Zum 75.: Batman Taschenbuch 1 (Ehapa) | Comicleser

Zum 75.: Batman Taschenbuch 1 (Ehapa)

November 26, 2014

Batman Taschenbuch 1 (Ehapa)

Diese Frage brannte sich mir im zarten Alter von 9 Jahren ins Gedächtnis: Wo warst Du, als Batman starb? Atemlos verfolgte ich diese Geschichte, und auch nachdem ich längst auswendig wusste was wer wann sagt, las ich die Story wieder und wieder. Da machte es mir auch gar nichts aus, dass diese wunderbare Geschichte in der wohl ruppigsten Behandlung erschien, die der Ehapa-Verlag seinen Superhelden-Titeln angedeihen ließ: neben den Heften und großformatigen Alben und Superbänden erschienen ab 1978 auch Taschenbuch-Ausgaben der erfolgreichsten Reihen Superman und Batman. Waren schon die Heft-Versionen durchaus lieblos gestaltet (Maschinenlettering, mehr als lose Übersetzung, Sammelmarken, Briefmarkenwerbung, der jeweils ein ganzes Panel zum Opfer fiel, und eine frei erfundene Leserbriefseite), waren die Taschenbücher, von denen bis 1988 immerhin 41 Nummern das Licht der Leserwelt erblickten, der Höhepunkt: minimaler Sprechblasenplatz führte zu diversen Stilblüten, die Zeichnungen waren aufgrund des Formats radikal verkleinert, und zu allem Überfluss lösten sich die Dinger auch noch in ihre Einzelteile auf, wenn sie nicht absolut pfleglich behandelt wurden. So grenzt es an ein Wunder, wenn man heute weitgehend gut erhaltene Exemplare vorfindet, die nicht nur lose-Blatt-Sammlungen bieten.

Und dennoch gehört das Batman Taschenbuch Nummer 1 (das in der Tat in der damals gekauften Ausgabe in meinem Archiv überlebt hat) zu meinen liebsten Erinnerungen an die Zeit, als Batman noch nicht der psychopathische dunkle Ritter, sondern der Mitternachtsdetektiv war. Die Auftaktstory liefert hierzu gleich den besten Beleg: wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht in der Unterwelt, Batman sei ermordet worden. Diesen Ruhm will sich natürlich jeder anheften, und so findet unter der Leitung von Richter Ras al Ghul ein Tribunal statt, in dem Staatsanwalt Doppelgesicht nach und nach Zeugenaussagen aufruft – mit dem verdrehten Ziel, dass die Angeklagten Katze, Mr Sphinx (eine sehr schöne Übersetzung für den Riddler), Lex Luthor und Joker gerne schuldig gesprochen werden wollen. Aber eine Version nach der anderen zerlegt Harvey Dent, beweist in einer verkehrten Welt die Unschuld der Angeklagten – bis nur noch einer übrig ist, dessen Angaben der Wahrheit zu entsprechen scheinen. Dass das alles natürlich nur ein raffiniertes Spiel unseres Helden ist, um herauszufinden, wer einen Batman-Imitator auf dem Gewissen hat, das lieferte damals einen durchaus brauchbaren Twist. In der zweiten Story erleben wir dann Batmans Butler Alfred in heroischem Einsatz, und den Abschluss des Bandes macht mit „Schatten“ eine mehr als gelungene Team-Up-Geschichte, in der sich Superman und Batman mit Klonen herumschlagen müssen, lange bevor das auch ein Netzschwinger tun durfte.

Eines der US-Original Cover

Batman 291: eines der US-Original Cover

Für den Start der Batman-Taschenbuch-Reihe fassten die Ehapa-Macher die US-Batman-Ausgaben 291 bis 294 zusammen, die den Vierteiler „Where Were You The Night Batman Died?“ aus der Feder von David V. Reed enthielten. Reed hatten schon in den 50ern für DC Batman-Titel geschrieben, kehrte von 1975 bis 1978 zurück und brachte dabei ein nostalgisches Flair ins Geschehen – die Katze scharwenzelt mit langem (geschlitzten!) Rock und Peitsche um Batman herum, Mr Sphinx erheitert sich an explodierenden Zigarren, und der Joker residiert mit allerlei Scherzartikeln auf der Ha-Hazienda. Die Zeichnungen lassen Held und Schurken (im Publikum finden sich unter anderem der verrückte Hutmacher, die Vogelscheuche, Signalmann, Mr Frost und Sumpfblüte…) in klassischer Manier erstrahlen, Batman agiert im mehrfarbigen blau/violetten-Kostüm, und die ganze Atmosphäre der Bruce Wayne-Welt erscheint aus heutiger Sicht wie eine Reminiszenz an 70er-Fernsehserien. Auch wenn vollständige Albernheiten (und zumindest in der Hauptstory interessanterweise auch Robin!) fehlen, steht der Duktus doch mehr im Geiste der 60er-Ausgaben als der aufziehenden, dunkleren Helden der 80er Jahre, wie etwa Daredevil, der um diese Zeit erwachsen wurde. Schlechte Übersetzung, kleine Bilder, mieser Kleber, das mag alles sein – aber wer die Möglichkeit hat, auf einer Börse ein halbwegs gutes Exemplar zu erwischen, und wissen möchte, wie die Superhelden in den 70ern trotz aller Unbill in Deutschland zu erleben waren, der sollte zugreifen. (hb)

Batman Taschenbuch 1
Text: David V. Reed, Bob Rozakis, Bob Haney
Bilder: John Calnan, Tex Blaisdell, J. Serpe, Carl Potts, F. McLaughlin, Kurt Schaffenberger
96 Seiten in Farbe, Softcover
Ehapa Verlag
ca. 12 Euro (Zustand 1)

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