Logan: Schwarz, Weiß & Blut (Panini) | Comicleser

Logan: Schwarz, Weiß & Blut (Panini)

Oktober 8, 2026
Logan: Schwarz, Weiß & Blut (Panini Comics)

Hatten wir das nicht schon mal? Ist das eine Neuauflage? Nein und nein. Denn es gibt hier einen feinen Unterschied. Der 2021 erschienene und bereits vergriffene Band (siehe Cover unten rechts) der inzwischen beliebten und verlagsübergreifenden Reihe (Marvel, DC) war Wolverine gewidmet, wohingegen der jetzige „Logan“ im Titel trägt, sozusagen das private Ich des X-Man. Somit bringt Panini hier neue Geschichten, in denen Logan ohne sein Wolverine Kostüm agiert, und/oder aus der Zeit bevor er zum Superhelden wurde. Übrigens auch ganz ohne namhafte Superschurken. Zwölf Storys sind in dem wie immer überformatigen Band vereint und damit die kompletten vier Hefte von „Logan: Black, White & Blood“, die in diesem Jahr bei Marvel USA erschienen.

Das Prinzip und die Charakteristiken der Anthologie-Reihe sind bekannt: Verschiedene Kreativteams, bekannte und weniger bekannte, sind hier am Werk, was unterschiedliche Zeichenstile und Geschichten generiert, die eines gemeinsam haben: Sie sind in Schwarz-Weiß gezeichnet, mit der Farbe Rot als einzigen Farbtupfer, die auch für Blut und Gewalt steht, aber bei weitem nicht nur, wie hier beispielsweise Adam Kubert mit seinen Panels mit roter Neon Reklame beweist, die seine Story einleiten und beenden. Die hier vereinten Episoden decken einen langen Zeitraum ab, beginnen im Jahr 1913 und reichen bis (fast) in die Gegenwart und dann auch noch in die ferne Zukunft. Vorhang auf:

Im Koreakrieg kämpft Logan 1951 in einem kanadischen Regiment (das es wirklich gibt) gegen die Kommunisten. Sein Trupp wird jedoch niedergemetzelt, seine Selbstheilungskräfte retten ihn. Natürlich sinnt er auf Rache, erlebt bei der Verfolgung aber eine faustdicke und hoch gefährliche Überraschung… New York, 1970er Jahre: Manhattan ist alles andere als ein sicherer Wohlfühlort. In dem Milieu stößt Logan auf eine Mordserie, für die sich die Polizei nicht zu interessieren scheint. In einem Schmuddelkino stellt Logan den Täter. Es folgt wieder ein nettes kleines Blutbad, dem Adam Kubert eine ganze Seite widmet. Schöner Story-Aufbau mit eben jener Neon-Reklame. Nun kommt ein Routinier zum Zuge: Autor Larry Hama lässt Logan nach dem Waffe X Experiment nackt und kaum menschlich durch die verschneite Wildnis von Saskatchewan stapfen, fein gezeichnet von Dave Wachter.

Im Jahr 1919, kurz nach dem Krieg, will Logan nur seine Ruhe haben und lebt in den kanadischen Wäldern an der Grenze zu Minnesota. Dort stößt er auf ein Massaker: auf der einen Seite tote Mounties, auf der anderen tote Alkohol Schmuggler (die Kanadier waren mit ihrer Prohibition tatsächlich eher als die Amis), wobei Logan sprichwörtlich auf den Geschmack kommt – Stichwort Kentucky Bourbon… In den 1930ern heuert Logan auf einem Schiff an, das illegale Immigranten von Madripoor nach Amerika bringt. Dort trifft er auf seltsame Todesfälle und zwei erstaunliche junge Damen… Die jüngere Vergangenheit: Logan und Special Agent Carol Danvers – später bekanntlich Captain Marvel – sollen einen Sektenführer namens Elijah dingfest machen, der sich als Gestaltwandler entpuppt. Mit einem fast zu erwarteten Twist am Schluss.

Wieder die 30er Jahre, diesmal in den Great Plains. Logan bewirtschaftet das karge Land einer Farm und freundet sich mit einem Nachbar an, muss sich aber auch mit Typen herumschlagen, die die Gegend terrorisieren. Wieder ein Logan, der unterschätzt wird, wieder eine Rachegeschichte, etwas sprunghaft erzählt. Erneut New York, diesmal die 1960er Jahre. Logan versucht, ein rassistisches Attentat in einer Baptisten-Kirche zu verhindern. Nur in welcher? Eine gradlinig wie kompakte Episode. Jetzt befinden wir uns in Hollywood im Jahr 1982. Ein kriegsversehrter alter Freund von Logan bittet ihm um Hilfe, weil seine Tochter verschwunden ist, seit sie in einer privaten Anstalt als Versuchsperson für neue Medikamente anheuerte. Logan deckt die dunklen Machenschaften auf, natürlich wenig zimperlich. Locker elegant von Phil Noto geschrieben und gezeichnet.

Wir springen weit zurück ins Jahr 1913, ins verschneite Quebec. Dort verschwinden Kinder spurlos. Ist der berüchtigte Bonhomme Nocturne, der Mann der Nacht, daran schuld? Aus einem Schneesturm heraus taucht Logan auf – und wird natürlich als Täter verdächtigt… Ein weiteres zeichnerisches Highlight des Bandes ist die Story von Giuseppe Camuncoli, die in jüngerer Zeit spielt. In Madripoor trifft Logan, der dort als Patch bekannt ist, auf Mystique. Schuld daran ist eine gefährliche Maske… Abschließend dann ein skurriler Ausblick in eine ferne, kalte Zukunft, mit Aliens, einer verlassenen Erde und einem gewissen Überlebenden.

Bei den unterschiedlichsten Zeichenstilen, die jedoch sämtlich realistisch daherkommen, ist kein Ausfall zu verzeichnen. Durch die großformatige, hochwertige Präsentation und das Glanzpapier kommen die Zeichnungen bestens zur Geltung, wobei schon alleine das Cover von Alex Maleev beeindruckt. Zum Schluss zeigt der Band noch die Original-Cover und deren Variants. Und am Ende werden Autoren und Zeichner kurz vorgestellt. Wer an den bisherigen „Schwarz, Weiß & Blut“ bzw. „Schwarz, Weiß & Rot“ Bänden seinen Spaß hatte, kann auch hier bedenkenlos zugreifen. (bw)

Logan: Schwarz, Weiß & Blut
Text & Story: Tom Waltz, Saladin Ahmed, Larry Hama,
Benjamin Percy, Mirka Andolfo, Frank Tieri, Marc Bernadin,
Phil Noto, Ethan Sacks, Giuseppe Camuncoli,
Phillip Kennedy Johnson, Karla Pacheco
Bilder: Alex Lins, Adam Kubert, Dave Wachter, Robert Gill,
Mirka Andolfo, Rafaele Lenco, Jan Bazaldua, Daniel Picciotto,
Phil Noto, Garry Brown, Andres Mossa, Pere Perez,
Giuseppe Camuncoli, Piotr Kowalski
136 Seiten in Schwarz, Weiß & Rot, Hardcover
Panini Comics
26 Euro

ISBN: 978-3-7416-5044-4

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