Nova, Band 1 (Panini) | Comicleser

Nova, Band 1 (Panini)

Februar 28, 2014

Nova, Band 1

Stell dir vor, nachts kommen ein sprechender Waschbär und eine leicht bekleidete grüne Kriegerin in Dein Zimmer. Schon mal nicht schlecht, wenn Du in Carefree wohnst, in der Mitte von Nirgendwo, da wo es selbst der sprichwörtliche Hund rigoros abgelehnt hat begraben zu werden. Und dann erzählen Dir diese kuriosen Gestalten auch noch, Dein kürzlich verschwundener Vater sei in Wahrheit ein cooler galaktischer Held gewesen – was Du dem alten Trunkenbold natürlich nie abgenommen hast -, lassen Dir seinen Helm da, den du dann irgendwann aufsetzt – und pronto: Du verwandelst Dich in den himmelsstürmenden Nova, der die Erde mal kurz vor einer gewaltigen Invasion retten muss.

Klingt komisch? Ist aber so, zumindest für den jungen Sam Alexander, der in dieser schmissigen, aufgefrischten Origin-Story die Bekanntschaft von zumindest zwei der galaktischen Streifenpolizisten Guardians Of The Galaxy macht (die demnächst die Kinoleinwand bevölkern werden) und mit der grünen Gamora und dem permanent misslaunigen Rocket Raccoon loszieht, um die Invasion der Chitauri abzuwehren. Die wollen die Erde schon mal prophylaktisch in Schutt und Asche legen, damit der nächste Angreifer nicht wieder am Widerstand der depperten Sterblichen scheitert. Dafür haben sie sich den ultimativen Destruktor (nicht zu verwechseln mit dem legendären Stupiditätsakzelerator) unter den Nagel gerissen, mit Hilfe dessen weiland schon die Fantastischen Vier den grimmen Galactus in die Flucht schlugen, wobei der dabei seinen glitzerigen Herold zurückließ. Dieses putzige Gerät setzt Titus, der ehemalige „Supernova“-Kumpel von Sams Vater, nun gegen seine Freunde ein, wobei er jedoch nicht mit der Keckheit des ungestümen, jungen Nova gerechnet hat – der bei der Gelegenheit auch noch erfährt, dass sein Paps keineswegs der Feigling war, als der er bezichtigt wird, sondern vielmehr ein guter Vater, der auch keineswegs tot ist, sondern auf seine Befreiung hofft…

Innigster Wunschtraum eines jeden Powernerds dürfte sein, dass er/sie (wobei das ja meistens „ers“ sind) auf irgendwelchen verschlungenen Pfaden zu just den heroischen Gestalten mutieren, denen sie in Filmen, Konsolengames und natürlich nicht zuletzt Comics nacheifern. Aus eben diesem Grunde führte man in die bunten Bildgeschichten schon bald zumeist im Teenageralter befindliche Sidekicks ein (Robin, Bucky, Speedy, Kid Flash, Superboy – noch mehr Beispiele gefällig?), was sich in den jugendfreien 50ern und 60ern auf Jugendausgaben ganzer Heldenteams ausweitete (Superfreunde, Young Titans – und natürlich die Teenage Mutant Ninja Turtles. Letztere gehören ernsthafterweise natürlich hier nicht her.). Diese „Kleinausgaben“ der erwachsenen Helden schufen nicht nur eine Identifikationsfigur, sondern machten das Superheldendasein weniger mythisch, irgendwie erreichbar und schlichtweg menschlicher.

Auch Richard Rider, Mitte der 70er erdacht von Marv Wolfman und John Buscema, mischte als Highschoolschüler mit plötzlichen Superkräften das intergalaktische Nova Corps mächtig auf, gab dabei eine Mischung aus Spiderman und Green Lantern ab und segnete irgendwann höchst heroisch das Zeitliche. Im Rahmen der Marvel Now!-Serie injizieren Jeph Loeb und Ed McGuinness diese Figur nun mit neuem Leben, indem sie die Fackel vom neuen Nova auf seinen Sohn  Sam Alexander übertragen, der sich nicht nur mit Aliens und Invasoren, sondern vor allem auch mit seinen Zweifeln an seinem Vater herumschlagen muss. Eingeführt wurde dieser jugendliche Nova schon im Epos Avengers vs. X-Men, was dem diebischen Lesevergnügen der vorliegenden Zusammenstellung (enthält die US-Ausgaben Nova 1-5 von 2013) in keinster Weise Abbruch tut: in einer wohldosierten Mischung aus Action, Humor und psychologischer Unterlegung bieten Loeb und McGuinness beste Kost für alle, die Team-Ups, Lanterncorps, Gerechtigkeitsligen und andere Phänomene der 70er schätzen – vor allem, wenn sie so gekonnt in die Gegenwart geholt werden. (hb)

Nova, Band 1 (Panini)
Text: Jeph Loeb
Bilder: Ed McGuinness
124 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
14,99 Euro

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