
Rückgriff in die Vergangenheit: die junge Erica Slaughter ist mit ihrer Mentorin Jessica auf Monsterhatz. Als die beiden unvermittelt in das entlegene Valmont Mountain House abkommandiert werden, erkennt Erica schnell: die zunehmend ausgelaugte Jessica muss schon einmal dort gewesen sein. In den frühen 80er Jahren kam es schon einmal zu einer Mordserie, die sich nun wiederholt: schon drei Kinder wurden in den Wäldern um das einsame Resort tot aufgefunden.
Gegen den Rat von Polizist Marcus lässt der zwielichtige Chef Wheeler die Anlage offen, das Geschäft muss ja weitergehen. Prompt finden Wanderer im Wald ein blutüberströmtes Mädchen, das wenig später alleine im Resort ankommt: das mysteriöse Kroppzeug ist offenbar so erstarkt, dass es auch Erwachsene angreift, so folgert die mittlerweile angekommene Jessica messerscharf. Jessica gibt sich dank gefälschtem Ausweis als FBI-Agentin aus und erfährt so, dass mittlerweile neun Todesopfer zu beklagen sind.
Man sorgt dafür, dass die bislang einzige Überlebende, die kleine Bex, im Hotel bleibt und so von Erica befragt werden kann. Während im Stützpunkt des Drachenordens Jessicas Freund Aaron die Geheimnisse der Vergangenheit zunehmend enthüllt (die alte Adelaide war während der ersten Mordserie wohl mit ihren Schützlingen Jessica und Cecilia vor Ort), machen sich Erica und Jessica, bewaffnet mit einer handlichen Motorsäge, auf in die Wälder um das Mountain House…
Wie alles begann, Origin-Story, zumindest in diese Richtung geht das neue Kapitel, das James Tynion IV in seiner Saga um die Monster aufschlägt, die nur Kinder sehen können und die der Orden der Drachen aus mehr oder minder aufrichtiger Motivation bekämpft. Die Zentralfigur Erica Slaughter ist hier noch ein Kind „in Ausbildung“, Jessica erscheint als ausgebrannte, zynische Kämpferin, die ihre Dämonen in ganzen Flaschen von teurem Whiskey ertränkt (in einer fast schon lyrischen Szene an der Bar luchst sie dem Barkeeper einen Single Malt ab), und der Orden der Drachen mitsamt seiner Anführerin Cecilia zeigt sich mit verschlossenen Akten und geheimen Papieren über die Vorgänge im Mountain House wieder so dubios wie eh und je.
Vielsagend ist dabei dieses Mal besonders das Setting, das Tynion ganz bewusst eng an das Overlook-Hotel anlehnt, in dem ein grinsender Jack Nicholson seinerzeit sein Unwesen trieb – eindrucksvoller Ballsaal und Bar inklusive. Im widerspenstigen Wheeler kommt daneben noch ein weiterer Horrorklassiker um die Ecke, der explizit angesprochen wird: „Ich weiß, was Du sagen willst. Ich bin der Bürgermeister aus dem Film. Du willst sagen, ich soll den Strand sperren. Weil da ein Hai im Wasser ist. Nur ich bin kein Bürgermeister. Ich Leiter dieses Resorts und muss die Interessen meiner Angestellten wahren. Sie haben klargemacht, dass wir geöffnet bleiben.“ Womit das Unheil wie auch schon in Amity im Weißen Hai seinen Lauf nehmen kann.
Optisch kredenzt Werther dell’Edera das Geschehen wie immer leicht stilisiert mit durchaus drastischen Momenten. Der vorliegende Band versammelt Heft 41-45 der Reihe und bringt damit den ersten Teil des neuen (oder besser alten) Handlungsbogens. Im Oktober geht es dann erst einmal mit Band 4 des Spin-Offs „House of Slaughter“ weiter. (hb)
Something is killing the Children, Band 9
Text: James Tynion IV
Bilder: Werther Dell’Edera, Miquel Muerto
144 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
24 Euro
ISBN: 978-3-98721-348-9