Maler & Modell (Splitter) | Comicleser

Maler & Modell (Splitter)

März 3, 2026
Maler & Modell (Splitter Verlag) von Milo Manara

Gemälde, Statuen oder Büsten sind die Endprodukte. Wofür der Künstler – der Maler oder der Bildhauer – den erhofften Ruhm erntet. Die Inspiration ist dabei oft die Frau, die dargestellt wird. Das Modell, das mitunter auch Muse zugleich ist. „Maler und Modell“, der neue erotische Bildband von Milo Manara (der im Original bei Glénat als „Peintre et Modèle“ bereits 2011 erschienen ist und davor in geringerem Umfang schon 2001 – „neu“ ist also relativ und bezieht sich hier auf den hiesigen Markt) widmet sich ganz den bekannten und unbekannten Damen, die diese Künstler als Modell inspirierten, sowie deren Historie beispielhaft durch die Kunstgeschichte.

Dabei geht Manara unterschiedlich vor: Er variiert oder interpretiert berühmte Kunstwerke, wobei er typischerweise die erotische Komponente betont, setzt sie in einen eigenen Kontext, schafft eigene Perspektiven, modernisiert sie auch oder „ergänzt“ sie, indem er den jeweiligen Schöpfer sogar in seine Interpretation/sein Bild integriert oder mit einbezieht. Jedes seiner Bilder – es sind hundert Stück – beschreibt oder kommentiert Manara mit eigenen Worten, mitunter anekdotenhaft und erläutert die Hintergründe – so entsteht auch ein chronologisch angelegter, schlaglichtartiger Ausflug in die Geschichte der Malerei, wobei Manara zeigt, wie bewandert er darin ist, wenn auch gegen Ende (also Richtung Gegenwart) die Darstellungen und Beschreibungen allgemeiner werden (das Model als Modell).

Einige Bild-Beispiele: Raffaello Sanzio, genannt Raffael, der „göttliche Maler“ und sein Lieblingsmodell Margherita Luti, die als La Fornarina bekannt ist. Gustav Klimt und sein letztes unvollendet gebliebenes Gemälde „Die Braut“, das Manara optisch und motivisch mit dem Klimt Gemälde „Danaë“ und damit mit der griechischen Mythologie verknüpft. Die Statue der Uta von Ballenstedt am Naumburger Dom – übrigens gänzlich bekleidet – deren kühler Blick Manara in seiner Version noch einmal verstärkt und ihm gleichzeitig etwas Verruchtes verleiht. Und die auch in ihrer Darstellung an die böse Königin in Disneys „Snow White“ (1937) erinnert. Moderner dann Aubrey Beardsley, der Oscar Wildes „Salome“ illustrierte und dessen Lysistrata Manara im selben feinen, klaren Schwarz-Weiß-Stil interpretiert.

Mit gleich zwei Bildern widmet sich Milo Manara dem berühmten italienischen Maler Michelangelo Merisi, der nur Caravaggio genannt wird und dessen turbulentes Leben Manara 2015 und 2018 in zwei Bänden als Comic adaptierte (ebenfalls im Splitter Verlag erschienen und zuvor in der Manara Werkausgabe bei Panini). Caravaggios „Reuige Magdalena“ zeigt Manara aus der Gegenperspektive. Und damit den geschunden Rücken des Modells Anna Bianchini, die gerade gedemütigt und ausgepeitscht wurde. Und für „Der Tod Mariens“, gänzlich ohne Glorie dargestellt, was einen Skandal auslöste, nahm Caravaggio gerüchteweise eine unbekannte Tote als Modell, die gerade aus dem Tiber gefischt wurde… Beim Splitter Verlag geht es demnächst mit Manara-Titeln weiter, und zwar wieder mit Comics. „Dunkle Spiele“ und „Piranesi“ erscheinen im Mai und im Juni. (bw)

Maler & Modell
Text & Bilder: Milo Manara
128 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
29,80 Euro

ISBN: 978-3-68950-138-9

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