Manara Werkausgabe, Band 14 (Panini) | Comicleser

Manara Werkausgabe, Band 14 (Panini)

März 17, 2015

Manara Werkausgabe, Band 14

Milo Manara (Jahrgang 1945), der allseits verehrte Comic-Meister aus Italien, ist einer der wenigen Zeichner, die in mehreren Welten zu Hause und dort auch akzeptiert sind (weiteres Beispiel: Jean Giraud alias Moebius). Viele kennen ihn durch seine erotisch-pornografischen Comics (‚Außer Kontrolle‘ wurde sogar verfilmt), die gerne auch Altherren-Fantasien bedienen. Dass er die schönsten Frauen zeichnet, ist jedoch unstrittig. Andere schätzen ihn durch seine Autoren-Comics, die in Zusammenarbeit mit solch illustren Weggefährten wie Hugo Pratt (‚Ein indianischer Sommer‘ – einfach genial) und Kult-Regisseur Federico Fellini (‚Die Reise nach Tulum‘) entstanden. Und in seinen Giuseppe Bergmann Alben taucht dann auch noch Marcello Mastroianni auf. Schließlich bedient er auch die Superhelden-Fraktion – in seiner X-Men Story setzte er die X-Frauen typisch verführerisch in Szene und sein Spider-Woman Cover sorgte im prüden Amerika für reichlich Furore.

Die Werkausgabe vereint nun all diese Geschichten aus verschiedenen Welten unter einem Dach und in einem einheitlichen Format. Möglich macht dies die Lizenzübertragung der Manara-Werke an Panini (angenehmer Nebeneffekt: Panini brachte Milo Manara bereits zweimal auf Comicfestivals nach Deutschland). So kann der Verlag jetzt wirklich alles Material bringen, auch wenn es bei uns noch bei anderen Verlagen erhältlich ist (Borgia bei Kult, Giuseppe Bergmann bei Schreiber & Leser). Und mit ‚Jolanda de Almaviva‘, ab 1970 entstanden, erscheint nun erstmals ein Frühwerk in Farbe –nicht ganz in deutscher Erstveröffentlichung, aber seit Anfang/Mitte der Siebziger Jahre bei uns nicht mehr gesehen.

Die Story ist schnell erzählt: die adlige Piratenkönigin Jolanda de Almaviva (deren Aussehen der Schauspielerin Senta Berger entliehen ist, die damals einige italienische Filme drehte – schaut ‚Als die Frauen noch Schwänze hatten‘…) wird entführt. Gemeinsam mit ihrem Liebhaber Jean Lafayette und den nicht näher benannten Zwillingsmädchen sollen sie dem großen Kalla Khan, der despotisch über die Lagunenstadt Tulac herrscht, als Sklaven dienen. Bald wird Jolanda gar als Ehefrau Kalla Khans auserkoren. Dessen rechte Hand ist Modred (sic!), ein übler Bursche mit Stilaugen, der eigene Pläne verfolgt und wiederum in dem Wikinger Boltar einen Schergen unterhält (Prinz Eisenherz lässt ganz offensichtlich grüßen). Aber mit zwei Dingen haben die Schurken nicht gerechnet: mit dem Wagemut und dem Freiheitsdrang der Gefangenen, allen voran Jolandas und der Entschlossenheit der Piraten-Mannschaft um den ‚Italiener‘ und den Chinesen Cian, die sich noch dazu mit Nagar, dem Häuptling der Sumpfmänner, verbünden. Gemeinsam geht es gegen Kalla Khan, Modred und am Ende gegen ganz Tulac. Bis alle Gefangenen befreit und die Schurken bestraft sind. Fortsetzung folgt?

Sex und Gewalt waren typische Stilmittel und Inhalte der Erwachsenen-Fumetti der damaligen Zeit (die Motive etablierten sich auch im zeitgenössischen italienischen Film –Stichwort Mario Bava, der ja auch einen Diabolik-Film drehte) und nahmen mit den Jahren drastisch zu, auf Kosten der jeweiligen Handlung. Wie es sich für ein Frühwerk gehört, sind die Zeichnungen noch unbeholfen und krude, der Lesefluss holprig, was auch der damaligen Fließband-Produktion geschuldet ist (für den Band sind die Panels ummontiert – ursprünglisch erschien die Story als Taschenbuch mit je zwei Panels pro Seite). Ständig wird gefangen, geflohen, gejagt und gerächt. Dazwischen wird verraten und gekämpft. Die Damen agieren vorzugsweise textilfrei und müssen allzeit bereit sein. Ironischerweise sind es dann auch die fast immer nackten Frauen, an denen man den späteren Manara-Stil erahnen kann (ernsthaft, ist so). Neben der Softsex-Komponente wird nicht mit unreflektierter Gewalt gespart. Da werden Schädel gespalten, Hände abgehackt und Augen ausgerissen, was das Zeug hält. Für die Story verantwortlich war u.a. Roberto Renzi, der übrigens zwanzig Jahre zuvor den Tarzan Rip-off Akim erfand, welcher in Deutschland später von Hansrudi Wäscher fortgeführt wurde.

Für Comicleser, die Manara kennenlernen wollen, ist der Band sicher absolut ungeeignet. Manara-Historiker und -Fans dagegen werden ihre helle Freude daran haben, dass diese Abenteuer aus einer anderen Zeit wieder ausgegraben und gleichberechtigt in die Werkausgabe integriert wurden. Der Sekundärteil ist aus dem Original übersetzt und geht folglich ausführlich auf die damalige italienische Comic-Szene ein (viele Namen und Serien sind hierzulande gänzlich unbekannt) und stellt die Hintergründe der Figur der Jolanda vor. Im nächsten Band geht es mit Borgia weiter, geschrieben von Alejandro Jodorowsky. Auch so ein illustrer Weggefährte… (bw)

Manara Werkausgabe, Band 14: Jolanda de Almaviva
Text: Roberto Renzi u.a.
Bilder: Milo Manara
180 Seiten in Farbe, Hardcover
Panini Comics
29,99 Euro

ISBN: 978-3-95798-107-3

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