Trigan, Band 1 (Panini) | Comicleser

Trigan, Band 1 (Panini)

September 2, 2015

Trigan, Band 1 (Panini)

1965: in den USA erblüht gerade Marvel, um die Superhelden-Comics nachhaltig zu prägen. In Deutschland zeichnet Hansrudi Wäscher noch immer seine Fließband-Helden. Und in England erscheinen die ersten Seiten einer Science Fiction Serie, die zeichnerisch ihrer Zeit weit voraus ist. „The Rise and Fall of the Trigan Empire“, so der komplette sperrige Titel, verknüpfte vor genau 50 Jahren in Story und Optik Römer mit Science Fiction – eine geniale Idee, die bei der jugendlichen, vorwiegend männlichen Leserschaft reißenden Absatz fand und deren Zahl schnell in die Hunderttausende ging.

Alles beginnt mit dem Absturz eines fremden Raumschiffes auf der Erde. Die Besatzung ist tot, ihr Hab und Gut, vor allem zahlreiche Bücher in unbekannter Schrift und Sprache, beschäftigen die Wissenschaftler über Jahrzehnte. Schließlich gelingt es die Folianten zu entziffern und so öffnet sich die Tür in die Geschichte, eben den Aufstieg und Fall des Kaiserreichs Trigan: das wird von Trigo begründet, einem von drei Brüdern, die über ihr Nomadenvolk herrschen. Da Trigo ihre Existenz von den kriegerischen wie technisch hochentwickelten Loka gefährdet sieht, will er sesshaft werden, eine Stadt bauen, um so die eigenen Kräfte zu bündeln, damit man gegen den Aggressor bestehen kann. Der greift gerade mit seiner Luftwaffe das Nachbarland Tharv an und zerstört es völlig. Die Bewohner, darunter der versierte Baumeister Perik und dessen Tochter Salvia müssen fliehen und finden bei Trigos Volk Unterschlupf. Perik erklärt sich bereit, den Aufbau der Stadt zu leiten. Trigos Bruder Klud ist enttäuscht, weil das Volk nicht ihn als Anführer wählt und schließt sich nach einem Mordversuch an Trigo den feindlichen Loka an. Es kommt zur entscheidenden Schlacht, bei der Klud sein Fett wegkriegt und Trigo mit List, Tücke und Zufall als Sieger hervorgeht. Die Geburtsstunde des Reiches Trigan ist gekommen…

Zwei Kombinationen, die ins Schwarze trafen. Zuerst der Hintergrund, vor dem die Handlung spielt: wie weiland mit der Gründung Roms die Geschichte der Römer ihren Anfang nahm, erbauen Trigo und sein Volk Trogopolis (freilich nur auf fünf Hügeln). Und wie auch die Römer etabliert Trigo sein Reich, erweitert es und gewinnt rasant an Einfluss. Dazu kommt die passende Optik: man trägt Toga, Rüstungen und Uniformen erinnern an die der römischen Legionäre. Dem entgegengesetzt steht nun die SF-Komponente: futuristische Gleiter, Nurflügler in Deltaform, beherrschen den Himmel. Es gibt Strahlenwaffen und auch die Fahrzeuge haben nichts mit uns bekanntem, konventionellem Kriegsgerät gemein. Die zweite Kombination ist das Kreativteam. Mit Mike Butterworth schrieb ein versierter, erfahrener Autor die Storys und kam dabei schnell auf den Punkt. Musste er auch, da in England pro Woche nur zwei Seiten der Serie (in den Magazinen Ranger, bzw. Look and Learn) erschienen und er sich keine Längen leisten konnte. So wird die auf der Erde spielende, einleitende Rahmenhandlung in wenigen Seiten geschildert (und bald ganz aufgegeben) und die Geschichten und Episoden kommen sehr kompakt und konzentriert daher. Als Zeichner an Bord war Don Lawrence, der die Serie prägte und vollends unverwechselbar machte. Sein Zeichenstil war –obwohl er sich später immer noch weiterentwickelte – enorm aufwändig. Die Panels wirken größtenteils wie gemalt, der opulente Einsatz kräftiger Farben beeindruckt noch heute. Später, in seinem Storm, sollte Lawrence diese Technik perfektionieren (s.a. das Cover des Bandes) und einen modernen Klassiker unter den SF-Comics schaffen.

Ähnlich wie in Prinz Eisenherz sind Schurken schon durch ihre Optik als solche ‚gebrandmarkt‘ und das Gebaren der Herrschenden, allen voran des blonden, hünenhaften Trigo, brachten der Serie auch Kritiken ein, die ihr faschistische Tendenzen vorwarfen. Panini bringt nun – tatsächlich schon 17 Jahre nach dem letzten Hethke-Band – zum 50. Jubiläum die Neuauflage der nach ‚Dan Dare‘ bekanntesten britischen SF-Serie im Rahmen des neuen Alben-Programms heraus. Ergänzend zu den Comicseiten wartet der Band – ähnlich wie es Splitter auch mit Storm macht – mit erläuternden Texten und Skizzen auf. Da wollen wir den harschen Druckfehler auf der Rückseite des hochwertig aufgemachten Albums mal verzeihen. Band 2 folgt schon im Oktober. (bw)

Trigan, Band 1: Kampf um Elekton
Text: Mike Butterworth
Bilder: Don Lawrence
64 Seiten in Farbe, Hardcover
Panini Verlag
14,99 Euro

ISBN: 978-3-95798-448-7

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