Pawnee (Splitter) | Comicleser

Pawnee (Splitter)

Juli 23, 2014

Pawnee (Splitter)

Pawnee ist der Nachfolger von Prugnes Album Frenchman, das vor zwei Jahren ebenfalls bei Splitter erschien. Für das volle Verständnis der Handlung bzw. der Geschichte der handelnden Personen ist es sinnvoll, die Geschehnisse aus Frenchman zu kennen.

Die Handlung spielt im Jahre 1811, acht Jahre später. Alban und sein damaliger Retter Toussaint leben inzwischen bei Indianern. Doch Alban zieht es als gesuchter Mörder wieder in die Heimat, nach Frankreich zu seiner Familie. Er bricht auf und gelangt bald in einen Hinterhalt. Er muss vor pro-britischen Indianern fliehen und stößt dabei auf einen Trupp Milizionäre unter der Führung von Clasford, der unerbittlich gegen Indianer vorgeht und für ein grausames Massaker an Pawnee Indianern am Des Moines River verantwortlich ist. Szenenwechsel: Angèle, Albans Schwester, ist von Frankreich nach Philadelphia gereist, um ihn und Louis, ihren ebenfalls verschollenen Liebsten, zu suchen. Mit einem Halsabschneider namens Mac Leod als Führer (der natürlich Hintergedanken hat), macht sie sich auf den gefährlichen Weg nach Saint-Louis. Von dort erhielt sie Albans letztes Lebenszeichen. Inzwischen wird dessen Miliztruppe stetig dezimiert. Ein unbekannter Indianer – ein vermeintlicher Überlebender des Des Moines River-Massakers? – scheint unerbittlich Rache zu nehmen. Es kommt zu einer schicksalhaften Begegnung zwischen Alban und dem Unbekannten, bei der letztendlich auch Angèle eine Rolle spielt.

Eine perfekt konstruierte Geschichte mit den (allen?) Hauptpersonen aus Frenchman. Scheinbar voneinander unabhängige Handlungsmotive offenbaren nach und nach ihre Querverbindungen, um am Ende zusammenzutreffen. Dabei werden die Indianer erfreulich nuanciert dargestellt – nicht nur zeichnerisch. Teilweise paktieren sie mit den Engländern, um gegen den noch jungen amerikanischen Staat zu kämpfen („den weißen Großvater erzittern lassen“), oder versuchen weiter in Frieden und im Einklang mit der Natur zu leben. Sie dulden die Weißen und nehmen sie sogar bei sich auf, wie Alban und Toussaint. Dann sind da natürlich die Indianerhasser wie Clasford und seine Kumpanen, die bald gegen ein Phantom kämpfen. Eine beeindruckende landschaftliche Kulisse bilden die tiefen Wälder und endlosen Prärien. Das und das Portrait der Zeit, als es den Wilden Westen noch nicht gab, als sich die USA erst formen, lassen eine Atmosphäre entstehen, wie wir sie aus Coopers Lederstrumpf kennen: Engländer und Franzosen tummeln sich im Land, Gewehre heißen Musketen, man trägt Dreispitze, Saloons heißen Tavernen und europäischer Adel hat noch Gewicht.

Und zeichnerisch? Wie schon in Frenchman oder davon in Canoe Bay brilliert Patrick Prugne mit direkt kolorierten Bildern, die durchaus farbenfroh, aber nie grell bunt sondern dezent daherkommen. Feine Aquarell-Farbtöne. Er zeichnet nicht mit Tusche, sondern mit Farbe. Das beeindruckt und erzeugt eine massive Atmosphäre, ohne an Details zu sparen: das Aussehen der Indianer, deren Kleidung und Waffen, das Grün der Wälder und Wiesen, das eher sanft als kräftig ist. Ein Album, das gleichermaßen ein Lese- und Sehgenuss ist. Wie gehabt schließt an die Story ein ausführlicher Skizzen- und Bilderteil an (immerhin 30 Seiten!), mit teilweise ganzseiteigen Zeichnungen und flüchtigen Entwürfen, die das große Talent Prugnes zeigen. Dazu handschriftliche Bemerkungen des Zeichners, die für die deutschen Leser auch übersetzt wurden. (bw)

Pawnee
Text & Bilder: Patrick Prugne
104 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
22,80 Euro

ISBN: 978-3-86869-656-1

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