Spider-Man Noir (Panini) | Comicleser

Spider-Man Noir (Panini)

Juni 1, 2021

Manhattan, am Vorabend des Zweiten Weltkriegs. Auf das Black Cat, dem Nachtclub Felicia Hardys, wurde ein Anschlag verübt. Eines der Opfer ist die Bardame Holly Babson, die Peter Parker, alias Spider-Man, kannte. Bei der Leiche findet er eine Brosche in Form einer Zikade. Wertvoll und uralt. Und seine einzige Spur. Die führt ihn ins Met-Museum zu einer Babylon Ausstellung und zur jungen Deutschen Archäologin Dr. Huma Bergmann. Huma vermisst ihren Chef, den Ausstellungs-Kurator, der nicht aus Berlin angereist ist und identifiziert das Schmuckstück als den Zikadenstein aus dem 7. Jahrhundert, gefunden bei einer Ausgrabung im antiken Uruk in Mesopotamien. Um dem Geheimnis des Steins auf den Grund zu gehen, der offenbar auch Begehrlichkeiten weckt, und um damit den Mord an Holly aufzuklären, reist Peter schließlich über London und Sizilien nach Berlin, nur um auf der Museumsinsel einen uns altbekannten Feind zu treffen. Doch ist die Hauptstadt von Nazi-Deutschland noch lange nicht das Ende der Reise…

Den ersten Band mit der Noir-Variante des Netzschwingers veröffentlichte Panini bereits 2010. Inzwischen ist die Figur bereits zu Filmehren gekommen – im Animationsstreifen „Spider-Man: A New Universe“ von 2018 spielt sie, wie etliche andere Spider-Man Multiverse Varianten eine Rolle. Im vergangenen Jahr brachte Marvel eine neue Miniserie heraus, die nun in diesem Band gesammelt vorliegt, wobei der deutsche Untertitel geschickt eine aktuell angesagte wie erfolgreiche TV-Serie triggert. Der argentinische Zeichner Juan Ferreyra (mit dem wir schon ein Interview führen konnten) verzichtet bei seiner Version auf bunte Bilder und passt seinen Stil ganz dem Noir-Genre an, dessen Optik seinerzeit durch einschlägige Kinofilme geprägt wurde. Ferreyra bentzt nur hie und da einige rote Farbtupfer oder Passagen, ansonsten bleibt er Sepia- und Schwarz-Weiß-Tönen treu, was sich atmosphärisch mehr als bezahlt macht, auch wenn die eine oder andere Mimik etwas schief geraten ist. Seitenaufteilungen, wie der komplette Schnitt durch ein Gebäude, in dem sich die Personen nach und nach bewegen, sind innovativ und ideenreich.

In der Story bleibt Autorin Margaret Stohl weniger homogen, was die Noir-Elemente betrifft. Was zu Beginn nach einer typischen Krimihandlung klingt, weitet sich bald zu einem waschechten Abenteuer aus, das Peter und die fesche Huma erst quer durch Europa und dann bis in den Irak führt. Ganz nach Indiana-Jones-Art pulpig durchzogen von actionreichen, gefährlichen Passagen, auch hier natürlich gerne angereichert mit Nazis. An antiker Stelle entfaltet sich dann das Finale, nachdem die Charaktere nach und nach die Maske fallen ließen und sich diverse gelungene Überraschungen ergaben. Dann kommt Fantasy ins Spiel, gepaart mit dem beinahe obligatorischen Weltbeherrschungs-Motiv, was die Story dann gegen Ende überfrachtet. Schön ist, dass Stohl hier nicht versucht, auf Teufel komm raus bekannte Figuren in neuen Variationen unterzubringen. Stattdessen wählt sie einige aus, die Peter (der übrigens gerne Gebrauch von seiner Waffe macht und auch über Leichen geht) als Weggefährten zur Seite stehen. Passend zur Kategorie: Mal was anderes. (bw)

Spider-Man Noir : Berlin bis Babylon
Text: Margaret Stohl
Bilder: Juan Ferreyra
124 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
15 Euro

ISBN: 978-3-7416-2195-6

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