Black Hammer Visions, Band 1 (Splitter)

Juli 29, 2022
Black Hammer Visions, Band 1 (Splitter Verlag)

Anthologie-Alarm, die nächste: acht Geschichten aus Jeff Lemires Hammerverse, versammelt in der Miniserie „Black Hammer Visions“ haben wir hier vor uns, die hierzulande auf zwei Bände verteilt erscheinen. Somit finden wir hier die ersten vier Stories, in denen sich das jeweils wechselnde Zeichner-/Autoren-Team den Fokus auf ausgewählte Figuren und Handlungsbögen legt. Los legen Patton Oswalt und Dean Kotz mit der Episode „Transfer Student“, in der sich die beiden Highschool-Hübschen Eunice und Barbara am Tag ihres Schulabschlusses an die drei Jahren erinnern, in der die seltsame Gail Gibbons mit ihnen in der Klasse war. Völlig deplatziertes Benehmen, Rüpelhaftigkeit und Raucherei wunderten sie ja schon immer, aber dass Gail eine 50jährige Superheldin ist, die im Körper einer 10jährigen feststeckt, das vermuten sie dann doch nicht. Als Eunice ihr folgt und in der Nähe der Farm von Rockwood definitiv zu viel sieht, muss Lady Dragonfly eingreifen – aber Gail sorgt noch dafür, dass Eunice neugierig und unkonventionell wie sie wird…

Direkt in die „Cabin of Horrors“ führt die Geschichte von Geoff Johns und Scott Kolins in der ein augenscheinlich harmloser Hillbilly einen Zwischenstopp einlegt, um Zigaretten zu kaufen, wobei ihm dann sein Entführungsopfer, das er im Kofferraum in Richtung seiner massenmörderischen Mutter transportiert, dummerweise ausbüxt. Der Junge namens Jacob rettet sich gerade noch eine seltsame Hütte, in der diverse Türen in jeweils andere Horrorszenarien führen – von einem Axtmörder über eine Szene, in der er den Tod seiner Mutter nochmals erleben muss, bis hin zu einer Horde von in einem Käfig gefangener armer Opfer. Natürlich ist er in der Hütte von Lady Dragonfly gelandet, und als sein Entführer auch auf den Plan tritt, schlägt die ausgleichende Gerechtigkeit gnadenlos zu – wodurch Jacob dann künftig als „Kid Dragonfly“ selbst aktiv werden kann…

Ruhestand ist doch etwas Nettes – aber wenn man früher ein Superheld namens Abe Slam war, gefällt es natürlich gar nicht, dass die Regierung plötzlich eine „staatlich finanzierte“ Kopie in Umlauf bringt, die unter dem Namen „The Slam“ rabiat und mit Waffengewalt das Erbe des Vorgängers antritt. Das schmeckt dem guten Abe gar nicht, weshalb er den Nachfolger gegen den Rat seiner Frau Cassie konfrontiert, der ihm allerdings gleich mal ordentlich das Fell über die Ohren zieht. Im Krankenhaus verfolgt Abe, dass der Hotshot bei einem Einsatz ums Leben kommt – seine Einschätzung wandelt sich zu Trauer und zur Erkenntnis, dass hier ein junger Mann von der Regierung kurzerhand verheizt wurde („Uncle Slam“, Chip Zdarsky und Johnny Christmas, nicht zu verwechseln mit Johnny Favorite). Direkt in die Welt der Soap Operas steigen wir dann mit der letzten Episode ein, in der nahezu die gesamte Besatzung des Hammerverse eine Fernseh-Serie bestreitet, komplett mit unwahrscheinlichen Wendungen und spannenden Besetzungen: Abe Slam als wütender Patriarch, Lady Dragonfly als aufmüpfige Tochter, Colonel Weird gibt den verwirrten Butler, während Barbalien als Koch fungiert – Meta-Ebene allenthalben, sozusagen.

Vier Geschichten, vier Teams, vier Blickwinkel: die Schulepisode wirft uns zurück in die 90er und stellt die Frage, wie es denn nicht auffallen kann, dass ein Mädchen in ihrem Schulalltag nicht altert – Teenager-Angst deluxe, sozusagen. Eine klassische Verneigung vor dem seligen EC-Horror liefert ganz stilecht die Episode um Lady Dragonfly, deren gesamte Figur die Horror-Comics der 50er zitiert – Ansprache des Lesers inklusive. Das „Uncle Slam“-Szenario zeichnet dann deutliche Kritik an einer Regierung, die mit deftigen Slogans Helden schafft, die selbstbewusst „Ich bin Amerika!“ ausrufen, bevor sie mit 24 Jahren erschossen werden – der Winter Soldier winkt kurz herüber. Und die Abhandlung sattsam bekannter Familienkonflikte über den Weg einer Soap Opera, die ganz im Stile von Dallas und Denver Clan daherkommt und in der ein weiblicher Walky Talky eine junge Lady Dragonfly heiraten will, macht einfach nur Laune. Somit gutes Futter für alle Hammerverse-Freunde, die Farbkleckse und Denkanstöße liefert. Der vorliegende Band wartet mit einer Covergalerie und Skizzensammlung auf. Band 2, der demnächst erscheinen wird, nehmen wir gerne. (hb)

Black Hammer Visions, Band 1
Text: Patton Oswalt, Geoff Johns, Chip Zdarsky, Mariko Tamaki
Bilder: Dean Kotz, Johnnie Christmas, Diego Olortegui, Scott Kolins
128 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
19,80 Euro

ISBN: 978-3-96792-223-3

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