem Kampfszenen werden gekonnt großformatig ausgebreitet, Gesichter, Kleidung und Requisiten erstrahlen im klassischen franco-belgischen Stil realistisch und nur leicht stilisiert. Aber die wahre Stärke der Serie ist die Erzählweise, die mal an die genannten Serials, vor allem aber die an die Technicolor-Abenteuerfilme eines Erroll Flynn und Konsorten erinnert – mühelos hält Craenhals die Spannung über mehrere Bände, hält glaubhafte Überraschungen parat, fügt Fäden überzeugend zusammen und übernimmt dabei auch gerne (zumindest zur Entstehungszeit) aktuelle Bezüge: so ist die Geschichte des verwilderten Erben im letzten Kapitel eindeutig inspiriert von Francois Truffauts Film Der Wolfsjunge, der 1969 herausgekommen war.

Ergänzt wird jeder Band durch Bonusmaterial, wie etwa eine Biographie von Craenhals und einen Abdruck der Original-Cover der Carlsen-Ausgaben aus den 70ern. Echte Sammler können sich jetzt schon freuen, dass auch noch nie in deutscher Sprache veröffentlichte Abenteuer für die Reihe vorgesehen sind – und vor allem, dass die aneinander gereihten Ausgaben ein Gesamtbild des Ritters ergeben werden. Vielleicht keine radikal neue Idee, aber wir wissen doch alle: es zählt auch, was gut im Schrank steht. Volle Punktzahl für Inhalt und Form! (hb)

Text & Bilder: François Craenhals
160 Seiten in Farbe, Hardcover
Cross Cult Verlag
29,80 Euro

ISBN 978-3-941248-73-1

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