Spirou und Fantasio Spezial, Band 32 (Carlsen) | Comicleser

Spirou und Fantasio Spezial, Band 32 (Carlsen)

April 12, 2021

Idyllisch gelegen: das Hotel Pacific Palace. Hier arbeiten Spirou und Fantasio als Pagen. Und hier gehen merkwürdige Dinge vor: Das Hotel wird von der Außenwelt abgeschirmt, ein Großteil des Personals wird nach Hause geschickt. Außer dem Direktor bleiben nur Spirou, Fantasio, ein Zimmermädchen, sowie ein Koch. Grund: Präsident Iliex Korda, Diktator des osteuropäischen Landes Karajan, ist auf der Flucht und mietet sich hier mit seiner Familie und seiner Entourage ein. Für Frankreich eine delikate Situation, weiß man doch nicht so recht, was man mit dem Despot, mit dem man jahrelang gute Geschäfte machte und den man in seinem Land den „Schlächter“ nannte, jetzt anstellen soll. Während hinter verschlossenen Türen diplomatische Verhandlungen beginnen, erwacht in dem ungestümen Fantasio die alte Reporter-Spürnase. Und Spirou verguckt sich in die hübsche Elena, die Tochter Kordas, die obendrein als einziger „Gast“ französisch spricht. Zudem ist Elena rebellisch und kann ihren Vater so gar nicht leiden…

Ein wenig fühlt man sich im neuen Spirou Spezial Band in das unheimliche, verlassene Overlook Hotel aus Kubricks Shining versetzt. Ein geschichtsträchtiges Haus, das seine besten Tage bereits hinter sich hat – einst stiegen hier Frau Monroe und Herr Jackson ab (in einer kuriosen, witzigen Szene beweist der ansonsten streng-steife Hoteldirektor Paul, dass er den Moonwalk perfekt beherrscht). Nun bevölkern nur die ungebetenen Gäste aus Karajan und diverse Leibwächter die Gänge. Die angeblichen Sicherheitskräfte und Scharfschützen draußen im Park-ähnlichen Garten bleiben unsichtbar. Während Spirou (aber auch Fantasio) die Nähe Elenas sucht, deutet sich immer mehr an, dass es Direktor Paul faustdick hinter den Ohren hat. Fantasios plumpe Bemühungen, Details der diplomatischen Treffen zu erfahren, prallen an Direktor Paul ab, während Spirou von Elena sichtlich abgelenkt ist. Die gibt sich betörend wie unnahbar und man fragt sich, ob sie ihren goldenen (Familien-) Käfig zu verlassen vermag. Bis es am Ende zu einem dramatischen Showdown kommt, der nicht nur einmal zu überraschen weiß.

Christian Durieux, Autor und Zeichner dieses Spezial-Bandes (der ohne das traditionelle Spirou-Cover-Logo daherkommt), ist hierzulande noch nicht nennenswert in Erscheinung getreten. Er verschafft seinem Band eine sonderbare, unterkühlte und leicht unheimliche Atmosphäre, in der sowohl die hohe Politik, als auch das Gefühlsleben der Protagonisten ihren Platz haben. Was die Geschichte, wie auch die Bilder betrifft. Während er Dekors, Einrichtungen und Hintergründe des altehrwürdigen, scheinbar aus der Zeit gefallenen Hotels detailliert ausarbeitet, zeigen seine Figuren glatte, semi-realistische Konturen, die mit klarer Linie dargestellt sind und merkwürdig distanziert erscheinen. Die dezent blasse Farbgebung unterstreicht noch einmal diesen Gesamteindruck. Mit „Pacific Palace“ wird die Spezial-Reihe, in der Zeichner und Autoren bekanntlich ihre ganz eigene Interpretation der Figuren, ganz losgelöst von der Hauptserie unterbringen können, um einen ungewöhnlichen wie eigenwilligen Beitrag ergänzt. (bw)

Spirou und Fantasio Spezial, Band 32: Pacific Palace
Text & Bilder: Christian Durieux
80 Seiten, Softcover
Carlsen Verlag
13 Euro

ISBN: 978-3-551-78044-7

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