Asterix uff Meefränggisch, Band 6 (Egmont) | Comicleser

Asterix uff Meefränggisch, Band 6 (Egmont)

April 29, 2021
Asterix uff Meefranggisch, Band 6: Asterix un di Schbessarträuber (Egmont Comic Collection)

Comics, die in einem der vielen deutschen Dialekte verfasst sind, bieten für den, der die jeweilige Mundart beherrscht, das meist diebische Vergnügen, bekannte (oder auch neue) Geschichten unter einem heimischen Blickwinkel zu betrachten und zu lesen. Und obendrein freut sich der Verlag über die ideale Gelegenheit zu einer gewinnbringenden Zweitverwertung des jeweiligen Materials. Immer wieder poppt so eine Mundart-Variante in den allgemeinen Comic-Veröffentlichungen auf: Ob Lustige Taschenbücher bei Disney/Ehapa, die Simpsons auf schwäbisch, die Tim und Struppi Dialektausgabe, oder – auch mal kurios – die Evil Ernie Badisch Edischn. Und demnächst erscheinen bei Splitter/Toonfish die Schlümpfe auf Hessisch. Nicht alle dieser Versuche sind oder waren erfolgreich, so blieb der Tim und Struppi Versuchsballon bei genau einer Ausgabe. Absoluter und unangefochtener Primus, was Mundart Titel betrifft, ist natürlich Asterix.

Über 30 Dialekte sind inzwischen im Programm der Egmont Comic Collection vorrätig. Die Mundart Reihe startete 1995 mit einer schwäbischen Version von „Der große Graben“, der aktuelle Band ist bereits die Nummer 83. Und schon der sechste auf Meefränggisch (Unterfränkisch). Der erste davon erschien 2003, der bisher letzte vor vier Jahren. Mit etwa 110.000 verkauften Exemplaren bilden die meefränggischen Ausgaben übrigens die erfolgreichste Reihe innerhalb der Asterix-Mundartserie. Für den neuen Band haben sich die „Übersetzer“ Kai Fraass und Gunther Schunk ein besonderes Asterix-Abenteuer ausgesucht. Denn „Asterix bei den Belgiern“, erstmals 1979 bei uns erschienen, ist der letzte Band der Reihe, der von dem genialen Autor René Goscinny vor dessen frühen Tod geschrieben wurde. Danach machte Zeichner Albert Uderzo alleine weiter. Die Original-Story ist bekannt: Unseren Galliern kommt zu Ohren, dass Julius Cäsar persönlich verlauten lässt, die Belgier seien die Tapfersten aller Gallier. Was Asterix & Co. natürlich so nicht hinnehmen können und die Angelegenheit direkt vor Ort klären wollen…

Ein großes Plus der Mundart-Bände ist, dass diese nicht nur einfach in den jeweiligen Dialekt übersetzt werden. Man „stülpt“ den Zeichnungen auch eine alternative Handlung über und verortet so die neu entstandene Geschichte in dem jeweiligen Mundart-Gebiet, samt lokaler kultureller Eigenarten. Folglich wird hier aus dem gallischen Dorf Wördsburch, der Zaubertrank zum Mädschigg-Schobbe (was zugegebenermaßen auch Hessisch sein könnte), aus Julius Cäsar wird Södrus Maximus und aus den Belgiern werden nun natürlich die Spessarträuber. Der folgende Wettstreit besteht aus Verschwardungen der Römerlager (= verdammte Besatzer) und selbst der Grund des seltsam waldfreien Spessarts kommt zur Sprache und wird hinreichend erklärt. Dazu bringen Fraas und Schunk den ein oder anderen lokalen Gag, wie beispielsweise den Seitenhieb auf die ewigen Bauarbeiten an der A3. Und als Wirtshaus im Spessart wird natürlich das berühmte von Uderzo „adaptierte“ Gemälde „Die Bauernhochzeit“ von Pieter Bruegel dem Älteren umgewidmet. Fazit: Wieder ein großer Spaß, wenn auch in erster Linie nur für alle in und um Wördsburch. Aber das hat die Reihe eben so an sich. (bw)

Asterix uff Meefranggisch, Band 6: Asterix un di Schbessarträuber
Text: René Goscinny
Bilder: Albert Uderzo
Mundart-Übersetzung: Kai Fraass, Gunther Schunk
48 Seiten in Farbe, Hardcover
Egmont Comic Collection
14 Euro

ISBN: 978-3-7704-0103-1

Tags: , , , , , , , , , , , , , ,

Comments are closed.