Jerry Spring, Band 11 (All Verlag) | Comicleser

Jerry Spring, Band 11 (All Verlag)

August 4, 2026
Jerry Spring, Band 11: Der Weg nach Coronado (All Verlag)

Mitten in der der Nacht in der einsamen Gegend von Coronado werden Jerry und Pancho Zeugen eines Mordes. Während der Täter in die Dunkelheit entkommt, kann sein Opfer, wie sich bald herausstellt der alte Häuptling der Yaqui, noch letzte Worte flüstern, die von einer „Nachricht der Spanier“ handeln (im Gegensatz zu Jerry und Pancho wissen wir Leser bereits mehr, da wir den zweiseitigen Prolog kennen). Ein Hauptverdächtiger ist mit dem Ranchbesitzer Coleman schnell festgemacht, auch mit Hilfe der Yaqui, die die Mordwaffe gefunden haben. Die Beweise scheinen so klar wie erdrückend, dennoch behauptet Coleman stur, nicht der Täter zu sein. Als man Coleman in seiner Zelle erschießen will, taucht der arrogante wie zwiespältige Barbesitzer Spindell auf und gerät ins Visier von Jerry und Pancho…

Zwischen all dem passiert natürlich noch viel mehr. Die Yaqui wollen Coleman selbst richten. Um ihn zu „retten“, muss Pancho zuerst Jerry befreien, danach gemeinsam mit Jerry in einer spektakulären Aktion Coleman. Dazwischen setzt Autor Philip (dahinter verbirgt sich Jijés Sohn Philippe Gillain) auch gerne auflockernde, lustige Szenen, für die natürlich in erster Linie Pancho verantwortlich ist (die Episode beim Schneider, die später nochmals aufgegriffen wird) und balanciert die Story, gewürzt mit einem Krimi-Touch damit bestens aus. Originell ist auch Jijés Bildsprache: Wieder einmal atmosphärisch dicht sind die Szenen, die in der Nacht spielen. Mit viel Tuscheeinsatz, oder die Schlägerei mit den beiden Handlangern von Spindell, die komplett außerhalb der Panels stattfindet.

Apropos Tusche: bei seinen Zeichnungen ließ sich Jijé von einem prominenten Namen unterstützen, der hier noch ganz am Anfang seiner Karriere stand. Jean Giraud besorgte die Tuschezeichnungen für seinen Lehrmeister und sollte nur zwei Jahre später gemeinsam mit Jean-Michel Charlier eine eigene Western-Serie veröffentlichen, die anfangs noch „Fort Navajo“ hieß, die dann aber schnell aufgrund ihrer schillernden Hauptfigur in „Leutnant Blueberry“ umbenannt wurde (der Yaqui namens Kleiner Kaktus sieht dem späteren Blueberry-Schurken Quanah schon sehr ähnlich, samt gelbem Halstuch und blauer Jacke).

Nachdem der Mordfall aufgrund eines Geständnisses aufgeklärt wird und beide Seiten – die Yaqui wie auch die Weißen – im Prinzip zufrieden sind, bekommen wir noch einen Nachschlag, der die eingangs erwähnte Nachricht der Spanier zum Inhalt macht. Dazu führt Autor Philip kurzerhand zwei neue Charaktere ein und klärt auch diesen Handlungsstrang komplett auf. Die Geschichte, das elfte Abenteuer mit Jerry Spring, im Original „La route de Coronado“, debütierte im Februar 1961 im Spirou Magazin. Bei uns dann zehn Jahre später als Heft 9 der Bastei Reihe (das Cover ist in dem Band abgebildet) und 1990 dann als Album im Carlsen Verlag. 2011 folgte eine Ausgabe in Schwarz-Weiß in Band 3 der Jerry Spring Gesamtausgabe bei Ehapa. Dies ist also nun die vierte Veröffentlichung in Deutschland.

Der Sekundärpart stammt von Bernd Weckwert, der auch die umfassende Chronik des Koralle Zack verantwortete. Hier zeigt er die schwierige Lage des Spirou Magazins während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg auf und welche Rolle Jijé dabei spielte. Das berühmte Puppentheater Farfadet wird behandelt, das wir aus Émile Bravos Spirou-Geschichten kennen, und das zuletzt im zweiten Band von „Die Freunde von Spirou“ eine Rolle spielt. Natürlich bietet der Band auch zahlreiche zeitgenössische Abbildungen, wie frühe Jijé Werke. Und als Bonus gibt es ein Werbecomic um den berühmten Rennfahrer Juan-Manuel Fangio. Der Band ist wie üblich beim All-Verlag auch wieder in einer auf 111 Exemplare limitierten Vorzugsausgabe mit Schutzumschlag und Exlibris erhältlich. Mehr zum gleichzeitig erschienen Band 12 folgt demnächst. (bw)

Jerry Spring, Band 11: Der Weg nach Coronado
Text & Story: Philip
Bilder: Jijé, Jean Giraud
64 Seiten in Farbe, Hardcover
All Verlag
17,80 Euro

ISBN: 978-3-96804-392-0

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