Die Duellantin, Band 1 (Splitter) | Comicleser

Die Duellantin, Band 1 (Splitter)

Mai 22, 2026
Die Duellantin, Band 1: Spitze und Finten (Splitter Verlag)

Frankreich, 1749: der berühmt-berüchtigte Baron Guillaume de Valmy gilt als König der Duelle, der reihenweise Herausforderer aus dem Weg räumt. Als seine Begleitung sich in der Oper unziemlich beobachtet fühlt, fordert er den bürgerlichen Bernard Feuillet heraus, der beim Aufeinandertreffen den Tod findet – vor den Augen seiner Tochter Francoise, die mit ihrer Schwester Louise allein zurückbleibt. Fünf Jahre später taucht in Paris ein eher damenhaft aussehender angeblicher Jüngling auf, der bei Fechtmeister Silvano Sargari Unterricht nehmen möchte. Der dilettiert mittlerweile aber lieber als Künstler, der die vollkommene weibliche Form – gerne mit leichten Mädchen als Modell – sucht. Als der junge Besucher aber insistiert, lässt Sargari „ihn“ auf dem Dachboden wohnen und mit seinem Schützling Abel Lepage trainieren.

Indessen frönt Baron de Valmy weiter seinen beiden Leidenschaften, dem Duell und der Damenwelt, die er mit der verheirateten Helene weidlich auskostet, was ihm seine eigene Ehefrau nicht weiter übelnimmt, die sich selbst gerne aushäusig vergnügt. Als Guillaume die junge Angelique bei Hofe einführen soll, stellt sich heraus, dass seine Frau Charlotte seinerzeit aus Mitleid die junge Louise als Zofe aufnahm, ohne dass Louise wusste, bei dem sie da tätig ist. Salgari, der das ganze Spiel längst durchschaut hat, schreibt Louise einen Brief mit der brisanten Enthüllung: sein neuester Zögling ist keinesfalls ein Jüngling, sondern natürlich Francoise, die auf Rache am Mörder ihres Vaters sinnt. Durchaus unüberlegt und verfrüht tritt Francoise dann tatsächlich ihrem Widersacher entgegen…

Nach der Gladiatoren-Saga „Thrax“ legt Francesco Trifogli alias Trif den nächsten Historienwurf vor, bei dem sich wieder vor einem detailreich gestalteten geschichtlichen Hintergrund menschliche Dramen ausbreiten, die mit einer gehörigen Prise Erotik gewürzt sind. Was in „Thrax“ die dekadenten Römer waren, die sich an Arena-Kämpfen ergötzen und ihre Intrigen spinnen, das ist hier die Hofgesellschaft von Versailles, in der lose Sitten und extremer Standesdünkel herrschen. Affären sind an der Tagesordnung, Angelique wird von einer Dienerin in die handfesten Künste der Liebe eingeführt, auch Salgari ist kein Kostverächter, und Francois muss sich verkleiden, um überhaupt Fechtunterricht nehmen zu können.

Das Grundmotiv der Dame, die in Männerkleidung soziale Konventionen umgehen muss, das kennen wir als Leitmotiv der Literatur und zentralen Komplex diverser Shakespeare-Stücke von „As You Like It“ bis hin zu „Twelfth Night“ – wobei Trif hier seiner Francois die sozialkritische Note direkt in den Mund legt: „Ich bin für den dritten Stand!“ (Ja, die drei Stände, die können wir nach eindringlicher Berichtigung durch unseren Geschichtslehrer nach allen Jahren immer noch sogar in der richtigen Reihenfolge aufsagen: Klerus-Adel-Bürgertum). Die titelgebende „Duellantin“ ruft weiterhin den Kontext des Ridley Scott-Leinwand-Debuts „The Duellists“ auf, während mit einem kleinen Verweis auf einen gewissen D’Artagnan auch in feinem Anachronismus noch Dumas‘ „Drei Musketiere“ vorbeischauen, die zwar erst 1844 erschienen, aber 1625 spielen.

Zeichnerisch gewohnt virtuos, mit akribischem Detail bei Mantel und auch Degen, mit großformatigen, dynamischen Ansichten der Gefechte, sowohl derer mit Degen als auch derer mit angenehmerem Hintergrund, wie wir das von Trif kennen und schätzen. Band 2, „Korsett und Konter“, ist schon für Anfang September in Vorbereitung. Und jetzt legen wir nochmal Iron Maidens Sternstunde „Powerslave“ auf, wo sich ja auch „The Duellists“ virtuos umkreisen. (hb)

Die Duellantin, Band 1: Spitze und Finten
Text & Story: Francesco Trifogli
Bilder: Francesco Trifogli, Andrea Celestini
64 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
19,80 Euro

ISBN: 978-3-68950-161-7

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