Revolution (Splitter) | Comicleser

Revolution (Splitter)

Oktober 21, 2026
Revolution (Splitter Verlag)

Irgendwo auf einer riesigen Bühne, möglicherweise in Frankreich, vielleicht aber auch in den USA. Genaues erfahren wir nicht – die Wahl der Schauplätze hier entbehrt sowieso jeglicher Logik: Ein Mann, der sich Robespierre nennt und der auch frisurtechnisch an die Zeit der französischen Revolution erinnert, hetzt gegen die Reichen und Prominenten, v.a. gegen die Stars des Fernsehens – seiner Meinung nach die Aristokratie von heute und damit die Wurzel allen Übels. Die Masse der Zuschauer lässt sich willig begeistern, jubelt sich in einen Rausch, auch bei der ersten Aburteilung: Ein berühmter Sportjournalist wird erst angeprangert und dann der Guillotine überführt, wo er sprichwörtlich seinen Kopf verliert.

Parallel dazu verfolgen wir die Geschehnisse rund um die Tänzerin Kay, die von einem Programmdirektor gecastet wird. Persönlich, in mehrfacher Hinsicht. Dann wird der Gute von den Neu-Revolutionären verschleppt, um ebenfalls abgeurteilt zu werden. Und Kay nimmt man der Einfachheit halber gleich mit. Doch die junge Frau lässt sich nicht einschüchtern, im Gegenteil – ihr gelingt eine spektakuläre wie gefährliche Flucht, per Handschellen noch immer gebunden an ihren Programmdirektor. In einem Canyon suchen die beiden Schutz bis zu ihrer Rettung, werden jedoch bald erneut gejagt, von einem Vertrauten Robespierres, der sich Saint-Just nennt, ebenfalls nach einer historischen Revolutionsfigur…

Milo Manaras „Revolution“ entstand 2000 und wird hier im ursprünglichen Schwarz-Weiß veröffentlicht. 2001 erschien der Titel bei Schreiber und Leser erstmals und bisher einzig auf Deutsch (in der Manara Werkausgabe bei Panini war der Band nicht enthalten). Splitter bringt die Story gewohnt hochwertig im Rahmen seiner Manara Edition mit einigen (unkommentierten) Zusatzseiten und einem Druck in der Erstauflage. Der Band ist selbst für Manara ungewöhnlich skurril und lässt seine Leserinnen und Leser ratlos zurück. Das tut er dann aber konsequent, bis zum offenen Ende. Handelt es sich um Gesellschaftskritik? Satire? Um eine Medienschelte? Oder will Manara wirklich nur auf den immer tiefer werdenden Graben zwischen Reich und Arm aufmerksam machen, wie er im Vorwort selbst erklärt?

Seine neuen Revoluzzer nehmen nicht nur die Namen der alten an, sondern auch deren Methoden (feine Ironie: sowohl Robespierre, als auch Saint-Just wurden in der Französischen Revolution schließlich selbst guillotiniert), wobei das gemeine Volk fanatisch mitzieht. Inhaltlich meist abgegrenzt davon ist der zweite Handlungsstrang mit Kay, der hauptsächlich in einem zerklüfteten Canyon spielt, samt altem Pueblo Dorf, das nicht so verlassen ist, wie es scheint – was glatt als Hommage an den klassischen Blueberry Zweiteiler mit Prosit Luckner („Die vergessene Goldmine“ & „Das Gespenst mit den goldenen Kugeln“) durchgehen könnte. Für die Erotik-Komponente (der Band erscheint in dem inoffiziellen Splitternackt-Label) sorgt Kay, die stets selbstbewusst und entschlossen auftritt, und die es versteht, Männer eindeutig abzulenken. Was dann doch wieder Manara-typisch ist… (bw)

Revolution
Text & Bilder: Milo Manara
64 Seiten in Schwarz-Weiß, Hardcover
Splitter Verlag
22 Euro

ISBN: 978-3-69258-001-2

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