
Berlin im Jahr 2099. In den Außenbezirken der Stadt herrscht ein Bauboom. Daran maßgeblich beteiligt ist der Metropolia-Konzern. Auf dessen gigantischen mobilen Baggerkran, den man passenderweise „Titan“ nennt, wird von Unbekannten mit sechs Sprengsätzen ein Anschlag verübt. Es gibt keine Tote, aber zahlreiche Verletzte. Und der angerichtete Schaden samt Verlust wird auf 500 Millionen Euro geschätzt. Da die Berliner Polizei zu langsam ist, beauftragt Eva Schneider von Metropolia einmal mehr den Privatdetektiv Sascha Jäger, die Saboteure, deren Motiv und Auftraggeber zu finden.
Dazu ermittelt Sascha erneut undercover, diesmal nicht als Architekt, sondern als „Spezialist für Extrem-Schweißen“, was Dank der Droge Metapsy, die auf Dauer jedoch schizophren macht, kein Problem darstellt. Zu den Verdächtigen gehören Umweltschutzgruppen, die die Vernichtung der Natur durch die fortschreitende Urbanisierung verhindern wollen, die Konkurrenz von Metropolia und die Mafia, die die Flüchtlingscamps außerhalb der Stadt organisiert und kontrolliert. Bald muss Sascha einen vermeintlichen Augenzeugen des Anschlags beschützen. Und entdeckt schließlich, dass die Wahrheit eine ganz andere ist…
Der zweite Band toppt den Erstling, vielleicht auch deshalb, weil es hier keinen abstrakten Gegenspieler gibt, sondern weil schon heute längst existierende Probleme und deren Folgen im Berlin des Jahres 2099 wieder aufgegriffen werden, wie Umweltzerstörung, Klimawandel, Drogenkonsum, Stadtflucht, Überbevölkerung und allen voran Migration und Fremdenhass. Und wir lernen etwas mehr von der Außenwelt, den Rändern rund um Berlin kennen, jenem Moloch, in dem abgeschirmt vom Rest der Welt inzwischen 20 Millionen Menschen leben, von denen viele die Stadt und deren vermeintlichen Schutz noch nie verlassen haben (siehe die Schritte-Thematik, die in Band 1 erklärt wird).

Ein Sub-Plot widmet sich der geheimnisvollen Martha Müller, jener Fahrrad-Kurierin, die bereits in Band 1 mitmischt. Warum trifft Sascha in den Außenbezirken immer wieder auf sie? Kann das tatsächlich noch Zufall sein? Hinter Martha, das wird schnell klar, verbirgt sich so viel mehr als es den Anschein hat – hier wird Band drei (mit dem die Reihe wieder beendet wird) sicher für Aufklärung sorgen. Auch der Hintergrund des offenbar mega-mächtigen Metropolia Konzerns bleibt weiter im Dunkeln. Die Geschichte des Albums ist dicht erzählt, mit zahlreichen originellen Details, sowohl optisch wie auch inhaltlich, die Leserinnen und Leser tief in diese hochtechnisierte, aber auch kalte Welt eintauchen lassen (siehe der Schuhkauf gleich zu Beginn).
Ingo Römling (u.a. „Star Wars“, „Malcom Max“) leistet hier in seiner zweiten franko-belgischen Serie (nach dem storytechnisch recht konfusem Dreiteiler „Die Chroniken des Universums“) bei seinem futuristischen Berlin-Entwurf wieder hervorragende Arbeit und Autor Fred Duval („Nevada“, „Tag X“, „Reset“ u.v.a.) versteht es, viele unterschiedliche Themen in seine Story zu packen, ohne dabei den Faden zu verlieren und ohne die Handlung zu überfrachten. Der Band ist auch wieder als limitierte Vorzugsausgabe mit Variantcover (siehe links), zusätzlichem Bonusmaterial und Kunstdruck erhältlich. (bw)
Metropolia, Band 2: Die Außenbezirke
Text & Story: Fred Duval
Bilder: Ingo Römling
56 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
18 Euro
ISBN: 978-3-68950-073-3