
Etwa so groß wie eine Billardkugel. Nur reich verziert mit seltsamen Ornamenten und mit einer noch unbekannten, vermeintlich mächtigen Kraft, die ihm innewohnt: Das ist das Heliogon, vielleicht die letzte Hoffnung des Herzogtums Kamarg, gegen die Übermacht der granbretanischen Eroberungstruppen zu bestehen. Aber der Reihe nach: zum Finale des letzten Bandes wurde Dorian Hawkmoon, Herzog von Köln, von seinem Erzfeind Meliadus gefangen genommen. Mit ihm sein Mitstreiter Oladhan, sowie Yisselda, die seitdem im Koma liegt.
Nun fliegt Meliadus mit seinen drei Gefangenen zurück Richtung Kamarg. Dort steht besagte Übermacht bereit, die bereits dezimierten Verteidiger zu überrennen. Dabei lässt Meliadus seinem Sadismus freien Lauf: Hawkmoon soll sich das Gemetzel gefangen und gefesselt live ansehen. Doch natürlich kommt es anders. Mit fremder Hilfe gelingt Hawkmoon die Flucht, woraufhin er sich den desillusionierten Verteidigern anschließt. Mit besagtem Heliogon…
Wir erinnern uns: Das Juwel auf Hawkmoons Stirn ist noch deaktiviert, magisch gebannt, weshalb der Herzog noch nicht wieder dem Willen der Granbretanier unterworfen ist. Seine Reise nach Persien, um das Juwel endgültig loszuwerden, endete jäh. Dafür fand er in der Ruinenstadt Soryandum das mysteriöse Heliogon. Und schließlich die verhexte Yisselda, gegen die er kämpfen musste und die seitdem in einer Art Koma gefangen ist.
Nun steht es schlecht um die Verteidiger, die den granbretanischen Invasionstruppen, die den ganzen Kontinent mit Tod und Vernichtung überziehen, nichts mehr entgegen zu setzen haben. Mit dem Heliogon zieht Hawkmoon ein letztes vermeintliches Ass aus dem Ärmel, freilich ohne zu wissen, was es bewirkt und wie es überhaupt funktioniert. Aber was hat man schon zu verlieren, außer Land und Leben? Die (Aus)Wirkung des Objekts sind dann auch erstaunlich, ohne hier spoilern zu wollen.
Mit diesem Band ist die Geschichte um Dorian Hawkmoon, den Herzog von Köln, beendet. Zumindest vorerst. Denn es wäre schade, würde hier nichts mehr kommen. Dann blieben Fragen ungeklärt und wichtige Ereignisse unbehandelt. Die Geschichte ist eine Adaption der „Runenstab-Saga“ des bekannten Fantasy-Autor Michael Moorcock (der auch Elric erdacht hat) und das alternative, originelle Setting voller Anachronismen und Fantasy-Elementen weiß zu gefallen.
Was auch dem Zeichen-Team um Benoît Dellac (u.a. „Nottingham“, „Sonora“) zu verdanken ist. Atmosphärisch dichte Szenen im Dauerregen wechseln sich ab mit ausladenden Panels, die die belagerte Stadt oder die futuristisch anmutendes Kriegsgerät zeigen. Später, nach dem Einsatz des Heliogons, kommt auch noch eine veränderte Farbpalette hinzu, die eine außergewöhnliche wie überraschende Entwicklung illustriert. Wie gesagt: so richtig beendet ist hier eigentlich noch nix. (bw)
Hawkmoon, Band 4: Das Geheimnis der Runen
Text & Story: Jérôme Le Gris, nach Michael Moorcock
Bilder: Benoît Dellac, Luca Bulgheroni, Greg Lofé
56 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
18 Euro
ISBN: 978-3-68950-036-8