
Kann es wirklich sein, dass wieder ein Holiday-Killer in Gotham unterwegs ist? Vieles deutet darauf hin: Anschläge auf Schurken und Feinde Batmans an Feiertagen, dazu mit der charakteristischen Tatwaffe. Dennoch ist das Muster diesmal nicht ganz identisch. Die Schurken werden nur verwundet, offenbar absichtlich nicht getötet. Warum? Was hat das Arkham Asylum damit zu tun? Und vor allem: Wer steckt hinter den Taten?
Batman und Robin tappen hier immer wieder im Dunklen, denn vermeintliche Spuren entpuppen sich als Sackgassen und die Liste der Verdächtigen ist lang und prominent. Von „Two-Face“ Harvey Dent und seiner Frau Gilda, über Mario Falcone – dem letzten der Falcones -, bis hin zu Catwoman. Dann haben wir noch zwei fadenscheinige FBI-Agenten, einen Jim Gordon, der inzwischen von seiner Frau verlassen wurde und eine veritable Schurkenparade – vom Pinguin über Mr. Freeze bis zum Joker sind fast alle klassischen Batman-Gegner mit von der Partie.
Der Sammelband, der die US-Hefte sechs bis zehn beinhaltet, setzt das Konzept des ersten Teils fort: jedes Kapitel, also jedes US-Heft, ist von einem anderen Zeichner gestaltet. Mit dabei sind diesmal Dave Johnson, Becky Cloonan – beide bekannt durch diverse DC-Titel -, Chris Samnee (u.a. „Fire Power“, „Capote in Kansas“) und Matteo Scalera, der mit „Black Science“ glänzte (dt. bei Splitter). Und Enrico Marini, der mit „Der Dunkle Prinz“ bereits einen modernen Batman-Klassiker schuf.
Hier allerdings zeichnet er konventionell, ohne seine eigene typische Kolorierung, was schade ist. Die besorgt wie bei allen Kapiteln der Reihe einmal mehr Dave Stewart, wodurch trotz der unterschiedlichen Zeichenstile eine gewisse Einheitlichkeit entsteht. Sämtliche Cover stammen von Tim Sale, was als Hommage und Verbeugung vor dem kongenialen Partner Jeph Loebs zu verstehen ist. Sale zeichnete u.a. das Epos „Das lange Halloween“, das 1999 bis 2000 erstmals auf Deutsch bei bei Ehapa erschien. Er verstarb 2022, mit nur 66 Jahren.

Inhaltlich schließt auch der zweite (und letzte) Band natürlich an den berühmten Vorgänger an und nimmt dabei auch Bezug auf das Catwoman-Abenteuer in Rom („Catwoman: When in Rome“). Die Mordserie wird von Loeb dahingehend variiert, dass es gar keine ist. Wieder steht ein Falcone im Mittelpunkt (der Sohn des „Römers“), aber auch Catwoman, die Batman gerne „gefährlich nahe“ kommt, scheint etwas zu verbergen, bzw. ihr eigenes, uns noch unbekanntes Spiel zu spielen. Und dann ist da noch Harvey Dent, dessen Auftritte dosiert, dafür aber sehr markant angelegt sind.
So legt Jeph Loeb wieder falsche Fährten, sorgt für diverse Finten und für handfeste Überraschungen, wobei der Faden, den er spinnt, sich beim Finale und der All-Star-Schurken-Parade etwas zu verheddern scheint. Zeichnerisch ist Band 1 prägender, dort kamen u.a. Bill Sienkiewicz und Eduardo Risso zum Zug. Dennoch kann man „Das letzte Halloween“ als würdigen Abschluss der Loeb-Storys aus Batmans Anfangszeit ansehen, auch wenn Tim Sale leider nicht mehr dabei sein kann. Der Band erscheint auch wieder in einer limitierten Hardcover-Variante (siehe Cover links). (bw)
Batman – Das lange Halloween: Das letzte Halloween, Band 2
Text: Jeph Loeb
Bilder: Becky Cloonan, Dave Johnson, Enrico Marini,
Chris Samnee, Matteo Scalera, Dave Stewart (Farben)
144 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
19 Euro
ISBN: 978-3-7416-4859-5