Flucht von Piranesi (Splitter) | Comicleser

Flucht von Piranesi (Splitter)

Juli 1, 2026
"Flucht von Piranesi" von Milo Manara (Splitter Verlag)

Irgendwann in ferner Zukunft sind die Menschen auf Weisung des Imperiums mit Bio-Imprints gentechnisch „aufgehübscht“. Dadurch werden sie nicht nur zufriedener und glücklicher, sondern auch zahmer und so für die Obrigkeit leichter zu lenken. Was offenbar nicht immer klappt. Denn es gibt genug „Verbrecher“, die auf den Zuchthausplaneten Piranesi verschifft werden, sterilisiert und kontrolliert mit einem Halsband, das seinem Träger bei Bedarf Schmerzen zufügen oder sogar tödlich sein kann.

Bei einem dieser Transporte kommt auch der verurteilte Euklid auf Piranesi an, seines Zeichens „Supermeister der Helio-Physik“. Doch Euklid ist kein normaler Gefangener, er ist vielmehr in einer bestimmten Mission unterwegs. Ehe er dieser nachgehen kann, stößt er auf eine junge, namenlose Dame, die eigentlich gar nicht existieren dürfte: Sie ist auf Piranesi geboren und sie trägt kein Halsband! Und Euklid könnte ihr Ticket in die Freiheit werden…

Milo Manara schrieb und zeichnete die Story in dem für ihn eher untypischen Science Fiction Genre im Jahr 2002 („Piranèse – La Planète Prison“). Bei uns erschien die Geschichte bereits zweimal. 2003 als Album in der Edition Erotik bei Schreiber & Leser (als „Piranesi – Planet der Verbannten“) und in Band 16 der Manara Werkausgabe im Januar 2016. Nun nimmt sich der Splitter Verlag im Rahmen seiner umfangreichen Manara Edition der Story an, wie immer mit einem Kunstdruck in der Erstauflage.

Doch das Album hat einen Haken: die Geschichte ist nicht abgeschlossen (der Band erschien im Original bei Albin Michel als Band 1) und das bis heute. Wir erfahren also weder die Herkunft der schönen Unbekannten, die als letzter Mensch mit unveränderter DNA gilt und die damit vom Imperium gesucht wird, noch wie es mit ihr nach ihrer Rückkehr nach Piranesi (kleiner Spoiler) weitergeht. Was natürlich schade ist.

Bei seiner Geschichte, die episodisch angelegt ist und nicht nur damit an Werke von Moebius erinnert, verweist Manara auf diverse Science-Fiction Klassiker in Film und Comic, wie Star Wars (der Wagen der entflohene (?) Damen aufsammelt, das herrschende Imperium), Blade Runner (Tannhäuser als Ort, die Pyramide), Das Fünfte Element (die gelben Gleiter), Valerian & Veronique oder eben Moebius.

Dabei mischt Manara zwei anachronistische Elemente unter: Die Obrigkeit trägt gerne historische Kostüme bzw. Uniformen (ganz im Gegensatz zur schrillen Mode auf Alpha 13) und ganz kurios: auf Piranesi gab es wohl in grauer Vorzeit eine Automobilfabrik – Teile von deren Produkten tauchen immer wieder als Artefakte auf (man produzierte dort offenbar auch Mini Cooper). Und ein alter Benziner nimmt sogar eine wichtige Rolle bei der titelgebenden Flucht ein.

Mit seinen Zeichnungen geht Manara hier etwas sparsamer um, die Panels sind weniger ausgefüllt, oft fehlen Hintergründe. Die Schauplätze sind landschaftlich gerne karg ausgestattet. Der Fokus liegt dann auf den handelnden Figuren. Auch die für Manara charakteristische Erotik-Komponente wird deutlich heruntergefahren, freilich ohne diese ganz zu canceln. Insgesamt ein etwas kurioser Manara-Band, der im Anhang diverse Zeichnungen zum SF-Thema und einige unkolorierte Seiten als Zugabe bietet. Mit „Revolution“ geht die Manara Edition bei Splitter im August weiter. (bw)

Flucht von Piranesi
Text & Bilder: Milo Manara
72 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
22 Euro

ISBN: 978-3-69258-008-1

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