Der Affenkönig (Splitter) | Comicleser

Der Affenkönig (Splitter)

Januar 21, 2026

Eben mal so wird aus einem steinernen Ei ein Affe geboren, der intelligent ist und spricht. Weshalb der Jadekaiser im Wolkenpalast sogleich auf ihn aufmerksam wird. Der umtriebige Affe findet im Osten des heiligen Kontinents hinter einem Wasserfall eine bessere, paradiesische Welt. Dort lebt er fortan mit seinem Gefolge, mit seinem Volk, das ihn längst als Affenkönig verehrt. Nach hundert Jahren beginnt er sich jedoch zu langweilen und beschließt Unsterblichkeit zu erlangen (dass die Ewigkeit auf Dauer noch langweiliger sein kann, verrät ihm offenbar niemand). Bei den unsterblichen Alten weist man ihm drei Jahre lang niedere Arbeiten zu. Schließlich bekommt er, was er will: Unsterblichkeit und noch dazu die Fähigkeit zu fliegen und zur Transformation – er kann sich nun auf 72 verschiedene Arten verwandeln…

„Der Affenkönig“ (im italienischen Original Lo Scimmiotto – Der Affe) erschien 1976 im Magazin Pilote und ist ein Frühwerk Milo Manaras. Geschrieben wurde die Story von Sänger, Schauspieler und Drehbuchautor Silverio Pisu. Ihr zugrunde liegt natürlich die über 500 Jahre alte Geschichte um Sun Wukong, den Affenkönig, aus dem chinesischen Roman „Die Reise nach Westen“, die in Variationen von Indien über China bis nach Japan bekannt und beliebt ist. Auf Deutsch erschien der Comic erstmals und meines Wissens einzig 1983 bei Schreiber & Leser. In der 18-bändigen „Manara Werkausgabe“ von Panini ist die Geschichte tatsächlich nicht enthalten. Höchste Zeit also für den Splitter Verlag, das heuer 50 Jahre alte Stück im Rahmen der umfangreichen Manara-Edition wieder auszugraben.

Die Geschichte um den Affenkönig ist in Episoden angelegt, die im Fortgang der Story immer kurioser und wüster werden. Einen durchgehenden Handlungsbogen finden wir nicht. Der Charakter des Affen ist sprunghaft und impulsiv. Er zeigt keinerlei Respekt, seinen Feinden und der Obrigkeit in Person des Jadekaisers (eine hohe chinesische Gottheit) gegenüber. Dennoch sucht er immer wieder dessen Anerkennung. Skurril ist die Mischung: das Setting aus der traditionellen chinesischen Geschichte, die ständig mit zeitgenössischen Anachronismen der siebziger Jahre angereichert ist. Man spricht über die Sportschau und den Einmarsch der Russen, ein Bote heißt Kawasaki und fährt Motorrad. Wild auch die Gegner, allen voran Erh-Lang (ein Franke?) in der Gestalt eines Sumo-Ringers mit Schweinshufen, Wehrmachts-Helm und Gasmaske. Und später muss Buddha himself einschreiten, da der Affenkönig weder zu bändigen noch zu bestrafen ist…

Das Geschehen, obwohl wahrlich kein einfacher Stoff, trägt auch gerne komische Züge. In erster Linie durch die Hauptfigur, die stets frech und respektlos auftritt und die mit flapsigen Bemerkungen nicht spart. Milo Manaras Zeichnungen sind hier nicht nur extrem detailverliebt und opulent, sondern bilden immer wieder orchestrierte, ganzseitige Tableaus, auch damals schon garniert mit Nacktheit, die jedoch nicht im Vordergrund steht. Ein Band, der den Geist seiner Entstehungszeit atmet, der aufgrund seiner Beschaffenheit nicht einfach zu lesen ist, der aber immer wieder wegen der überbordenden Zeichenkunst Manaras zum Verweilen einlädt. Wie immer gibt es als Bonus diverse Cover und Zeichnungen zum Thema. Und ein Kunstdruck liegt auch wieder bei. (bw)

Der Affenkönig
Text & Story: Silverio Pisu
Bilder: Milo Manara
96 Seiten in Schwarz-Weiß, Hardcover
Splitter Verlag
24 Euro

ISBN: 978-3-68950-136-5

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