Die Freunde von Spirou, Band 2 (Carlsen) | Comicleser

Die Freunde von Spirou, Band 2 (Carlsen)

März 23, 2026
Die Freunde von Spirou, Band 2: Ein Freund von Spirou 
ist mutig und weiß, wann er Ja oder Nein sagen muss...
(Carlsen Comics)

Oktober 1943. Ein unangekündigtes deutsches U-Boot läuft in den Stützpunkt von Lorient ein, offenbar mit einer brisanten Fracht in einer großen Holzkiste, die unverzüglich nach Berlin gebracht werden soll. Szenenwechsel: Charleroi in Belgien. Wir steigen wieder ein die wüste Keilerei zwischen den „Freunden von Spirou“ und den faschistischen Rexisten. Dabei wird Miche alias Spirouette verletzt – wie schwer wissen ihre Freunde nicht, da das Mädchen plötzlich verschwunden ist. Derweil hängt Paolo/Tondu an dem Werbezeppelin und treibt Richtung Kohlebergwerk von Bois du Cazier. Bei der Verfolgung Tondus bricht vollends Chaos aus, denn man stößt auf ebenjenen Transport aus Lorient, wobei die besagte Holzkiste zerstört wird und dessen Inhalt fliehen kann, während sich die Freunde tief im Bergwerk vor den aufgescheuchten Nazis verstecken müssen…

Nach zwei Jahren erscheint nun die Fortsetzung der Reihe, in der wir die nicht ungefährlichen Abenteuer einer Kinderbande während der deutschen Besatzung in Belgien verfolgen. Denn die „Freunde von Spirou“, die nach dem von Chefredakteur Jean Doisy erdachtem Ehrenkodex handeln, wehren sich gegen die Besatzer und die Nazi-freundlichen Rexisten, mit denen sie besagte Straßenschlacht ausfechten, die nun einen fatalen Ausgang nehmen könnte. Der Band greift wieder auf reale Personen und wahre Begebenheiten zurück und bindet sie in die Geschichte ein, wie das Marionettentheater von Suzanne Lepetit alias Madame Brigitte, das Théâtre du Farfadet, das mit Spirou-Stücken durch das Land tingelte (inkl. einer neuen Figur namens Fantasio) und das Doisy nutzte, um Passierscheine für Widerstandskämpfer zu beschaffen, während Madame Brigitte etliche jüdischen Kinder versteckte und ihnen damit das Leben rettete.

Neu ist hier die Mischung aus Realität und Fiktion. Denn bei der wertvollen Fracht handelt es sich um ein gewisses Geschöpf, das auf dem Cover des Bandes unschwer zu erkennen ist und das 1952 der große André Franquin erdachte. Hier agiert es zuerst heimlich, ohne, dass die Freunde von Spirou es zu sehen bekommen, wobei Leserinnen und Lesern klar, ist, wer ihnen da aus der Not hilft. Aber Ehre, wen Ehre gebührt: zum Finale gönnt Autor Jean David Morvan dem Wundertier aus Palumbien einen fulminanten Solo-Auftritt, gefolgt von einem aufklärenden Epilog, in dem wir dann auch erfahren, wie der Minenpferd Donner an die Oberfläche gekommen ist. Und während das Marsupilami mit seinem untrüglichem Spürsinn für Gerechtigkeit sorgt, zeigt die Geschichte, dass Mitgefühl und Freundschaft stärker sind als Hass und Hetze – eine schöne wie auch versöhnliche Botschaft, sowohl in der damaligen, wie auch in der heutigen Zeit.

Trotz der ersten Themen, die hier behandelt werden, sind die Zeichnungen in einem ganz eigenen Funnystil gehalten, der interessanterweise nicht der Ecole Marcinelle zuzuordnen ist (was auch auf Emile Bravos Spirou-Alben zutrifft, die ebenfalls während der Nazi-Besatzung spielen). David Evrard zeichnet in seinem bekannt stilisiert-krakeligen Stil, der jedoch perfekt zur fein konstruierten Geschichte passt, wie auch die Farben von Ben BK (d.i. Benoît Bekaert). Wie im ersten Band gibt es auch hier wieder diverse namentliche Anspielungen auf klassische Dupuis Zeichner, hier Tillieux, Rosy, Will oder Victor Hubinon. Und der tiefgründige Blick in die Historie der Zeitschrift Spirou (die aktuell mit der Nummer 4588 erscheint) ist auch nicht zu verachten. Der kleine Sekundärteil am Ende informiert noch zusätzlich über die historischen Personen und Begebenheiten. (bw)

Die Freunde von Spirou, Band 2: Ein Freund von Spirou
ist mutig und weiß, wann er Ja oder Nein sagen muss…

Text & Story: Jean-David Morvan
Bilder: David Evrard, Ben BK (Farben)
72 Seiten in Farbe, Hardcover
Carlsen Verlag
20 Euro

ISBN: 978-3-551-02639-2

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