Superman/Spider-Man, Heft 1 (Panini) | Comicleser

Superman/Spider-Man, Heft 1 (Panini)

Juni 24, 2026
Superman/Spider-Man, Heft 1 (Panini Comics)

Gute Freunde kann niemand trennen, sang mal ein illustrer Fußballer: Clark Kent und Peter Parker sind in Zivil gemeinsam unterwegs, um einen geheimnisvollen Einbruch in den Star Labs aufzuklären. Da hat jemand eine Menge Kryptonit geklaut und dabei ein ordentliches Stück Wand herausgerissen: eindeutig Doc Ock, folgert Peter schnell messerscharf. Aber Octavius ist hier nicht der einzige Missetäter, der eigentliche Drahtzieher ist Brainiac, der einen Virus loswerden will, den man ihm eingepflanzt hat. Als Brainiac beginnt, die Menschheit per Download zu infizieren, greifen Superman und Spider-Man ein – und als das Kryptonit seine Wirkung nicht verfehlt, ist es an unserem freundlichen Nachbarn Spinne, den Tag doch noch zu retten…

Crossovers gehören mittlerweile ja quasi zu Tagesordnung, verlagsinterne Team-Ups sind seit den Anfangstagen der Superhelden fast schon Standard (man denke hier nur Reihen wie „The Brave and the Bold“ oder „World’s Finest“), aber zwei Helden aus unterschiedlichen Rennställen zusammenzubringen, das war 1976 doch reichlich neu. Ursprünglich stammte die Idee von Stan Lees Agent, der sich eigentlich Chancen auf ein Leinwandabenteuer ausrechnete, umgesetzt wurde letztlich dann der Comic-Klassiker „Superman vs. The Amazing Spider-Man: The Battle of the Century“, in dem sich unsere beiden Helden erstmals gemeinsam mit Doc Ock und Lex Luthor herumschlagen mussten (und das in Deutschland aufgrund verworrener Rechte-Lage unter dem für uns damals reichlich seltsam wirkenden Titel „Superman gegen Super-Spider“ erschien – und das jetzt von Panini neu aufgelegt wird).

In der hier vorliegenden neuen Ausgabe „DC/Marvel: Superman Spider-Man“ legen verschiedene Autoren- und Zeichnerteams nun jeweils ihre Version eines Zusammentreffens vor, wobei die Story „Truth, Justice and Great Responsibility“ (zwei Mark in die Wortspielkasse für diese Kombination der Leitsätze von Supie und Spidey) neben einer intergalaktischen Bedrohung vor allem mit einer feinen Hommage aufwartet. In Brainiacs abstürzendem Raumschiff hängt alles davon ab, ob Spider-Man sich unter einem Berg von Trümmern freikämpfen kann – ein hübscher Verweis auf eine der ikonischsten Stan Lee/Steve Ditko-Szenen überhaupt; in „The Final Chapter“ aus Amazing Spider-Man 33 von 1966 musste sich unser Held schon einmal aus einem Trümmerhaufen freistemmen.

Eines der Shop-Variants

In einem umfangreichen Bonus-Teil können wir dann in weiteren sieben Kurzgeschichten weitere Team-Ups erleben, darunter durchaus illustre Treffen wie Lois Lane und Mary Jane, Power Girl und Punisher, Jimmy Olsen und Carnage oder Jonathan Kent und Ben Parker (!). Fein sind dabei weniger die oft nur kurz angerissenen Handlungsstränge, sondern eher die Verneigungen vor der reichhaltigen Historie. In „The World’s Finest“ von Tom King und Jim Lee (incl. Gambit, den Lee ja schon in seinem legendären X-Men Run Anfang der 90er zeichnete) etwa amüsiert sich Mary Jane über ihr berühmtestes Zitat: „Andere Versionen von mir kenn ich zur Genüge. Und alle immer so: ‚Gib’s zu, Tiger… heute ist Dein Glückstag!‘ Schon kapiert. Ich hab mit 19 was cooles gesagt. Und das ist nun das Bild, das das ganze Multiversum von mir hat?“

Dass man Spider-Man nur mit Bindestrich schreibt und auch ausspricht (womit Stan Lee sich von Superman absetzen wollte), das erfährt Jimmy Olsen am eigenen Leibe, der von Carnage niedergemetzelt wird und postum zum Helden von J. Jonah Jameson avanciert. Das vielleicht schönste Osterei versteckt Greg Rucka in der Story „Befangen“, in der JJJ beteuert, er habe ja nichts gegen Superhelden, nur gegen Lumpen wie Spider-Man, die sich hinter einer Maske verstecken, ganz anders als Superman. Als Lois ihrem Kollegen Clark zuflüstert, ob JJJ denn wirklich gar nichts gemerkt habe, wundert sich auch Peter Parker: „Es muss die Brille sein!“ Aus dieser kleinen Bemerkung grüßt die wunderbare Curt Swan-Story „The Master Mesmerizer of Metropolis“, in der Swan 1978 erstmals die These offerierte, Clark Kents angebliche Sehhilfe enthalte Kryptonit und hätte so hypnotische Wirkung – wie sonst sollte eine schlichte Brille die ganze Welt an der Nase herumführen.

Diese sympathisch absurde Geschichte erschien schon 1979 im Zuge des Superman-Kino-Hypes auch hierzulande bei Ehapa im großformatigen Lappen „Superman Jubiläumsband 1“, mit dem man 40 Jahre Superman in Deutschland feierte (ich feierte seinerzeit natürlich mit, auch wenn der Preis für damalige Verhältnisse Respekt einflößte) – eine nostalgische Ausgabe, die bei Sammlern heute durchaus geschätzt ist. Das vorliegende Heft bietet somit einen wohligen Blick in die Historie und dürfte vor allem treuen Lesern viel Freude bereiten, inkl. zahlreicher Variant-Cover-Ausgaben, darunter auch drei, die es nur im Shop bei Panini direkt gibt. (hb)

Superman/Spider-Man, Heft 1
Text: Greg Rucka, Gail Simone, Mark Waid, Tom King
Bilder: Jim Lee, Jorge Jimenez, Nicola Scott
72 Seiten in Farbe, Heft
Panini Comics
7,99 Euro

Tags: , , , , , , , , , , , , , ,

Comments are closed.